Für das Geschäftsjahr 2025 präsentierte SAP (WKN: 716460) einen freien Cashflow in Höhe von 8,24 Mrd. Euro. Damit hat sich dieser Wert gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus von 95 % nahezu verdoppelt. Trotz dieser und weiteren starken operativen Zahlen reagierte die Börse extrem negativ.
Seit Jahresbeginn ist die SAP-Aktie um knapp 30 % zurückgegangen (Stand: 09.04.2026, maßgeblich für alle Angaben). Das aktuelle Kursniveau von rund 143 Euro je Aktie markiert einen Tiefstand, den man seit Anfang 2024 nicht mehr gesehen hat. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man meinen, das Software-Unternehmen steckt in einer Krise.
Wer jedoch genauer hinsieht, erkennt ein Unternehmen im tiefgreifenden Wandel. Die strukturelle Stärke im Cloud-Geschäft überwiegt meiner Meinung nach die kurzfristige Volatilität deutlich. Zudem stehen die nächsten Quartalszahlen bereits für den 23. April 2026 an. Und diese könnten positive Überraschungen mit sich bringen.
SAP-Aktie: Was gerade los ist
SAP ist mit über 100.000 Mitarbeitern und einer Marktkapitalisierung von 176 Mrd. Euro eines der größten und zeitgleich wertvollsten Unternehmen Deutschlands. Die ERP-Software des Walldorfer Konzerns steuert weltweit Einkauf, Produktion und Finanzen. Einmal eingeführt, tauschen Kunden des Konzerns dieses System selten aus. Diese starke Kundenbindung macht die Aktie – auch in Zeiten von KI-Agenten – für Anleger besonders attraktiv.
Warum ist die SAP-Aktie zuletzt so stark gefallen? Zunächst enttäuschte der Cloud-Ausblick für 2026 im Rahmen der Q4-Zahlen für 2025 die Märkte. Siemens überholte SAP daraufhin als wertvollstes DAX-Unternehmen. Außerdem belasten Sorgen über die US-Handelspolitik das Sentiment in der Branche. Industriekunden zögern deshalb bei großen Investitionen in ihre IT-Infrastruktur. Das bekommt SAP aktuell zu spüren, weshalb CEO Christian Klein die Aktionäre auch auf kurzfristigen Margendruck eingeschworen hat.
In 11 Tagen veröffentlicht SAP die Ergebnisse für das erste Quartal 2026. Das frische Zahlenwerk könnte wegweisend für die weitere Kursentwicklung sein. Momentan befindet sich das Management in der „Quiet Period“ und äußert sich bewusst nicht zu aktuellen Trends.
Mit besonderer Spannung werden die neuen Quartalszahlen hinsichtlich des „Current Cloud Backlog“ erwartet. Der kurzfristige Auftragsbestand lag zuletzt bei 21,05 Mrd. Euro und könnte im Verlauf des Geschäftsjahres 2026 währungsbereinigt um 23 bis 25 % wachsen. Und genau dieses Cloud-Wachstum macht die SAP-Aktie jetzt interessant für langfristig orientierte Anleger.
Warum SAP eine Cashflow-Maschine ist
Hinter dem aktuellen Kursdruck steht eine Realität, die aufmerksame Anleger nicht übersehen sollten. Im Geschäftsjahr 2025 verdoppelte SAP nicht nur den freien Cashflow beinahe, sondern verzeichnete auch ein Gewinnwachstum von 36 % auf 7,18 Mrd. Euro.
Das ist kein Zufall. Es ist das direkte Resultat der laufenden Cloud-Transformation. Wer in die Cloud wechselt, zahlt regelmäßige Abonnements statt einmaliger Lizenzen. Deshalb profitiert SAP nun von planbaren und wiederkehrenden Einnahmen über viele Jahre.
