Rentenreform hin oder her, bis 2039 gehen über 13 Millionen Deutsche in Rente – die größte Ruhestandswelle der Geschichte. Doch ein französischer Mittelständler baut das, wovon ein Drittel dieser Generation träumt.
Als der Koalitionsausschuss Anfang Juli den Bericht der Alterssicherungskommission auf den Tisch bekam, sprach Friedrich Merz vom „schwierigsten Reformprojekt unserer Zeit". 33 Empfehlungen, ein Rentensystem unter demografischem Dauerdruck, eine Generation, die zahlenmäßig alles überschattet, was bisher in den Ruhestand gegangen ist. In den Talkshows dominiert seither ein Wort – Belastung. Belastung für die Rentenkasse, für die Beitragszahler, für den Bundeshaushalt.
Was in dieser Debatte fast vollständig untergeht, ist die andere Seite der Gleichung. 19 Millionen Babyboomer, davon bereits fünf Millionen im Rentenalter, sind nicht nur eine sozialpolitische Herausforderung. Sie sind die kaufkräftigste, mobilste und zeitreichste Rentnergeneration, die es je gab. Und sie geben Geld für das aus, was ihnen jahrzehntelang gefehlt hat – Freiheit, Zeit, Natur, gerne kombiniert auf vier Rädern. In Deutschland wurden 2025 mit 75.368 Reisemobilen so viele Neufahrzeuge zugelassen wie nie zuvor außerhalb der Corona-Sonderjahre. Der Trend zieht sich durch Frankreich, Großbritannien und Skandinavien.
Wer davon am direktesten profitiert, hat Sitz in Paris und heißt Trigano – einer jener leisen Champions, die man im deutschen Anlegeruniversum kaum kennt und die wir im ACATIS Small Diamonds seit Längerem im Portfolio führen. Was 1935 als Anbieter von Campingzubehör begann, ist heute Europas führender Hersteller von Freizeitfahrzeugen mit über 30 etablierten Marken. Mittlerweile stammt rund jedes dritte in Europa verkaufte Reisemobil von Trigano. Chausson, Challenger, Adria, Eura Mobil, Auto-Trail, Roller Team – hinter vielen der Marken, die auf europäischen Campingplätzen selbstverständlich zum Bild gehören, steht dieselbe Muttergesellschaft.
Quelle: Trigano Geschäftsbericht 2025
Diese Position hat sich Trigano nicht durch spektakuläre Produktinnovationen erarbeitet, sondern durch konsequente Konsolidierung. Vor allem in den Jahren nach der Finanzkrise nutzte das Unternehmen die Schwäche kleinerer Wettbewerber gezielt aus, kaufte einen Hersteller nach dem anderen zu und schuf eine oligopolistische Struktur mit hohen Markteintrittsbarrieren. Wer heute in Europa eine ernsthafte Reisemobil-Marke aufbauen will, braucht Chassis-Zugang bei Fiat oder Mercedes, ein Händlernetz, das den Kontinent abdeckt, und die Skaleneffekte in Einkauf und Fertigung, die nur wenige Player überhaupt darstellen können. Trigano hat das alles – und ist mit der Übernahme der Mobilheim-Sparte BIO Habitat von Groupe Beneteau Ende 2024 zusätzlich in ein angrenzendes, weniger zyklisches Segment vorgedrungen.
Diese Struktur bildet das Fundament für ein robustes, margenstarkes Geschäftsmodell. In Kombination mit einem disziplinierten Kostenmanagement und einer soliden Bilanz konnte Trigano den Buchwert pro Aktie über nahezu drei Jahrzehnte hinweg durchschnittlich um rund 13 Prozent pro Jahr steigern – inklusive konjunktureller Schwächephasen (siehe nachfolgende Grafik, hellblaue Balken) . Genau solch eine temporäre Schwächephase hat das Unternehmen gerade hinter sich. Das Geschäftsjahr 2024/25 endete mit einem Umsatzrückgang von rund sieben Prozent auf 3,66 Milliarden Euro und einem Nettoergebnis von 239 Millionen Euro. Zugleich generierte Trigano allein in diesem Jahr einen Free Cashflow von über 500 Millionen Euro und baute die Nettoliquidität auf 360 Millionen Euro aus. Ein Unternehmen, das in seinem schwächsten Jahr innerhalb eines Jahrzehnts eine halbe Milliarde Euro an frei verfügbarem Cash produziert, ist kein Zykliker in Not – es ist eine Weiter-So-Aktie im Zwischentief.

