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Brasiliens Seltene Erden, Deutschlands Industrie

Wer verbindet Lagerstätten mit Fabriken? 16.10.2026, 03:14 Uhr von SmallMicrocap Jetzt kommentieren: 0

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Deutschland braucht verlässliche Rohstofflieferanten. Brasilien will mehr Wertschöpfung aus seinen Bodenschätzen im eigenen Land halten. Zwischen diesen Interessen liegt eine industrielle Aufgabe: Aus Lagerstätten müssen Produkte entstehen, die Hersteller tatsächlich einsetzen können. 

Außenminister Johann Wadephul formulierte diese Verbindung bei einer Rohstoffkonferenz am 3. Juli in Brasília. „Unsere Partnerschaft geht weit über die Rohstoffe im Boden hinaus“, erklärte er, aus dem englischen Redetext übersetzt. 

Deutschland strebt demnach eine Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette an: von Exploration und Förderung über Verarbeitung bis zu Recycling und neuen Technologien. Für Anleger eröffnet das einen Blick auf Unternehmen, die neben der Erschließung ihrer Vorkommen auch an der Aufbereitung arbeiten. Dazu gehört St George Mining (ISIN: AU000000SGQ8) mit seinem brasilianischen Araxá-Projekt. 

Deutschland sucht Partner, Brasilien industrielle Entwicklung 

Wadephul bezeichnete die Diversifizierung kritischer Rohstofflieferketten als deutsche Priorität. Brasilien sei dabei ein wichtiger Partner – aufgrund seiner großen Vorkommen, aber auch wegen des Interesses an langfristigen und belastbaren Handelsbeziehungen. 

Deutschland bringt seinerseits industrielle Nachfrage sowie Expertise in Bergbau, Verarbeitung, Technologie und Forschung mit. In seiner Rede verwies der Minister ausdrücklich auf deutsche Unternehmen, die zu Investitionen in Brasilien bereit seien. 

Die 2024 vereinbarte Rohstoffpartnerschaft bildet dafür den politischen Rahmen. Wadephuls Aufforderung lautete: „Jetzt ist es an der Zeit, konkrete Ergebnisse zu liefern.“ 

Ein einzelnes Projekt erhielt damit weder eine Finanzierungszusage noch einen Abnahmevertrag. Die Richtung ist dennoch klar: Deutschland sucht zusätzliche Bezugsquellen, während Brasilien Verarbeitungskapazitäten und industrielle Kompetenzen ausbauen will. 

Der entscheidende Engpass liegt zwischen Mine und Industrie 

Eine große Lagerstätte allein versorgt noch keine Fabrik. Erze müssen aufbereitet, die enthaltenen Elemente gewonnen und Produkte mit verlässlicher Qualität hergestellt werden. Bei Seltenen Erden kommen anspruchsvolle Trennverfahren hinzu. 

Besonders relevant sind Neodym und Praseodym für leistungsfähige Permanentmagnete, etwa in Elektromotoren und anderen technischen Anwendungen. Nicht jeder Bestandteil einer Seltenerdressource besitzt dabei denselben wirtschaftlichen Wert. 

Für ein Entwicklungsunternehmen zählen deshalb neben Tonnage und Gehalt auch die Zusammensetzung, metallurgische Ausbeuten, Betriebskosten und mögliche Abnehmer. Genau diese Verbindung zwischen geologischem Potenzial und industrieller Nutzbarkeit steht bei Araxá auf dem Prüfstand. 

Araxá verbindet Seltene Erden mit Niob 

St George entwickelt das Projekt im etablierten Bergbaubundesstaat Minas Gerais. Die im August veröffentlichte Mineralressource umfasst 111,2 Millionen Tonnen mit durchschnittlich 3,57 Prozent Gesamtseltenerdoxiden und 0,57 Prozent Niobpentoxid. 

