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100 Dollar Öl

Irak schickt eigenen Supertanker durch Hormus 05.10.2026, 15:54 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Bagdad bricht mit einer jahrzehntealten Praxis. Statt Käufer ihr Rohöl wie üblich im Hafen von Basra abholen zu lassen, hat die staatliche Iraqi Oil Tankers Company selbst einen Supertanker mit rund zwei Millionen Barrel durch die Straße von Hormus geschickt – zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Am Ölmarkt bleibt die Reaktion verhalten: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet mit gut 101 Dollar weiterhin mehr als 100 Dollar, ein leichtes Minus von rund 0,4 Prozent. Aus Anlegersicht bleibt offen, wie belastbar die Entspannungssignale aus der Golfregion tatsächlich sind.

Bagdad will die Preisabschläge drücken

Hinter dem Schritt steht ein handfestes Problem: Zahlreiche Raffinerien scheuen das Risiko, eigene Schiffe in den Persischen Golf zu schicken. Der Irak musste sein Öl deshalb mit teuren Abschlägen verkaufen. Übernimmt Bagdad den Transport selbst, sollen neue Abnehmer gewonnen und bessere Preise erzielt werden. Vor dem Krieg exportierte das Land 3,3 bis 3,5 Millionen Barrel pro Tag, im August waren es nur noch rund 2 Millionen, bis Ende September erholte sich die Menge auf etwa 2,6 Millionen.

Auf Anlegerseite passt das zu Tanker-Daten, nach denen die Rohölexporte aus der Region zuletzt spürbar angezogen haben. Ganz trauen mag man den Zahlen allerdings nicht:

Eigentlich müsste anhand der Daten Öl abwärts laufen, aber ich denke der Durchfluss durch Hormuz ist bei weitem nicht so hoch wie angegeben, deshalb will Brent nicht auf 90$ fallen, denn soviel Risikoprämie steckt aktuell nicht dahinter.

Der hartnäckig hohe Preis wird damit weniger als Folge der gemeldeten Mengen gelesen, sondern als Ausdruck der Unsicherheit über die tatsächliche Lage in der Meerenge. Der Grundton zu diesem Punkt bleibt misstrauisch.

Aramco rechnet mit zwei Jahren Lageraufbau

Wie angespannt die Versorgung bleibt, machte Aramco-Chef Amin Nasser am Montag in London deutlich. Durch den Konflikt seien in sieben Monaten fast drei Milliarden Barrel Öl ausgefallen, rund die Hälfte dessen, was sonst durch die Straße von Hormus geflossen wäre. Mehr als eine Milliarde Barrel wurde aus Lagerbeständen entnommen, Regierungen gaben über 300 Millionen Barrel aus strategischen Reserven frei. Die Lieferungen aus dem Golf erreichten zuletzt 15,5 Millionen Barrel täglich und damit gut 80 Prozent des Vorkriegsniveaus. Selbst nach einer vollständigen Normalisierung der Meerenge könne es bis zu zwei Jahre dauern, die Lager wieder aufzufüllen. Eine schnelle Lösung zeichnet sich nicht ab: Der Iran hält an seinen Bedingungen für eine Öffnung fest, darunter ein Ende der US-Seeblockade.

Unter Anlegern wird die Lage anders gewichtet. Die Freigaben aus den strategischen Reserven signalisierten, dass genug Öl vorhanden sei – eigentlich spreche die Datenlage für fallende Preise, auch wenn die Wende eher abrupt als schleichend kommen dürfte. Bis dahin wird mit einer längeren Seitwärtsphase um die 100-Dollar-Marke gerechnet. Zwischen der Warnung aus der Aramco-Zentrale und der Erwartung nachgebender Preise klafft damit eine deutliche Lücke, der Ton ist abwartend.

Europa zahlt beim Öl drauf

Für europäische Abnehmer kommt ein weiterer Faktor hinzu. Saudi-Arabien hat seine offiziellen Verkaufspreise für November nach Nordwesteuropa und in den Mittelmeerraum angehoben, für Asien dagegen auf Sechsjahrestiefs gesenkt. Zugleich verteuert der schwache Euro die in Dollar abgerechneten Lieferungen: Der Euro gibt um rund 0,6 Prozent auf knapp 1,12 Dollar nach. Die US-Sorte WTI verbilligt sich mit einem Minus von rund 1,7 Prozent auf etwa 89,70 Dollar deutlicher als Brent.

Aus Anlegersicht rücken zudem Risiken außerhalb des Nahen Ostens in den Blick. Die Drohung der Ukraine, weitere Raffinerien anzugreifen, sei nicht zu unterschätzen; ein länger andauernder Krieg würde über zerstörte Infrastruktur auch die Energieversorgung anderer Märkte belasten. Der Einwand dagegen: Militärische Schlagzeilen allein entschieden nicht über den Brent-Preis, Kauf- oder Verkaufsentscheidungen würden auf ihrer Grundlage nicht getroffen. Die Stimmung bleibt wachsam, aber ohne Alarmismus.

Bn-Redaktion/sb
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