Welche Rolle die Betriebsratswahlen heute spielen 28.02.2026, 03:31 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Sie gehören zu den größten demokratischen Wahlen in Deutschland, wie die Gewerkschaften betonen, und der Wahlkampf läuft auf vollen Touren. Am 1. März beginnen die Betriebsratswahlen. Bis Ende Mai können Millionen Beschäftigte in zehntausenden Betrieben in Deutschland die Arbeitnehmervertretungen neu wählen. Ein Überblick zeigt die Hoffnungen, die heute mit den Wahlen hinterm Werkstor verbunden sind, und aktuelle Sorgen:

Wer wählt bei den Betriebsratswahlen wen?

Millionen Beschäftigte in Deutschland können wählen. Betriebsräte können in Betrieben mit mindestens fünf Beschäftigten gewählt werden. Allerdings sind Betriebe mit Betriebsrat in der Minderzahl, vor allem Belegschaften kleinerer Betriebe bleiben meist ohne Vertretung. Gewählt werden Kolleginnen und Kollegen. Jede und jeder volljährige Beschäftigte mit mindestens sechsmonatiger Betriebszugehörigkeit kann sich aufstellen lassen. Zur Wahl stehen gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte, freie Listen und Einzelbewerber. Der DGB verweist darauf, dass bei den bisher letzten Wahlen 2022 trotz erschwerter Bedingungen durch die Corona-Pandemie 71,9 Prozent der wahlberechtigten Beschäftigten ihre Stimme abgegeben hätten. 2018 waren es demnach 75,5 Prozent. 

Wozu dient ein Betriebsrat?

Sie können Beschäftigten nicht nur zur Seite stehen, wenn jemand gekündigt werden soll oder gemobbt wird. Sie handeln mit dem Arbeitgeber auch bestimmte Arbeitsbedingungen im Betrieb aus, zum Beispiel, wenn es um betriebliche Arbeitszeit und Überstunden geht, um die Fort- und Weiterbildung oder um Zulagen oder Prämien. Auch über bestimmte organisatorische Abläufe im Betrieb, bei der Aufstellung von Schichtplänen oder bei der Urlaubsplanung entscheiden Betriebsräte mit. 

Warum sollen Betriebsräte gut für die Demokratie sein?

«Betriebsratswahlen sind das Fundament gelebter Demokratie im Betrieb», sagt etwa Yasmin Fahimi, die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Verdi-Chef Frank Werneke sagt: «Demokratische Teilhabe im Betrieb ist unverzichtbar. Bei den Betriebsratswahlen geht es darum, dies mit der eigenen Stimme deutlich zu machen.» Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung verweist auf Studien, nach denen Beschäftigte in Firmen mit Betriebsrat häufiger das Gefühl haben, gemeinsam etwas bewirken zu können: «Betriebliche Mitbestimmung erhöht das politische Interesse von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und wirkt sich so auch jenseits der Werkstore positiv aus.» Die Beschäftigten seien im Schnitt zufriedener mit der Demokratie in Deutschland als diejenigen ohne Interessenvertretung.

Welche Rolle hat Mitbestimmung für die Gewerkschaften?

Für sie ist die betriebliche Arbeit der wichtigste Zugang zu den Menschen. Ohne eine Verankerung in den Betrieben könnten sie auch nicht für Verhandlungen über Flächentarifverträge mobilisieren oder Einfluss bei Umstrukturierungen nehmen. Betriebsräte sind für die Gewerkschaften zentral, um Mitglieder zu gewinnen oder an sich zu binden. 

Was können Betriebsräte den Unternehmen bringen?

Hilfe bei Umstrukturierungen und Akzeptanz von Veränderungen bei der Belegschaft. Nach Ansicht gewerkschaftlicher Experten können davon Unternehmen gerade auch bei Umstrukturierungen profitieren. In der Praxis entwickelten Mitbestimmungsakteure tragfähige Konzepte für Qualifizierung und sozialverträgliche Lösungen, sagt der Forscher Daniel Hay von der Hans-Böckler-Stiftung. «Wo Mitbestimmung frühzeitig eingebunden ist, entstehen nicht nur rechtssichere, sondern vor allem auch strategisch klügere und nachhaltigere Lösungen.»

Drängen rechte Kräfte in die Betriebsräte? 

Nach Angaben aus Gewerkschaften versuchen AfD-nahe Kräfte auch bei diesen Wahlen, möglichst viele Mandate zu erringen, auch der als AfD-nah geltende Verein «Zentrum». Insbesondere in Autofabriken versucht der Verein erneut, die IG Metall als Co-Manager der Unternehmen zu diskreditieren. Nach eigenen Angaben tritt die einst bei Mercedes-Benz gegründete «alternative Gewerkschaft» nur in fünf Betrieben offen unter dem eigenen Namen an. Man stelle aber deutschlandweit und in allen Branchen Kandidaten auf. Allein im Metallbereich werden in den kommenden Wochen rund 9.500 Gremien neu gewählt. 

