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60 Millionen Schaden

Razzia gegen Geldwäsche 16.09.2026, 12:53 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Rund 800 Einsatzkräfte haben bei einer Razzia gegen Steuerbetrug Wohn- und Geschäftsräume in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Belgien durchsucht. Die Ermittlungen richten sich gegen 50 Beschuldigte, die über ein Netz von Scheinfirmen Bargeld aus kriminellen Geschäften gewaschen und Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro hinterzogen haben sollen, wie die beteiligten Behörden mitteilten.

Im Mittelpunkt stehe demnach ein System, bei dem Bargeld aus illegalen Geschäften über Scheinfirmen als vermeintlich legales Buchgeld auf Konten im Ausland transferiert worden sein soll. Für die Vermittlung sollen die Beschuldigten eine Provision von drei Prozent erhalten haben. 

Zugleich sollen Unternehmen, darunter mehrere aus der Transport- und Logistikbranche, das Bargeld zur Bezahlung von Schwarzarbeit genutzt haben. Über Scheinrechnungen sollen zudem unberechtigte Vorsteuerabzüge ermöglicht und so sogenannte Umsatzsteuer-Karusselle betrieben worden sein.

«Große Fische am Haken»

«Wir haben heute die großen Fische am Haken. Hinter dem System 'Bargeld gegen Buchgeld' stehen professionelle Strukturen, die gezielt darauf ausgelegt waren, Geld über mehrere Stufen der Besteuerung zu entziehen und ins Ausland zu schleusen sowie hiermit Schwarzarbeit zu verschleiern», sagte Stephanie Thien, Leiterin des Landesamts zur Bekämpfung der Finanzkriminalität NRW. Die Aufdeckung der Strukturen verdanke man der internationalen Zusammenarbeit. 

Die Ermittler hätten Zahlungsströme von rund 150 Millionen Euro nachvollziehen können. Das Netzwerk soll seit 2017 aktiv sein. Um die Aufdeckung zu erschweren, seien Scheinfirmen regelmäßig neu gegründet und wieder liquidiert worden. Als Geschäftsführer hätten demnach Strohleute fungiert.

Bei den Durchsuchungen seien vier Haftbefehle vollstreckt und Vermögenswerte von zunächst knapp 500.000 Euro gesichert worden. Darunter seien Bargeld, Gold, hochwertige Uhren, Luxus-Handtaschen, Schmuck und Fahrzeuge gewesen. Bankguthaben seien dabei noch nicht berücksichtigt. Zudem sei eine Schusswaffe mit scharfer Munition beschlagnahmt worden.

Schwerpunkt in Hessen

In Hessen richtete sich der Einsatz gegen 41 Beschuldigte und 22 Firmen. Dort seien 60 Wohnobjekte und Firmenadressen sowie neun Banken und Steuerberater aufgesucht worden. In Nordrhein-Westfalen seien zehn Wohnobjekte und zehn Firmenadressen durchsucht worden. 

Die Ermittlungen wurden vom Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität NRW, der Europäischen Staatsanwaltschaft sowie den Staatsanwaltschaften Frankfurt am Main und Darmstadt, dem Hauptzollamt Frankfurt am Main und belgischen Behörden koordiniert.

© dpa-infocom, dpa:260916-930-694679/1

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