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Klingbeil lädt Unicredit-Chef zu Gespräch über Commerzbank 27.08.2026, 10:23 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Die Bundesregierung schaltet sich in das Übernahmeringen zwischen Commerzbank und der italienischen Großbank Unicredit ein. Vize-Kanzler Lars Klingbeil (SPD) hat Unicredit-Chef Andrea Orcel für den 14. September zu einem Gespräch ins Bundesfinanzministerium eingeladen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Es gehe darum, die Position der Bundesregierung darzulegen und in einen Austausch zu treten, hieß es. «Dies begleitet die Gespräche der beiden Banken, denen es weiterhin obliegt, in direkten Beratungen über den weiteren Weg zu sprechen.»

Die Einladung Klingbeils markiert einen Kurswechsel in der bisherigen Position der Bundesregierung. Noch im Juli hatte sie das Vorgehen der Unicredit als «aggressiv und feindlich» bezeichnet und als «inakzeptabel» abgelehnt.

Bundesregierung will deutsche Interessen wahren

Die Unicredit, die vor rund zwei Jahren bei der Commerzbank eingestiegen war, wirbt seit langem um eine Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns und hat sich bereits den Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile gesichert. Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise mit Steuermilliarden vor den Kollaps gerettet hat, hält noch gut 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit zweitgrößter Aktionär. Bei einer möglichen Übernahme kommt der Bundesregierung daher eine wichtige Rolle zu. 

Die Bundesregierung hatte wiederholt betont, die Commerzbank habe für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands hohe Priorität und sei «als bedeutender Arbeitgeber zudem zentral für den Finanzstandort Frankfurt». Das gelte es auch künftig sicherzustellen. «Die Bundesregierung wird daher weiterhin im Sinne des deutschen Mittelstands, des Finanzstandorts Frankfurt und der Beschäftigten handeln.» 

Bleibt der Bund als Ankeraktionär an Bord?

Der Bund hatte bisher einen Verkauf seines Commerzbank-Anteils abgelehnt. Zuletzt gab es aber Spekulationen, wonach die Bundesregierung offen für einen Ausstieg sein könnte, sofern sich Commerzbank und Unicredit auf eine gemeinsame Strategie verständigen sollten.

Unicredit-Chef Orcel sieht bei einer Übernahme der Commerzbank Potenzial für Milliarden-Einsparungen. Er plant den Abbau Tausender Jobs und will das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden. Die Arbeitnehmervertreter der Commerzbank fürchten einen Kahlschlag. 

Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte jüngst gefordert, der Bund solle vorerst Aktionär bei der Commerzbank bleiben. In der aktuellen Phase mache es Sinn, «dass der Bund weiter Aktionär bleibt, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten», sagte Weidmann der «Süddeutschen Zeitung.»

© dpa-infocom, dpa:260827-930-590025/1

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