Davon liegen 75,2 Millionen Tonnen in den Kategorien „Measured“ und „Indicated“. Diese höhere geologische Sicherheit verbessert die Grundlage für weitere technische Studien. Sie ersetzt jedoch weder eine Wirtschaftlichkeitsprüfung noch den Nachweis einer gewinnbaren Erzreserve. 

Niob ergänzt die Seltenen Erden um einen zweiten industriellen Rohstoff. Es wird unter anderem eingesetzt, um Eigenschaften von Stählen und Speziallegierungen zu verbessern. Ob beide Rohstoffströme wirtschaftlich erschlossen werden können, müssen die Verarbeitungstests und anschließenden Studien zeigen. 

Verarbeitung als Teil der Projektstrategie 

Im September kündigte St George Pilotversuche mit rund neun Tonnen repräsentativen Materials bei CIT-SENAI in Belo Horizonte an. Mahlung, magnetische Trennung und Flotation sollen optimiert werden. Die Versuche dienen der Entwicklung von Niobkonzentrat und der Vorbereitung weiterer Tests für die Gewinnung Seltener Erden. Aufbereitungsergebnisse wurden für das vierte Quartal 2026 angekündigt. 

Darüber hinaus vereinbarte das Unternehmen im August mit START und staatlichen Stellen die Prüfung eines möglichen Verarbeitungszentrums in Uberlândia. Dieses könnte künftig Material aus Araxá und anderen Projekten aufnehmen. 

Das Vorhaben passt thematisch zu Wadephuls Ziel lokaler Wertschöpfung. Es befindet sich allerdings in der Prüfungsphase; verbindliche Vereinbarungen, Finanzierung und Genehmigungen stehen noch aus. 

Fazit 

Die deutsch-brasilianische Rohstoffpartnerschaft beschreibt eine wirtschaftlich nachvollziehbare Verbindung: Deutschland benötigt zusätzliche, verlässliche Bezugsquellen; Brasilien verfügt über Vorkommen und möchte seine industrielle Wertschöpfung ausbauen. Entscheidend ist, ob daraus funktionierende Lieferketten entstehen. 

St George bringt mit Araxá eine große definierte Ressource, zwei relevante Rohstoffgruppen und ein laufendes metallurgisches Entwicklungsprogramm in diese Geschichte ein. Die Prüfung eines zusätzlichen Verarbeitungszentrums erweitert den Ansatz über die reine Erschließung einer Lagerstätte hinaus. 

Eine deutsche Finanzierung oder ein europäischer Kunde ist damit nicht bestätigt. Araxá bleibt ein Entwicklungsprojekt, dessen wirtschaftliche Tragfähigkeit, Genehmigungen und spätere Produktionsfinanzierung noch abgesichert werden müssen. Rohstoffpreise und die technische Umsetzung bleiben wesentliche Risiken. 

Anleger sollten deshalb vor allem verfolgen, welche Ausbeuten und Produktqualitäten die Pilotversuche erreichen und wie diese Ergebnisse in belastbare Studien einfließen. Die politische Partnerschaft schafft einen relevanten Hintergrund. Den Unternehmenswert müssen konkrete Fortschritte tragen: Deutschlands Fabriken brauchen nutzbare Materialien – und Araxá muss zeigen, wie es sie liefern könnte.    


Quellen

https://www.stgm.com.au/
https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/germanys-defence-spending-boom-opens-opportunity-mittelstand-hcob-says-2026-09-22/
https://www.afr.com/companies/mining/lynas-to-buy-meteoric-for-968million-to-secure-brazil-rare-earths-20261001-p611yh
https://www.hks.harvard.edu/centers/cid/voices/moving-beyond-hype-what-brazils-rare-earth-moment-actually-requires
https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/raw-materials/areas-specific-interest/critical-raw-materials/strategic-projects-under-crma/selected-projects_en
https://www.auswaertiges-amt.de/en/newsroom/news/2776976-2776976

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St George Mining
Land: Australien
ISIN: AU000000SGQ8
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