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Wie Bahn und GDL ohne Arbeitskämpfe eine Einigung fanden 27.02.2026, 10:31 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

BERLIN (dpa-AFX) - Tarifrunden bei der Deutschen Bahn bedeuteten in den vergangenen Jahren für Fahrgäste meistens auch: Reisechaos. Häufige Streiks legten oft über mehrere Tage den kompletten Zugverkehr lahm. Die Unsicherheit hielt Monate an. Vor allem die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit ihrem streitbaren Ex-Vorsitzenden Claus Weselsky galt als Garant für komplizierte Verhandlungen und kurzfristige Arbeitskämpfe auf der Schiene.

Doch dieses Mal lief alles anders: Nach fünf Verhandlungsrunden ohne lautere Zwischentöne einigten sich die Bahn und die GDL in der Nacht auf Freitag auf einen Abschluss. Ein Abschluss mit der GDL ohne Streiks - das gab es seit 2018 nicht mehr. Wie war das möglich?

Die Verhandlungsführung

Unter anderem durch einen Führungswechsel bei der GDL. Seit September 2024 führt Mario Reiß die Gewerkschaft an, davor bestimmte sein Vorgänger Weselsky für 16 Jahre die Ausrichtung der Lokführergewerkschaft.

Weselsky setzte dabei in der Öffentlichkeit vor allem auf Offensive, auf derbe Sprüche und eine harte Gangart gegenüber den Arbeitgebern. Vorstände und Manager wurden dann wahlweise zu "Nieten in Nadelstreifen", Nichtskönnern oder Vollpfosten.

Reiß setzte bei seiner Premiere als GDL-Verhandlungsführer bei Gesprächen mit der Deutschen Bahn einen auffällig neuen, anderen Ton. Reiß äußerte zwar deutliche Kritik am ersten Angebot der Bahn und schloss auch einen Abbruch der Gespräche zwischenzeitlich nicht aus. Persönliche Angriffe auf Bahn-Personalvorstand Martin Seiler oder gar Beleidigungen in Richtung der DB-Chefetage gab es von ihm aber nicht.

Arbeitskämpfe schloss Reiß vor der Tarifrunde nicht aus, betonte aber stets, diese seien das letzte Mittel. In der Kommunikation nach außen stimmten sich beide Seiten während der Tarifrunde enger ab. Die Presseverlautbarungen ähnelten sich oft auffällig im Ton.

Die verlängerte Friedenspflicht

Viel Handlungsspielraum hatte Reiß allerdings ohnehin nicht. Beide Seiten hatten sich bereits bei der vorigen Tarifrunde auf eine zweimonatige Friedenspflicht für die nächsten Verhandlungen geeinigt. Arbeitskämpfe waren bis einschließlich Februar damit nicht möglich. Reiß hätte gleichwohl eine Drohkulisse für den März aufbauen oder die Gespräche für gescheitert erklären können. Auf diese Mittel verzichtete der Gewerkschaftschef aber.

Dem Ansatz bleiben beide Seiten nun treu: Auch für die nächsten Verhandlungen in zwei Jahren haben sich Bahn und GDL auf eine mehrmonatige Verhandlungsphase mit Friedenspflicht verständigt.

Spannend wird sein, ob sich die arbeitskampferprobten GDL-Mitglieder mit einer so ruhigen Tarifrunde zufriedengeben - und nicht das Gefühl haben, dass mit mehr Radau ein größeres Plus auf dem Gehaltszettel drin gewesen wäre.

Die langen Verhandlungszeiträume

Beide Seiten hatten sich für die Tarifrunde auf einen festen Fahrplan geeinigt: Mehrere ein- bis zweitägige Treffen im Januar und zwei lange Verhandlungsrunden im Februar sollten aus Reiß' Sicht genug Zeit bieten, um zu einer Einigung zu kommen. Schließlich reichten bei den Tarifgesprächen mit den Wettbewerbsbahnen oft nur drei Treffen für eine Einigung, betonte er.

Das Konzept hat sich offenbar ausgezahlt: Bei den kürzeren Runden im Januar wurden die Verhandlungsspielräume ausgelotet, bei den längeren Runden im Februar entlang der GDL-Forderungen und des Bahn-Angebots verhandelt. Nach 13 von vorab 14 vereinbarten Verhandlungstagen stand die Einigung.

Die Forderungen

Geholfen hat möglicherweise auch, dass sich die Forderungen der GDL sehr auf das Entgelt der Beschäftigten fokussierten. In der vorigen Runde hatten sich Bahn und GDL im Streit über eine Arbeitszeitreduzierung überworfen. Die Tarifauseinandersetzung zog sich über Monate und war von häufigen Arbeitskämpfen begleitet.

Mit dem Tarifeinheitsgesetz war es dann die Bahn, die ein kompliziertes Thema in den Verhandlungen aufmachte. Dieses sieht vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge derjenigen Arbeitgebervertretung angewendet wird, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat. In den meisten der rund 300 Bahn-Betriebe ist das die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft. In Dutzenden Bahn-Unternehmen sind die Mehrheiten allerdings unklar.

Der Streit darüber dauert seit Jahren an und dreht sich unter anderem darum, wie die Mitgliederstärke in den Betrieben überhaupt festgestellt werden soll. Es ist wenig verwunderlich, dass dieses Thema der größte Knackpunkt in der laufenden Tarifrunde war.

Die Einigung

Aber sowohl für die Frage der Löhne und Gehälter, als auch mit Blick auf das Tarifeinheitsgesetz fanden beide Seiten Kompromisse: Bahn und GDL verständigten sich unter anderem auf ein Gehaltsplus von fünf Prozent in zwei Stufen, auf eine zusätzliche Entgeltstufe für langjährig Beschäftigte sowie eine Einmalzahlung von 700 Euro. Der Tarifvertrag läuft bis Ende 2027.

Mit Blick auf das Tarifeinheitsgesetz wurde vereinbart, dass ab Januar 2027 die von der GDL ausgehandelten Entgelttabellen auch für GDL-Mitglieder in Minderheitsbetrieben angewendet werden können. Ab Januar 2028 gilt das auch für Zulagen und Regelungen zum Arbeitszeitvolumen. Die Vereinbarung bezieht sich auf die drei Unternehmen DB Regio, DB Cargo und DB Fernverkehr und hat eine Laufzeit bis Ende 2030.

Darüber hinaus wurde vereinbart, dass künftig mit einem notariellen Zählverfahren festgestellt wird, welche Gewerkschaft in welchem Betrieb die Mehrheit hat./maa/DP/jha

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