Das Management um CEO Stéphane Gigou erwartet ab dem laufenden Geschäftsjahr eine schrittweise Erholung. Die Lager sind abgearbeitet, die Endkundennachfrage zieht wieder an, in Frankreich und Deutschland lagen die Reisemobil-Zulassungen im Frühjahr wieder klar im Plus. Und im Hintergrund tickt die Demografie unbeirrt weiter. Der demografische Wandel in Europa führt zu einer stetig wachsenden Zahl rüstiger Rentner, die Zeit und Mittel für individuelle Reiseformen mitbringen. Reisemobile treffen hier auf eine anhaltend hohe Nachfrage, und Trigano ist mit seinem breiten Markenportfolio, einem effizienten Vertriebsnetz und kontinuierlicher Produktinnovation bestens positioniert, um davon zu profitieren. Doch Senioren sind nicht die alleinig wachsende Zielgruppe. Auch junge Familien entdecken zunehmend das Wohnmobil als preiswerte Urlaubsalternative.
Interessant ist ein weiterer Punkt. Trigano ist ausschließlich auf dem europäischen Markt tätig. Was lange Zeit als Wettbewerbsnachteil gegenüber global agierenden Konzernen galt, erweist sich in Zeiten steigender Handelszölle und geopolitischer Spannungen zunehmend als strategischer Vorteil. Kein Zoll-Risiko in Richtung USA, kein China-Klumpen, keine Währungsverwerfungen jenseits des Euro. Ein Unternehmen, das genau dort produziert und verkauft, wo seine Endkunden leben – und das in einem Markt, der von genau der demografischen Entwicklung profitiert, die den europäischen Sozialstaaten die größten Kopfschmerzen bereitet.
Getragen wird das Ganze von einer Gründerfamilie, die mit rund 58 Prozent der Anteile die Richtung vorgibt und seit Jahrzehnten für Kontinuität und Disziplin steht. Der Fokus liegt unverändert auf profitablem Wachstum durch organische Effizienzgewinne, kontinuierliche Produktverbesserung und opportunistische Übernahmen – nicht auf Wachstum um jeden Preis.
Und damit zurück zur Frage aus der Überschrift. Merz und seine Koalition stehen vor dem Auftrag, ein Rentensystem umzubauen, das jährlich mehr Menschen versorgt, als der Arbeitsmarkt neu aufnehmen kann. Genau dieser demografische Wandel ist der strukturelle Rückenwind für Trigano und dessen Aktionäre.
Und wie stehen die Renditeerwartungen für die Aktie? Wenn Trigano auch weiterhin mit mindestens 10% pro Jahr im Buchwert pro Aktie wächst, wäre dies zusammen mit der Dividendenrendite von aktuell 2,8% bereits eine attraktive Rendite allein aus der Wertschöpfungskraft des Unternehmens. Mit einem geschätzten KGV von etwa 9,9 für das nächste Jahr und einer deutlich unter dem historischen Durchschnitt liegenden Bewertung (siehe Grafik oben) bietet die Aktie geduldigen Anlegern derzeit insgesamt ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Genau die Art von unaufgeregtem Qualitätsunternehmen, die wir im ACATIS Small Diamonds suchen – Nebenwerte abseits des Rampenlichts, deren Geschäftsmodelle so bodenständig sind, dass sie in der medialen Aufmerksamkeit fast verschwinden, und deren Unternehmenswert dennoch Jahr für Jahr weiterwächst.
Über den Autor: David Houdek ist seit 20 Jahren Value-Investor aus Leidenschaft und bei ACATIS Investment der Fondsmanager des ACATIS Small Diamonds. Selbst mit einem Großteil seines Vermögens im Fonds investiert, sucht er in den Weiten des Aktienuniversums nach unbekannten Weiter-so-Aktien - unterbewerteten Qualitätsunternehmen abseits des Mainstreams die noch für viele Jahre ihre erfolgreiche Geschäftsentwicklung fortsetzen können.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Veranschaulichung unseres Investmentprozesses und stellt keine Anlageberatung dar. ACATIS kann in dem besprochenen Unternehmen investiert sein – es kann daher ein Interessenkonflikt bestehen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr übernommen.
