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Panzerprojekt MGCS gerät für Rheinmetall ins Wanken 09.10.2026, 15:12 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Erst der Kampfjet, jetzt womöglich der Kampfpanzer: Nach dem im Sommer zusammengestrichenen FCAS-Projekt steht auch das deutsch-französische Vorhaben MGCS infrage. Für Rheinmetall, das gemeinsam mit KNDS und Thales an der Projektgesellschaft beteiligt ist, trifft die Debatte auf eine ohnehin angeschlagene Aktie: Sie notiert am Nachmittag rund 0,8 Prozent tiefer bei gut 932 Euro und bleibt damit in Sichtweite ihres Jahrestiefs von gut 902 Euro. Unter Aktionären ist die Stimmung nach einer Analysten-Abstufung am Morgen gereizt.

Pariser Generalstab spricht von deutschem Rückzug

Ausgelöst hatte die Spekulationen der französische Generalstabschef Fabien Mandon. Bei einer Anhörung im Parlament erklärte er am Donnerstag, Deutschland habe sich aus dem Projekt zurückgezogen. Der Generalstab ergänzte später, MGCS verzögere sich; beide Länder wollten deshalb zur Überbrückung eigene Nachfolger für den Leopard 2 und den Leclerc konzipieren. Der Schwerpunkt liege nun auf Vernetzung, Automatisierung und Robotisierung.

Am Freitag hielten Verteidigungsminister Boris Pistorius und seine französische Amtskollegin Catherine Vautrin bei einem Unternehmensbesuch in Bordeaux dagegen: Das Projekt sei weder beendet noch gefährdet. Offen ließen beide jedoch, ob am Ende tatsächlich ein gemeinsamer Panzer entsteht – oder nur zwei nationale Modelle, die in einem Kampfsystem verknüpft werden. Gerade dieser Fokus auf Vernetzung passt zu einer Sicht, die auf Aktionärsseite schon vor der Nachricht vertreten wurde: Der künftige Werttreiber eines Panzers sei weniger die Panzerung als seine Rolle als Datenknoten.

Panzer empfangen und senden Daten noch lange bevor die erste First-Strike-Waffe die Grenzen Deutschlands überschreitet. Das ist alles kein Marketinggag, sondern banale Wirklichkeit.

Eine breite Debatte über MGCS ist unter Anlegern bislang allerdings ausgeblieben. Offen bleibt aus Anlegersicht vor allem die Kernfrage, ob es den gemeinsamen Panzer überhaupt noch geben wird – der Blick nach Paris bleibt abwartend.

Berenberg vermisst Aufträge für die Zeit nach 2030

Brisant ist die Hängepartie, weil MGCS mit einem geschätzten Volumen von rund 100 Milliarden Euro genau in jenen Zeitraum fällt, auf den sich derzeit die Zweifel richten. Die Privatbank Berenberg hatte Rheinmetall am Morgen von „Buy“ auf „Hold“ abgestuft und das Kursziel von 1.600 auf 1.020 Euro gesenkt. Die mittelfristigen Wachstumsperspektiven seien mit Unsicherheiten behaftet; um auch über 2030 hinaus zu wachsen, brauche es deutlich mehr Aufträge. Dabei handelt es sich um eine externe Einschätzung, nicht um eine redaktionelle Empfehlung.

Mehrere Anleger zweifeln an der Aussagekraft der Abstufung. Prognosen über 2030 hinaus seien ein Blick in die Glaskugel, die Auftragsbücher dagegen gut gefüllt; zudem wird an der raschen Kehrtwende der Analysten Anstoß genommen.

Dem wird entgegengehalten, dass Analysten ihre Ziele in einem derart dynamischen Umfeld an die tatsächliche Geschäftsentwicklung anpassen müssten. Hinzu kommt der Einwand, die Bewertung sei trotz des Kursrutschs noch immer hoch. Die Reaktionen auf das Votum fallen damit gespalten aus.

Kurs hat sich binnen eines Jahres halbiert

Wie stark die Zuversicht geschwunden ist, zeigt der Kursverlauf: Vor einem Jahr kostete die Rheinmetall-Aktie noch gut 1.860 Euro, am Freitag fiel sie zeitweise bis auf 919 Euro. Auch auf Wochensicht ging es von gut 950 Euro abwärts. Auf Aktionärsseite wird ein Teil der Ursache im Unternehmen selbst gesucht: Bei der Umsetzung von Projekten hapere es, lautet ein Kritikpunkt – als Beispiel dient der Kampfpanzer Panther, der noch immer nicht für die Truppenerprobung in Ungarn bereitstehe.

Ob MGCS als gemeinsamer Panzer oder als vernetzter Verbund zweier nationaler Modelle weitergeführt wird, dürfte für die Frage nach Aufträgen jenseits von 2030 eine wichtige Rolle spielen. Die Anleger-Stimmung schwankt bis dahin zwischen Trotz gegenüber den Analysten und Sorge vor dem nächsten Rückschlag.

Bn-Redaktion/sb
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