4%-Regel Börsenlexikon Vorheriger Begriff: 419 Betrug Nächster Begriff: 51% Attack
Eine Faustformel für den Ruhestand, nach der im ersten Jahr ein fester Anteil des Depots entnommen und der Betrag danach jährlich um die Inflation erhöht wird.
Der Rechner zeigt, wie viel sich nach der 4%-Regel entnehmen lässt oder wie viel Vermögen für einen gewünschten Betrag nötig ist, und prüft, ob das Depot über den gewählten Zeitraum reicht. Die Entnahme steigt jedes Jahr mit der Inflation.
| Eingesetztes Vermögen | – |
| Entnahme im ersten Jahr | – |
| Entnahme im letzten Jahr (nominal) | – |
| Summe aller Entnahmen | – |
| Gezahlte Steuern (inkl. Soli) | – |
| Restvermögen am Ende | – |
| Restvermögen in heutiger Kaufkraft | – |
Verlauf Jahr für Jahr anzeigen
| Jahr | Entnahme | Depot am Jahresende |
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Die 4%-Regel ist eine Faustformel für die Entnahme von Vermögen im Ruhestand. Sie besagt, dass im ersten Jahr 4 Prozent des Startvermögens entnommen werden und dieser Betrag in den Folgejahren nur um die Inflationsrate erhöht wird, unabhängig davon, wie sich das Depot entwickelt. Nach historischen Daten reichte ein gemischtes Portfolio aus Aktien und Anleihen so in den meisten Fällen mindestens 30 Jahre. Sie dient als Orientierung, wie viel Kapital für ein bestimmtes Zusatzeinkommen im Alter nötig ist.
Herkunft der Regel
Die Regel geht auf den US-Finanzplaner William Bengen zurück. Er spielte 1994 im Journal of Financial Planning Ruhestandsphasen von 30 Jahren mit historischen US-Marktdaten ab 1926 durch. Die Portfolios bestanden je zur Hälfte bis zu drei Vierteln aus Aktien, der Rest aus Anleihen. Bengen suchte die höchste Anfangsentnahme, bei der das Vermögen in keinem der untersuchten Zeiträume vor Ablauf der 30 Jahre aufgebraucht war, und kam auf rund 4 Prozent.
Bekannt wurde der Ansatz zusätzlich durch die sogenannte Trinity-Studie, die drei Professoren der Trinity University in Texas 1998 veröffentlichten. Sie werteten Daten von 1926 bis 1995 aus und ermittelten Erfolgsquoten: Bei 75 Prozent Aktien, 25 Prozent Anleihen und einer inflationsangepassten Entnahme von 4 Prozent reichte das Vermögen in rund 98 Prozent der 30-Jahres-Zeiträume. Bengen selbst hat seine Empfehlung später angepasst und nennt in seinem 2025 erschienenen Buch bei breiterer Streuung eine Anfangsentnahme von 4,7 Prozent.
So funktioniert die 4%-Regel
Bei einem Startvermögen von 500.000 Euro beträgt die Entnahme im ersten Jahr 20.000 Euro, also rund 1.667 Euro im Monat. Liegt die Inflation im ersten Jahr bei 2 Prozent, steigt die Entnahme im zweiten Jahr auf 20.400 Euro. Der aktuelle Depotwert spielt dafür keine Rolle. So bleibt die Kaufkraft des Einkommens konstant, während das Vermögen je nach Börsenverlauf wächst oder schrumpft.
Umgekehrt lässt sich aus der Regel der Kapitalbedarf ableiten: Das nötige Vermögen entspricht dem 25-Fachen der gewünschten jährlichen Entnahme. Wer etwa eine Rentenlücke von 800 Euro im Monat schließen möchte, benötigt für 9.600 Euro im Jahr ein Vermögen von rund 240.000 Euro zum Rentenbeginn. Die gesetzliche Rente und andere Einkünfte decken den übrigen Bedarf, die 4%-Regel bezieht sich nur auf den Teil, der aus eigenem Vermögen finanziert werden soll.
Annahmen und Grenzen
Die Regel beruht auf Annahmen, die nicht ohne Weiteres übertragbar sind. Die Ausgangsdaten stammen aus dem US-Aktienmarkt, der im vergangenen Jahrhundert zu den stärksten weltweit zählte. Untersuchungen mit Daten anderer Länder, unter anderem von Wade Pfau, ergaben für viele Märkte deutlich niedrigere sichere Entnahmeraten. Zudem berücksichtigten die ursprünglichen Studien weder Fondskosten noch Steuern, und der Zeitraum von 30 Jahren ist für einen frühen Ruhestand zu kurz.
