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Merz in der Ukraine

Rheinmetall fehlt bei Kiews Milliarden-Deals 05.10.2026, 15:30 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Bei seinem Besuch in Kiew hat Bundeskanzler Friedrich Merz der Ukraine weitere Milliardenhilfen zugesagt – der bekannteste deutsche Rüstungskonzern spielt in den bislang genannten Vereinbarungen aber keine Rolle. Die Aktie von Rheinmetall lässt sich davon nicht aus dem Tritt bringen: Am Vormittag war sie zeitweise bis knapp über 952 Euro gerutscht, inzwischen notiert sie rund 1,5 Prozent höher bei gut 974 Euro. Die Stimmung auf Anlegerseite wirkt am Nachmittag eher gelassen als enttäuscht.

Diehl, Hensoldt und Quantum Systems kommen zum Zug

Die Bundesregierung stellt der Ukraine mehr als eine Milliarde Euro für neue Waffen sowie 350 Millionen Euro für die Energieversorgung in Aussicht. Im Mittelpunkt stehen Drohnen, Luftabwehr und Waffen mit größerer Reichweite. Hinzu kommen Gemeinschaftsprojekte deutscher und ukrainischer Rüstungsunternehmen, deren Volumen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf 8,5 Milliarden Euro beziffert, deutsche Regierungskreise dagegen auf 6,5 Milliarden Euro. Genannt werden Diehl Defence mit Iris-T-Luftabwehrraketen, Hensoldt mit Satellitentechnik für die Luftverteidigung und Quantum Systems mit Abfangdrohnen, die in der Ukraine gefertigt werden sollen. Hensoldt-Papiere legten bereits vorbörslich zu, Händler verwiesen auf mögliche Ukraine-Aufträge.

Auf Aktionärsseite von Rheinmetall wurden die Zahlen aus Kiew schnell aufgegriffen. Dass der Düsseldorfer Konzern unter den genannten Unternehmen nicht auftaucht, spielt in der Diskussion bislang keine große Rolle – die Aufmerksamkeit gilt eher der Frage, welche Art von Rüstung künftig gefragt sein dürfte.

Drohnenabwehr verschiebt den Fokus der Branche

Die Kiewer Projekte drehen sich um Drohnen, Abfangsysteme und Luftverteidigung – Rheinmetall war in der Ukraine bisher vor allem mit Schützenpanzern und Artilleriemunition präsent. Auch die Konkurrenz rüstet bei der Drohnenabwehr auf: Saab testet mit Kraken Technology ein autonomes Boot, das mit einem kompakten Radar Schiffe, Häfen und kritische Infrastruktur vor Angriffen aus der Luft schützen soll. Die Saab-Aktie gewinnt rund 1 Prozent auf 55,37 Euro.

Aus Anlegersicht wird der Drohnen-Hype allerdings mit Skepsis betrachtet. Ein vernetztes Gefechtsfeld sei nur so lange schlagkräftig, wie die Verbindung über Satelliten stehe – gegen einen hochgerüsteten Gegner sei das anfällig. Eine starke konventionelle Ausstattung mit Artillerie und Panzern bleibe deshalb wichtig, auch wenn Investoren das derzeit unterschätzten. Zusätzlich wird auf Berichte über eine NATO-Strategie verwiesen, die neue Technologien gezielt mit klassischen Waffensystemen verbinden soll. Unterm Strich fällt die Einordnung zu diesem Punkt nüchtern aus: Neue Technik ergänze das klassische Geschäft, ersetze es aber nicht.

Aktie arbeitet sich vom Tagestief nach oben

Im Tagesverlauf pendelte Rheinmetall zwischen rund 952 und knapp 979 Euro. Auf Wochensicht liegt die Aktie damit gut 1 Prozent im Minus, binnen eines Jahres hat sich der Kurs vom Hoch bei mehr als 1.980 Euro ungefähr halbiert. Der Verlauf am Montag entspricht recht genau einer Erwartung, die schon vor Handelsbeginn formuliert wurde:

ich gehe davon aus, dass wir heute nochmal die 950 testen werden und evtl bei 975 schließen..

Ob sich die Erholung festigen kann, bleibt offen – eine solche Erwartung ist keine Prognose und kein Signal. Unter Aktionären wird zwar bereits wieder die runde Marke von 1.000 Euro ins Gespräch gebracht, der Ton bleibt nach dem langen Abwärtstrend aber vorsichtig. Neue Impulse könnten sich ergeben, falls aus den Kiewer Vereinbarungen weitere Aufträge an deutsche Hersteller hervorgehen sollten.

Bn-Redaktion/sb
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