Out of the Money (OTM) Optionen Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fortlaufender Kurs Nächster Begriff: At the Money (ATM) Optionen

Eine Option, deren Ausübungspreis im Vergleich zum aktuellen Marktpreis des zugrunde liegenden Vermögenswerts keinen sofortigen Gewinn ermöglicht, da sie keinen inneren Wert besitzt

Out of the Money (OTM) Optionen sind ein zentraler Begriff im Optionshandel und beschreiben eine spezifische Situation in Bezug auf den aktuellen Marktpreis des Basiswerts im Verhältnis zum Ausübungspreis (Strike Price) einer Option. Der Begriff findet sowohl bei Kaufoptionen (Call-Optionen) als auch bei Verkaufsoptionen (Put-Optionen) Anwendung und ist entscheidend für die Bewertung und das Verständnis der Preisstruktur derivativer Finanzinstrumente.

Definition und grundlegende Einordnung

Eine Option gilt als "Out of the Money" (OTM), wenn sie bei sofortiger Ausübung keinen inneren Wert besitzt. Das bedeutet: Ein Call ist OTM, wenn der aktuelle Kurs des Basiswerts unter dem Ausübungspreis liegt. Umgekehrt ist ein Put OTM, wenn der aktuelle Kurs über dem Ausübungspreis notiert. In beiden Fällen wäre die sofortige Ausübung der Option wirtschaftlich nicht sinnvoll, da keine positive Differenz zwischen Marktpreis und Strike realisiert werden kann.

Der innere Wert einer Option ist stets null, solange sie OTM ist. Dennoch kann eine OTM-Option einen Zeitwert besitzen, da sich die Markterwartungen über Kursveränderungen bis zum Verfallstag in der Optionsprämie widerspiegeln.

Funktionsweise und Beispiele

  1. Call-Option OTM:

    • Strike Price: 100 €

    • Aktueller Marktpreis: 95 €

    • Die Call-Option ist OTM, weil der Käufer der Option das Recht hätte, den Basiswert zu 100 € zu kaufen, obwohl dieser am Markt nur 95 € kostet. Die Option wird daher nicht ausgeübt.

  2. Put-Option OTM:

    • Strike Price: 50 €

    • Aktueller Marktpreis: 55 €

    • Die Put-Option ist OTM, weil der Inhaber das Recht hätte, den Basiswert zu 50 € zu verkaufen, obwohl er ihn am Markt zu 55 € verkaufen könnte. Auch hier wäre eine Ausübung wirtschaftlich nachteilig.

Bewertung und Preisbildung

Da OTM-Optionen keinen inneren Wert haben, besteht ihr Marktpreis ausschließlich aus dem Zeitwert. Dieser reflektiert die Wahrscheinlichkeit, dass die Option bis zum Fälligkeitsdatum noch ins Geld kommt (in the money, ITM), also einen positiven inneren Wert erlangt. Der Zeitwert sinkt mit abnehmender Volatilität des Basiswerts und mit zunehmender Restlaufzeit der Option.

Die Preisbildung kann mithilfe des Black-Scholes-Modells oder anderer Bewertungsverfahren erfolgen, bei denen Parameter wie Volatilität, Restlaufzeit, Zinsniveau und Dividendenzahlungen in die Berechnung eingehen. Insbesondere bei Optionen, die weit OTM sind, ist der Preis sehr sensitiv gegenüber der impliziten Volatilität.

Einsatzmöglichkeiten und Handelsstrategien

OTM-Optionen werden häufig aus spekulativen oder strategischen Gründen eingesetzt. Sie bieten eine Möglichkeit, mit geringem Kapitaleinsatz auf Kursbewegungen zu setzen. Aufgrund des niedrigen Preises können Investoren eine größere Anzahl an Kontrakten erwerben, was bei günstiger Kursentwicklung zu überproportionalen Gewinnen führen kann – allerdings auch mit einem entsprechend hohen Verlustrisiko bis hin zum Totalverlust der Optionsprämie.

Typische Einsatzszenarien umfassen:

  1. Spekulativer Kauf von Calls oder Puts mit der Erwartung starker Kursbewegungen.

  2. Absicherung (Hedging) gegen extreme Marktbewegungen, z. B. durch den Kauf weit OTM liegender Puts.

  3. Verkauf (Stillhaltergeschäfte) von OTM-Optionen in der Erwartung, dass diese wertlos verfallen und die vereinnahmte Prämie vollständig vereinnahmt werden kann.

Verhältnis zu anderen Optionsarten

Die Unterscheidung zwischen OTM, ATM (at the money) und ITM (in the money) ist für das Optionsverständnis grundlegend:

Optionsart Verhältnis Strike ↔ Kurs Innerer Wert Zeitwert
ITM vorteilhaft > 0 ja
ATM nahezu gleich ≈ 0 ja
OTM nachteilig = 0 ja

OTM-Optionen befinden sich damit am entgegengesetzten Ende des Spektrums zu ITM-Optionen, welche bereits einen realisierbaren inneren Wert aufweisen.

Risikoaspekte

Der Handel mit OTM-Optionen birgt spezifische Risiken, insbesondere für Käufer solcher Optionen. Da kein innerer Wert vorhanden ist, basiert die gesamte Bewertung auf zukünftigen Erwartungen. Tritt die erwartete Kursbewegung nicht ein, verfällt die Option am Ende der Laufzeit vollständig wertlos. Dies bedeutet für den Käufer einen Totalverlust der gezahlten Prämie.

Für Verkäufer (Stillhalter) ergibt sich das gegenteilige Risikoprofil: Sie profitieren, wenn die Option wertlos verfällt, tragen aber im Falle einer ungünstigen Marktentwicklung ein erhöhtes Verlustrisiko, insbesondere bei ungedeckten Positionen.

Regulatorische und steuerliche Aspekte

In vielen Ländern unterliegen OTM-Optionen denselben regulatorischen Vorschriften wie andere Derivate. Der Handel erfolgt häufig an standardisierten Terminbörsen wie der Eurex oder der CBOE. Steuerlich ist die Behandlung von Gewinnen oder Verlusten aus dem Handel mit OTM-Optionen je nach Land und steuerlicher Einstufung (private Vermögensverwaltung vs. gewerblicher Handel) unterschiedlich geregelt. In Deutschland etwa gelten realisierte Gewinne aus Optionsgeschäften im Privatvermögen in der Regel als Einkünfte aus Kapitalvermögen, die mit der Abgeltungssteuer belegt werden.

Fazit

Out of the Money (OTM) Optionen sind Optionen ohne inneren Wert, deren Bewertung ausschließlich auf dem Zeitwert basiert. Sie bieten Chancen auf überproportionale Gewinne bei vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz, sind aber auch mit einem hohen Verlustrisiko verbunden. In der Praxis werden sie sowohl spekulativ als auch zur Absicherung oder Ertragsgenerierung eingesetzt. Ihr Preis wird maßgeblich durch Markterwartungen, Volatilität und Restlaufzeit bestimmt. Für eine fundierte Handelsentscheidung ist ein tiefgehendes Verständnis der Eigenschaften und Risiken von OTM-Optionen unerlässlich.