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Glyphosat-Sorgen

Bayer büßt in einer Woche elf Prozent ein 05.10.2026, 14:34 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Bayer 44,04 EUR -2,31 % Lang & Schwarz
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Bayer-Papiere rutschen zum Wochenstart erneut ab. Am Montagnachmittag kostet die Aktie 44,47 Euro, 1,2 Prozent weniger als zum Freitagsschluss und nur knapp über dem Tagestief. Vor einer Woche hatte der Kurs noch bei gut 50 Euro gelegen – ein Minus von rund elf Prozent, in das vor allem wieder aufgeflammte Sorgen rund um Glyphosat hineinspielen. Unter Aktionären ist der Ton entsprechend gereizt.

EU hält Glyphosat an der kurzen Leine

Ende vergangener Woche hatten die EU-Staaten den Plänen der EU-Kommission, Pflanzenschutzmittel künftig unbefristet zuzulassen, eine Absage erteilt. Für Wirkstoffe mit höherem Risikoprofil wie Glyphosat bleibt es bei befristeten Zulassungen und regelmäßigen Neubewertungen. Die Aktie verlor daraufhin am Donnerstag rund drei Prozent und konnte sich seither nicht fangen. Zugleich wartet der Konzern in den USA weiter auf die gerichtliche Genehmigung seines Sammelvergleichs über 7,25 Milliarden US-Dollar, mit dem er einen Schlussstrich unter einen großen Teil der Glyphosat-Klagen ziehen will.

Aus Anlegersicht ist genau diese Entscheidung der Termin, auf den alles zuläuft. Sie könne praktisch jeden Tag fallen, gerechnet wird mit Anfang bis Mitte Oktober. Zugleich klingt Ungeduld durch – ob sich das Verfahren womöglich noch Jahre hinziehe, wird ebenfalls gefragt.

Am Kursverlauf wird man sehr schnell erkennen, wenn etwas durchsickert bzgl. der endgültigen Genehmigung bzw. der Ablehnung des 7,25-Mrd.-US-Dollar-Vergleichs. Wird spannend.

Die Kehrseite dieser Erwartung beschäftigt Skeptiker: Gerate der Vergleich ins Wanken, müsse Bayer womöglich erneut tief in die Tasche greifen, so die Befürchtung. Die Stimmung zu diesem Punkt bleibt angespannt abwartend.

Umweltminister nimmt Pharmahersteller in die Pflicht

Zusätzlicher Gegenwind kommt aus Berlin. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will Arzneimittelhersteller an den Kosten für die Entfernung von Medikamentenrückständen aus dem Abwasser beteiligen. Bezahlen sollten das nicht die Bürger, sondern die Verursacher, machte er auf einer Wasserkonferenz seines Ministeriums deutlich. Grundlage ist die EU-Kommunalabwasserrichtlinie, die eine vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen vorsieht und Pharma- sowie Kosmetikherstellern mindestens 80 Prozent der Kosten zuweist. Bis Ende Juli 2027 muss sie in deutsches Recht umgesetzt werden, einen Gesetzentwurf gibt es noch nicht. Vor dem Europäischen Gerichtshof klagt zudem Polen gegen die Herstellerverantwortung – Schneider kann sich notfalls auch eine nationale Regelung vorstellen.

Unmittelbar bewegt hat der Vorstoß die Branche kaum: Merck gibt 0,4 Prozent auf 136,63 Euro nach, Sanofi liegt sogar leicht im Plus. Auch unter Bayer-Aktionären spielt das Thema bislang keine Rolle – der Blick bleibt auf die Gerichte in den USA geheftet.

Elf Prozent Minus in fünf Handelstagen

Rückenwind von der Investitionsseite blieb aus. Dass Bayer 2,2 Milliarden US-Dollar in einen neuen Pharma-Produktionsstandort in New Albany im US-Bundesstaat Ohio stecken will, änderte am Kursbild wenig. Die USA stehen inzwischen für gut ein Drittel des Umsatzes der Pharmasparte, zugleich wächst dort der politische Druck auf die Medikamentenpreise. Während der DAX mit gut 25.280 Punkten praktisch auf der Stelle tritt, zählt Bayer erneut zu den schwächsten Werten. Auf Jahressicht liegt die Aktie allerdings noch immer mehr als 50 Prozent über dem Niveau von Anfang Oktober 2025.

Auf Aktionärsseite wird die Lage unterschiedlich gelesen. Langfristig orientierte Aktionäre halten an der Erwartung wieder höherer Kurse und besserer Dividenden fest; auf dem gedrückten Niveau sei selbst ein deutlicher Rückprall nicht mehr außergewöhnlich. Skeptiker halten dagegen, die Erholung der vergangenen Monate habe sich als Bullenfalle für alle erwiesen, die bei 45 oder 50 Euro auf ein Ende der Probleme gesetzt hätten. Dass es wieder in Richtung 20 Euro gehen könnte, wird als Sorge ebenfalls geäußert. Der Ton bleibt nervös – Zuversicht ist derzeit vor allem eine Frage des Anlagehorizonts.

Bn-Redaktion/sb
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