Knapp zwei Jahre nach Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit haben seine Republikaner von den US-Wählern die Quittung für ihre Politik bekommen. Das Ergebnis liefert eine ganze Reihe historischer Premieren - von der ersten schwarzen Frau an der Spitze eines US-Bundesstaates über die erste indigene Frau im Senat bis zu demokratischen Wahlsiegen in republikanischen Bastionen, die seit Jahrzehnten als uneinnehmbar galten. Mit der Rückeroberung beider Kammern des Kongresses durch die Demokraten verändert sich auch die politische Landkarte der Vereinigten Staaten drastisch.
In mindestens sechs Bundesstaaten wurden erstmals seit Jahrzehnten wieder demokratische Kandidaten in den US-Senat gewählt, wie die "New York Times" berichtet. Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis in Kansas: Zum ersten Mal seit 1932 - also seit 94 Jahren - gewann mit Adam Hamilton ein Demokrat eine Senatswahl in dem konservativen Bundesstaat.
Demokraten erobern jahrzehntelange Hochburgen
Auch in Texas und Maine konnten die Demokraten erstmals seit 1988 wieder eine Senatswahl für sich entscheiden. In dem traditionell republikanisch geprägten Texas setzte sich James Talarico gegen den von Präsident Trump unterstützten Ken Paxton durch. In Maine besiegte der Demokrat Troy Jackson die langjährige republikanische Senatorin Susan Collins.
In South Carolina gelang der Demokratin Annie Andrews der erste Senatswahlsieg ihrer Partei seit 1998. In Iowa und North Carolina hatte zuletzt 2008 ein demokratischer Kandidat eine Senatswahl gewonnen, wie die "New York Times" zusammenfasst.
Besonders deutlich wird der politische Umbruch in Texas: Dort verlieren die Republikaner nicht nur einen Senatssitz, sondern auch das Gouverneursamt. Die Demokratin Gina Hinojosa setzte sich gegen den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott durch und wird damit die erste Gouverneurin mit lateinamerikanischen Wurzeln in der Geschichte des Bundesstaates. Sie ist zugleich die erste Demokratin seit Ann Richards im Jahr 1990, die dort wieder eine Gouverneurswahl gewinnt. Die Republikaner hatten Texas seit mehr als drei Jahrzehnten politisch dominiert.
Erste schwarze Gouverneurin der US-Geschichte
Im südöstlichen Bundesstaat Georgia wird mit Keisha Lance Bottoms erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine schwarze Frau Gouverneurin. Die Demokratin wird zugleich die erste Frau an der Spitze des Bundesstaates sein. Die Demokraten gewinnen dort das Gouverneursamt erstmals seit 1998 zurück. Mit dem Sieg von Juliana Stratton in Illinois werden außerdem erstmals drei schwarze Frauen gleichzeitig dem Senat angehören.
Im benachbarten Florida wird der Republikaner Byron Donalds der erste schwarze Gouverneur des Bundesstaates. In Wisconsin wird mit dem Demokraten David Crowley ebenfalls erstmals ein Schwarzer Gouverneur. Zusammen mit dem wiedergewählten Wes Moore in Maryland werden damit zum ersten Mal mehrere gewählte schwarze Gouverneure gleichzeitig im Amt sein, wie der US-Sender NBC News berichtet.
Auch in anderen Bundesstaaten fallen historische Hürden: In Minnesota wird die Demokratin Amy Klobuchar die erste Gouverneurin, im republikanisch geprägten Tennessee feiert die Republikanerin Marsha Blackburn dieselbe Premiere. In Kalifornien wird Xavier Becerra der erste Latino, der direkt zum Gouverneur gewählt wird.
Historische Premieren für indigene Frauen
Besondere Meilensteine erreichen zwei indigene Politikerinnen: In New Mexico wird die Demokratin Deb Haaland die erste indigene Gouverneurin der US-Geschichte. In Minnesota wurde mit Peggy Flanagan erstmals eine indigene Frau in den US-Senat gewählt. Eine weitere Premiere könnte in Alaska folgen: Dort hat die indigene Demokratin Mary Peltola ebenfalls Chancen auf einen Senatssitz. Wegen des besonderen Wahlsystems des Bundesstaates könnte das Ergebnis allerdings erst in einigen Tagen oder Wochen feststehen.
In New Hampshire wurde außerdem der Demokrat Chris Pappas als erster offen homosexueller Mann in den Senat gewählt. In Michigan wurde der Demokrat Abdul El-Sayed als erster Muslim in der Geschichte der USA in den Senat gewählt.
Frauenpower im Repräsentantenhaus
Auch im Repräsentantenhaus zeichnet sich ein neuer Rekord ab. Nach Angaben der "New York Times" sind die Demokraten auf dem Weg, erstmals mehr als 100 Frauen in ihre Fraktion zu entsenden. Das wäre ein Zuwachs von mehr als 60 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts. Die endgültige Zahl steht angesichts noch ausstehender Wahlergebnisse allerdings noch nicht fest.
Mit dem demokratischen Machtwechsel in der Kammer könnte zudem ein weiterer historischer Moment bevorstehen: Sollte der bisherige Minderheitsführer Hakeem Jeffries im Januar zum Vorsitzenden des Repräsentantenhauses gewählt werden, wäre er der erste Schwarze in diesem mächtigen Amt.
Wie stark sich die politische Landkarte verändert hat, verdeutlicht schließlich ein ungewöhnlicher Vergleich der "New York Times": Demnach ist es künftig möglich, die USA vom Atlantik bis zum Pazifik zu durchqueren und dabei fast ausschließlich durch Bundesstaaten zu reisen, die mindestens einen demokratischen Senator stellen. Lediglich ein rund 75 Kilometer langer Abschnitt durch das republikanisch dominierte Nebraska unterbricht die Strecke.