Verstörend großes Interesse an der Uniper-Aktie 24.04.2023, 08:03 Uhr von Aktienwelt360

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Täglich wechseln mehrere Hunderttausend Aktien von Uniper (WKN: UNSE01) die Hände, als ob hier die große Turnaround-Chance lauern würde. Dabei spricht vieles dafür, dass die Uniper-Aktie viel zu teuer ist. Echte Investoren vermeiden es besser, sich hier die Finger zu verbrennen.

Der Schein trügt bei der Uniper-Aktie

Auf den ersten Blick lässt sich natürlich nachvollziehen, warum manche Anleger hier eine Chance erkennen. Der Chart ist seit Anfang 2022 um mehr als 90 % eingebrochen. Gleichzeitig ist die Kapitalausstattung von Uniper wieder recht solide und eine Rückkehr zur Profitabilität scheint wahrscheinlich.

Außerdem bieten sich durch die Kursschwankungen Tradingmöglichkeiten für kurzfristig orientierte Marktteilnehmer. Vom Tief bei 2,09 Euro ging es zwischenzeitlich im April auf über 4 Euro hoch. Manch einer dürfte den Eindruck haben, dass nach all den Kursverlusten ein fester Boden ausgebildet worden sei, sodass das Chancen-Risiko-Verhältnis günstig wäre.

Aber in Wirklichkeit ist es wohl eher andersherum. Die Chancen nach oben sind begrenzt, während es noch die eine oder andere Etage tiefer gehen könnte.

Darum wird der Uniper-Kurs auch künftig abwärts tendieren

Im September 2022 handelte Uniper mit der Bundesregierung ein finanzielles Stabilisierungspaket aus, das im Dezember umgesetzt wurde. Und das hatte es erwartbar in sich: In zwei Schritten wurden von staatlicher Seite 13,5 Mrd. Euro in das Unternehmen gepumpt, und zwar zu läppischen 1,70 Euro pro Stück. Plötzlich verfügten die Altaktionäre nur noch über 0,88 % aller Uniper-Aktien.

Beim Kurs von 3,33 Euro liegt die Investition mit über 90 % im Plus. Das freut den Finanzminister bestimmt. Aber was genau soll denn passiert sein, das fast eine Kurverdopplung der heute 8.329.506.651 Anteile rechtfertigen würde?

Gut, immerhin ist der Worst-Case nicht eingetreten. Die Gaspreise kamen zurück, sodass Uniper Rückstellungen auflösen konnte und vorerst nicht auf weitere Eigenkapitalspritzen angewiesen war. Aber schon in einem halben Jahr startet die nächste Kälteperiode und es könnte eine weitere Kostenlawine auf Uniper zukommen. Außerdem ist die wirtschaftliche Netto-Verschuldung um fast 3 Mrd. Euro gestiegen.

Das Management tut gut daran, weitere Stabilisierungsmaßnahmen zu ergreifen. In diesem Jahr sind weitere Verluste absehbar und die Eigenkapitaldecke betrug zum 31. Dezember lediglich 4,2 Mrd. Euro, bei einer furchteinflößenden Bilanzsumme von 121 Mrd. Euro. Daraus folgt nicht nur eine spärliche Eigenkapitalquote von ca. 3,5 %, sondern auch ein heftiges Kurs-Buchwert-Verhältnis von fast 7 – das ist in meinen Augen nicht zu halten.

„Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen“

Am 4. Mai kommen die Ergebnisse zum ersten Quartal. Ich rechne dort nicht mit positiven Impulsen. Vielmehr wird dann voraussichtlich erneut überdeutlich, dass Uniper nicht die Gewinnmaschine ist, die sie sein müsste, um das hohe Kursniveau zu rechtfertigen. Ein Unternehmen mit 28 Mrd. Euro Marktkapitalisierung und begrenzten organischen Wachstumspotenzialen sollte dafür für meinen Geschmack mittel- bis langfristig nachhaltige Nettogewinne von deutlich über 2 Mrd. Euro schreiben.

Tatsächlich hat Uniper aber selbst im besonders erfolgreichen Geschäftsjahr 2019 nur 610 Mio. Euro unter dem Strich für seine Aktionäre ausgewiesen. Das ist weniger als ein Drittel von dem, was erforderlich wäre. Und jetzt fällt auch noch das einst ertragreiche Russlandgeschäft weg, mehrere Randbereiche wurden liquidiert, der schrittweise Kohleausstieg geht weiter, und die Finanzsituation bleibt angespannt.

Dass das neue Managementteam um Michael Lewis und Finanzchefin Jutta Dönges unter diesen schwierigen Bedingungen sofort etwas reißen kann, ist unwahrscheinlich. Die Faszination, die die Uniper-Aktie auf manche ausübt, ist verstörend, wenn man sich die Details bewusst macht.

Der Artikel Verstörend großes Interesse an der Uniper-Aktie ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.

Aktienwelt360 2023

Autor: Ralf Anders, Investmentanalyst


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