Welche Chancen werden den Rechten eingeräumt?

Der Soziologe Klaus Dörre von der Universität Jena rechnet nicht mit einem Durchmarsch rechter Betriebsräte. Zu wenige Kandidaten ließen sich fürs Zentrum aufstellen. «Es ist etwas ganz anderes, sich im Betrieb gegen die Mehrheit zu stellen, als in der Wahlkabine sein Kreuz bei der AfD zu machen.» Das Zentrum sei gemessen an seinen Ankündigungen ein «Scheinriese» - ohne Einfluss, ohne Tarifverträge und ohne Betriebsvereinbarungen, zu schwach für den Konfliktfall mit dem Arbeitgeber.

© dpa-infocom, dpa:260228-930-747978/1

Kommentare (0) ... diskutiere mit.
Werbung

Handeln Sie Aktien bei SMARTBROKER+ für 0 Euro!* Profitieren Sie von kostenloser Depotführung, Zugriff auf 29 deutsche und internationale Börsenplätze und unschlagbar günstigen Konditionen – alles in einer innovativen, brandneuen App. Jetzt zu SMARTBROKER+ wechseln und durchstarten!

*Ab 500 EUR Ordervolumen über gettex. Zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen.

k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
News-Kommentare
Thema
1 Biontech kehrt zu seinen Wurzeln zurück Hauptdiskussion
2 Trump: Geplanter Angriff auf Iran gestoppt Hauptdiskussion
3 ROUNDUP 2/Trump droht: 'Für den Iran tickt die Uhr' Hauptdiskussion
4 Taiwans Präsident bangt um Sicherheitsversprechen der USA Hauptdiskussion
5 ROUNDUP/Trump droht: 'Für den Iran tickt die Uhr' Hauptdiskussion
6 Tesla-Absturz: Musk wie immer mit neuen Ankündigungen Hauptdiskussion
7 Kiew erhält mehr als 500 Soldatenleichen zurück Hauptdiskussion
Alle Diskussionen
Weitere News

Gestern 23:16 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Gestern 22:20 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Gestern 21:45 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Gestern 21:09 Uhr • Artikel • dpa

Gestern 21:00 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Gestern 20:57 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Schreib den ersten Kommentar!

Dis­clai­mer: Die hier an­ge­bo­te­nen Bei­trä­ge die­nen aus­schließ­lich der In­for­ma­t­ion und stel­len kei­ne Kauf- bzw. Ver­kaufs­em­pfeh­lung­en dar. Sie sind we­der ex­pli­zit noch im­pli­zit als Zu­sich­er­ung ei­ner be­stim­mt­en Kurs­ent­wick­lung der ge­nan­nt­en Fi­nanz­in­stru­men­te oder als Handl­ungs­auf­for­der­ung zu ver­steh­en. Der Er­werb von Wert­pa­pier­en birgt Ri­si­ken, die zum To­tal­ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals füh­ren kön­nen. Die In­for­ma­tion­en er­setz­en kei­ne, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dür­fnis­se aus­ge­rich­te­te, fach­kun­di­ge An­la­ge­be­ra­tung. Ei­ne Haf­tung oder Ga­ran­tie für die Ak­tu­ali­tät, Rich­tig­keit, An­ge­mes­sen­heit und Vol­lständ­ig­keit der zur Ver­fü­gung ge­stel­lt­en In­for­ma­tion­en so­wie für Ver­mö­gens­schä­den wird we­der aus­drück­lich noch stil­lschwei­gend über­nom­men. Die Mar­kets In­side Me­dia GmbH hat auf die ver­öf­fent­lich­ten In­hal­te kei­ner­lei Ein­fluss und vor Ver­öf­fent­lich­ung der Bei­trä­ge kei­ne Ken­nt­nis über In­halt und Ge­gen­stand die­ser. Die Ver­öf­fent­lich­ung der na­ment­lich ge­kenn­zeich­net­en Bei­trä­ge er­folgt ei­gen­ver­ant­wort­lich durch Au­tor­en wie z.B. Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­richt­en­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men. In­fol­ge­des­sen kön­nen die In­hal­te der Bei­trä­ge auch nicht von An­la­ge­in­te­res­sen der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und/oder sei­nen Mit­ar­bei­tern oder Or­ga­nen be­stim­mt sein. Die Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­rich­ten­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men ge­hör­en nicht der Re­dak­tion der Mar­kets In­side Me­dia GmbH an. Ihre Mei­nung­en spie­geln nicht not­wen­di­ger­wei­se die Mei­nung­en und Auf­fas­sung­en der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und de­ren Mit­ar­bei­ter wie­der. Aus­führ­lich­er Dis­clai­mer