Für 2026 prognostiziert das Management einen freien Cashflow von rund 10 Mrd. Euro. Vor diesem Hintergrund startete das Unternehmen ein neues, zweijähriges Aktienrückkaufprogramm bis Ende 2027. Das Volumen beträgt bis zu 10 Mrd. Euro. Nicht nur das Unternehmen kauft eigene Anteile zurück, sondern auch Vorstandsmitglieder wie Muhammed Alam oder Dominik Asam tätigen Insider-Käufe. Sowohl der der Konzern als auch die Manager senden ein klares Signal über die finanzielle Stärke sowie über das Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens.
Die Cloud-Transformation verläuft schneller als erwartet. Der gesamte Cloud-Auftragsbestand kletterte im Geschäftsjahr 2025 um 30 % auf den Rekordwert von 77 Mrd. Euro. Gleichzeitig stiegen die Cloud-Erlöse um 23 %. Die Cloud ERP Suite legte sogar um 28 % zu. Dieser Backlog sichert die Einnahmen der kommenden Jahre vertraglich ab. Die Summe von 77 Mrd. Euro garantiert somit eine hohe Sichtbarkeit für zukünftiges Wachstum.
Die Cloud-Rallye steckt strukturell noch in den Kinderschuhen
Branchenkenner machen gegenwärtig vor allem einen besonderen Punkt aufmerksam: den S/4HANA-Upgrade-Zyklus. Zahlreiche Unternehmen nutzen derzeit noch ältere SAP-Systeme. Sie müssen jedoch bis 2027 oder spätestens 2030 auf die neue Generation wechseln. Dieser Umstieg schafft eine erzwungene Nachfrage, die völlig unabhängig von Konjunkturzyklen bleibt. Zudem ziehen solche Migrationen meist jahrelange Projekte nach sich. Dies sichert SAP langfristige Einnahmen durch Cloud-Dienste und Lizenzen.
Darüber hinaus fungiert künstliche Intelligenz als starker Wachstumsmotor. Die Lösung „SAP Business AI“ war im vierten Quartal 2025 bereits in zwei Dritteln aller Cloud-Vertragsabschlüsse enthalten. Damit ist KI kein bloßes Experimentierfeld mehr. Vielmehr ist sie ein echter Umsatztreiber, der die Bilanzen nun spürbar prägt.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 gibt sich der Konzern ehrgeizig. SAP erwartet einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Mrd. Euro. Dies entspricht einem massiven Wachstum von 23 bis 25 %. Gleichzeitig soll das operative Ergebnis auf einen Wert zwischen 11,9 und 12,3 Mrd. Euro steigen.
Was nach dem 23. April für die SAP-Aktie zählt
Die SAP-Aktie weist im Moment ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 24 und ein Verhältnis von Unternehmenswert zu freien Cashflow von ca. 20 aus. Aus meiner Sicht ist das für ein so starkes Unternehmen wie SAP bereits eine attraktive Bewertung.
Eine mögliche Enttäuschung des Marktes bei den Q1-Zahlen könnte die Bewertung weiter fallen lassen. Sollte dieses Szenario eintreten, während das Cloud-Wachstum weiterhin anhält, eröffnet sich für mein Empfinden eine noch bessere Einstiegsgelegenheit.
Behalte also bei der Veröffentlichung der neuen Quartalszahlen im Hinterkopf: Besteht tatsächlich ein strukturelles Problem? Das Unternehmen verweist immerhin auf einen gesicherten Cloud-Backlog von über 77 Mrd. Euro. Zudem verdoppelte sich der freie Cashflow im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 nahezu. Gleichzeitig sorgt der anstehende Upgrade-Zyklus bei hunderttausenden Kunden für stabile Nachfrage.
Als langfristig orientierter Investor muss man zwisschen einer Marktübertreibung und einer fundamentalen Schwäche beim Unternehmen unterscheiden. Letzteres sehe ich bei SAP beim besten Willen nicht.
Der Artikel SAP: Die 10-Milliarden-Euro-Maschine? Warum die Cloud-Rallye erst am Anfang steht ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.
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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von SAP.
Aktienwelt360 2026