Aktuelle Schätzungen fallen je nach Methode unterschiedlich aus. Das Analysehaus Morningstar hält für Ruhestandsbeginn im Jahr 2026 eine Anfangsentnahme von 3,9 Prozent für tragfähig, bei 90 Prozent Erfolgswahrscheinlichkeit über 30 Jahre und einem Aktienanteil von 30 bis 50 Prozent (Stand Dezember 2025).
Das Reihenfolgerisiko
Entscheidend für den Erfolg ist nicht nur die durchschnittliche Rendite, sondern die Reihenfolge der Börsenjahre. Fällt ein Kurseinbruch in die ersten Jahre des Ruhestands, werden Anteile zu niedrigen Kursen verkauft, und das verbleibende Vermögen kann sich auch in späteren guten Jahren nicht mehr vollständig erholen. Dieses Reihenfolge- oder Sequenzrisiko ist bei Entnahmen deutlich gravierender als in der Ansparphase.
Der Rechner zeigt den Effekt als Stresstest. Bei 500.000 Euro, 60 Prozent Aktienanteil und einer angenommenen Rendite von 5 Prozent reicht das Vermögen in der Modellrechnung 30 Jahre. Fallen die Aktienkurse im ersten Jahr um 40 Prozent, ist dasselbe Depot trotz sonst gleicher Rendite bereits im 25. Jahr aufgebraucht. Häufig wird deshalb eine Reserve auf dem Tages- oder Festgeldkonto gehalten, aus der in schwachen Börsenjahren entnommen wird, ähnlich dem Sicherheits-Baustein beim Auszahlplan.
Besonderheiten in Deutschland
Für Anleger in Deutschland mindern Steuern den verfügbaren Betrag. Auf Kapitalerträge fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag an, zusammen 26,375 Prozent, bei Kirchenmitgliedschaft zusätzlich Kirchensteuer. Steuerfrei bleiben Erträge bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro. Bei Aktienfonds sind 30 Prozent der Erträge durch die Teilfreistellung steuerfrei. Besteuert wird beim Verkauf von Fondsanteilen nur der darin enthaltene Gewinn, nicht das ursprünglich eingezahlte Kapital. Zusätzlich wird jährlich die Vorabpauschale fällig, für die 2026 ein Basiszins von 3,20 Prozent gilt.
Weil Steuern und Kosten die Nettorendite schmälern und europäische Märkte historisch schwächer abgeschnitten haben als der US-Markt, wird in deutschsprachigen Quellen häufig eine vorsichtigere Anfangsentnahme von 3 bis 3,5 Prozent genannt. Das erhöht den Kapitalbedarf spürbar: Bei 3 Prozent entspricht er dem rund 33-Fachen der jährlichen Entnahme.
Flexible Varianten
Da die starre Regel Marktschwankungen ignoriert, sind mehrere flexible Varianten verbreitet. Bei der festen Quote wird jedes Jahr ein fester Prozentsatz des aktuellen Depotwerts entnommen. Das Vermögen kann so nicht vollständig aufgebraucht werden, das Einkommen schwankt dafür mit der Börse. Bei Leitplanken-Modellen wird die Entnahme gekürzt, wenn sie gemessen am aktuellen Depotwert zu hoch wird, und erhöht, wenn das Vermögen stark gewachsen ist. Solche Anpassungen erlauben meist eine höhere Anfangsentnahme, setzen aber schwankende Ausgaben voraus.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Ein Auszahlplan legt Rate, Laufzeit und Verzinsung vorab fest und verbraucht das Kapital bei Kapitalverzehr genau zum Laufzeitende. Die 4%-Regel dagegen bestimmt nur die Höhe der Anfangsentnahme, das Ende bleibt offen: Das Vermögen kann nach 30 Jahren aufgebraucht sein oder deutlich gewachsen. Die Begriffe Entnahmeplan und Auszahlplan beschreiben die praktische Umsetzung, etwa über den regelmäßigen Verkauf von Fondsanteilen, während die 4%-Regel eine Methode zur Bemessung der Entnahme ist. Die Rentenlücke bestimmt, wie hoch die Entnahme sein muss, und damit, welches Vermögen nach der Regel dafür nötig ist. Anders als eine private Leibrente garantiert die 4%-Regel kein lebenslanges Einkommen.
Fazit
Die 4%-Regel ist eine aus historischen US-Daten abgeleitete Faustformel: Im ersten Jahr werden 4 Prozent des Vermögens entnommen, danach wird der Betrag jährlich an die Inflation angepasst, und das Kapital reichte in der Vergangenheit meist mindestens 30 Jahre. Sie eignet sich zur groben Abschätzung des Kapitalbedarfs im Ruhestand, ersetzt aber keine individuelle Planung. Steuern, Kosten, das Reihenfolgerisiko, längere Ruhestandsphasen und schwächere Märkte außerhalb der USA sprechen dafür, die Rate vorsichtiger anzusetzen oder flexibel anzupassen.
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