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Warum ein Pilotenstreik bei Lufthansa unvermeidbar scheint 12.09.2025, 11:35 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Wenn jetzt die Urabstimmung unter den Piloten der Lufthansa und der Lufthansa Cargo beginnt, scheint ein Streik kaum noch vermeidbar zu sein. Auch wenn der exakte Zeitplan nicht feststeht: Möglicherweise schon zum Auftakt der hessischen Herbstferien am 3. Oktober müssen sich Passagiere auf Ausfälle und Verspätungen einrichten, wenn sie mit der Kernmarke Lufthansa fliegen wollen.

Erneut haben sich die mächtige Spartengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und das Management um Personalvorstand Michael Niggemann so ineinander verkeilt, dass eine schnelle Verhandlungslösung kaum möglich erscheint.

Um was dreht sich der Konflikt?

Bereits im Mai hat die Tarifkommission der VC das Unternehmen zu Verhandlungen über die betriebliche Altersversorgung aufgefordert. Diese ist in einem gekündigten Tarifvertrag geregelt und sieht für die rund 4.800 Piloten eine Betriebsrente und in einem zweiten Vertrag eine Übergangsversorgung vor, wenn sie schon vor Erreichen des Rentenalters den aktiven Flugdienst quittieren. Nach Vorgaben der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA dürfen Verkehrspiloten bis 65 fliegen. Bei Lufthansa dürfen sie frühestens mit 55 Jahren in den Vorruhestand gehen.

Was fordert die Gewerkschaft?

Im Prinzip verlangt die Gewerkschaft deutlich höhere Beiträge des Arbeitgebers zu den Betriebsrenten. Noch bis 2017 hatte der Konzern die absolute Höhe der Rentenzahlungen garantiert, um dann nach einem Arbeitskampf mit 14 Streikwellen im Einvernehmen mit der VC das System umzustellen. Seitdem ist für die Piloten nur noch die Höhe des Arbeitgeberbeitrags in die Fonds garantiert. Das Risiko geringer Zinsen und damit deutlich kleinerer Renten tragen seitdem die Beschäftigten.

Die damaligen Rendite-Erwartungen seien mit "ein bis zwei Prozent" deutlich unterschritten worden, sagt Tarifkommissionssprecher Arne Karstens. Man wolle zwar bei einem kapitalbasierten Modell bleiben, doch die Beiträge des Konzerns müssten auf neuen Berechnungsgrundlagen deutlich steigen. Im Fachportal "aero.de" rechnet er einen Beispielfall vor. "Bei einem Grundgehalt von 10.000 Euro und 3.000 Euro Zulagen zahlt der Arbeitgeber aktuell rund 820 Euro." Dieser Beitrag würde mit den VC-Forderungen um rund 1.800 Euro im Monat steigen.

Was hat die Lufthansa angeboten?

Das Unternehmen äußert sich offiziell nicht zu den laufenden Verhandlungen. Nach Darstellung der VC hat der Arbeitgeber in bislang sieben Verhandlungsrunden substanzielle Erhöhungen der Rentenbeiträge verweigert und dies mit der schlechten wirtschaftlichen Lage bei der Lufthansa-Kerngesellschaft begründet. Diese hat im vergangenen Jahr Verlust eingeflogen und durchläuft ein umfangreiches Sanierungsprogramm. Der Gesamtkonzern ist hingegen profitabel.

Wie schnell könnte der Streik kommen?

Die VC hält sich bislang bedeckt, wann genau die Urabstimmung endet. Angekündigt ist "Ende des Monats" September. Ob dann gleich ein exakter Streik-Termin genannt wird, ist ebenfalls offen. Denkbar ist ein Arbeitskampf zum Auftakt der Herbstferien in Hessen, Sachsen und Thüringen, die schon mit dem Einheits-Feiertag am 3. Oktober beginnen.

Die VC verlangt von ihren Mitgliedern einen starken Rückhalt für den Arbeitskampf. Bei der Urabstimmung müssen 70 Prozent aller betroffenen Mitglieder zustimmen. Wer nicht an der Abstimmung teilnimmt, wird als Nein-Stimme gewertet. Zuletzt streikten die Piloten bei der Kerngesellschaft im Jahr 2022 einen Tag lang.

Warum stehen sich beide Seiten so unversöhnlich gegenüber?

Die VC achtet peinlich darauf, sich öffentlich nur zu ihren Forderungen in dem offenen Tarifvertrag zu äußern. Doch im Hintergrund schwelt seit Jahren ein Großkonflikt, der sich auch hinter verschlossenen Türen nicht lösen ließ.

Der Konzernvorstand um den Vorsitzenden Carsten Spohr hat die neuen Flugbetriebe City Airlines und Discover mit dem erklärten Ziel gegründet, dort zu kostengünstigeren Tarifbedingungen zu fliegen, als sie bei der Lufthansa-Kernmarke, der Cargo sowie der Regionaltochter Lufthansa Cityline gelten. Wachstum könne nur dort stattfinden, wo Geld verdient wird, hat Spohr mehrfach klargestellt.

Beim Ferienflieger Discover wurden bereits Tarifverträge mit der konkurrierenden Gewerkschaft Verdi geschlossen, während die Spartengewerkschaften VC für die Piloten und Ufo für das Kabinenpersonal außen vor blieben. Das dürfte sich bei der City Airlines wiederholen. Die beiden Alt-Gewerkschaften wollen schon aus Eigeninteresse verhindern, dass immer mehr Flugzeuge und damit Arbeitsplätze zu den jüngeren und kostengünstigeren Betrieben verlagert werden./ceb/DP/zb

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