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Studie

Bis 2035 könnte jeder zweite Journalist wegfallen 22.10.2026, 10:12 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Wie sieht die Medienwelt in Deutschland in knapp zehn Jahren aus? In einem von vier Szenarien einer neuen Studie könnte sich die Zahl der professionellen Journalistinnen und Journalisten bis 2035 halbieren. Das geht aus einem Gutachten hervor, das die Medienforscher Christian Zabel von der Technischen Hochschule Köln und Ulrike Rohn von der Universität Tallinn im Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio erstellt und bei den Medientagen in München vorgestellt haben. Auch die Einnahmen der Medienunternehmen könnten deutlich sinken. Vor allem Künstliche Intelligenz (KI) und die wachsende Macht großer Technologieunternehmen machen der Branche zu schaffen.

Wie es 2035 tatsächlich aussieht, hängt laut den Forschern auch davon ab, wie stark die Politik die großen Technologieunternehmen reguliert und ob die Medienhäuser mehr zusammenarbeiten.

Die Studie wurde von ARD, ZDF und Deutschlandradio in Auftrag gegeben. Sie empfiehlt unter anderem, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als stabilisierende Kraft der Branche langfristig und verlässlich zu finanzieren.

Weniger Publikum, weniger Einnahmen

Je nach Szenario könnte die Zahl der Journalistinnen und Journalisten bis 2035 um 12 bis 50 Prozent zurückgehen. Zum Vergleich: 2023 gab es in Deutschland laut den Zahlen aus dem Gutachten rund 40.000 professionelle Journalisten. Im schlimmsten Szenario wären es 2035 nur noch etwa 20.000.

Auch die deutschen Medienangebote könnten Publikum verlieren. Der Studie zufolge könnte ihr Anteil an der Mediennutzung bis 2035 um 18 bis 47 Prozent zurückgehen. Beim Geld sieht es ebenfalls nicht gut aus: Im schlimmsten Szenario könnten die Medienunternehmen mit Werbung und dem Verkauf ihrer Inhalte bis zu 43 Prozent weniger verdienen als heute. Im günstigsten Szenario würden die Erlöse nach den Berechnungen dagegen nur um rund 10 Prozent sinken. Dabei haben die Forscher mit den heutigen Einnahmen gerechnet.

Große Tech-Konzerne gewinnen weiter an Einfluss

In allen Szenarien werden große Technologieunternehmen und KI-Anbieter noch wichtiger. Sie könnten künftig noch stärker bestimmen, welche Nachrichten, Videos und anderen Inhalte Menschen zu sehen bekommen. Für Zeitungen, Fernsehsender und andere Medienunternehmen wird es damit schwieriger, ihr Publikum direkt zu erreichen und mit ihren Inhalten Geld zu verdienen.

Besonders schlecht sieht es in dem Szenario aus, das die Forscher "Big Tech Takeover" nennen. Darin beherrschen große Technologieunternehmen den Medienmarkt weitgehend. Klassische Medien liefern dann vor allem noch Inhalte für deren Plattformen.

Die anderen Szenarien fallen zum Teil weniger düster aus. Die Medienbranche schrumpft zwar auch dort, aber nicht so stark. Dafür müsste die Politik nach Einschätzung der Forscher aber unter anderem dafür sorgen, dass die großen Plattformen nicht noch mächtiger werden. Auch die Medienunternehmen selbst müssten mehr zusammenarbeiten, neue Angebote entwickeln und andere Wege finden, Geld zu verdienen.

Wie die Studie entstanden ist

Für das Gutachten schauten sich die Wissenschaftler zunächst 57 Studien und Berichte an. Daraus suchten sie 51 Entwicklungen heraus, die für die Zukunft der Medienbranche wichtig werden könnten. Dazu befragten sie 34 Fachleute, unter anderem von RTL, ARD und Netflix, aber auch aus Wissenschaft, Werbung, Produktion und Medienpolitik. Sie sollten einschätzen, wie wahrscheinlich die einzelnen Entwicklungen sind und was sie für die Medienbranche bedeuten könnten.

Aus diesen Einschätzungen machten die Forscher vier Szenarien. In einer weiteren Runde fragten sie 13 der Fachleute, wie viele Journalisten es ihrer Meinung nach 2035 noch geben könnte und wie sich die Mediennutzung und die Einnahmen verändern. Die Befragten kannten die vier Szenarien dabei noch nicht. Ihre Schätzungen verwendeten die Forscher dann, um die möglichen Entwicklungen auch mit Zahlen zu beschreiben.

Die Studie sagt also nicht voraus, wie die Medienwelt 2035 tatsächlich aussehen wird. Sie zeigt vielmehr, was passieren könnte und welche Rolle Politik und Medienunternehmen dabei spielen.

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