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Von Buy auf Hold

Berenberg kappt Rheinmetall-Ziel um ein Drittel 09.10.2026, 09:48 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Für Berenberg ist Rheinmetall kein Kauf mehr. Die Privatbank hat den Rüstungskonzern von „Buy“ auf „Hold“ abgestuft und das Kursziel von 1.600 auf 1.020 Euro gesenkt – dies stellt keine redaktionelle Empfehlung dar. Die Aktie rutschte im frühen Handel bis auf rund 918 Euro ab und notiert aktuell bei gut 925 Euro, ein Minus von rund einem Prozent. Unter Aktionären fällt die Reaktion gespalten aus.

Wachstum nach 2030 braucht neue Großaufträge

Die Analysten begründen die Abstufung mit mittelfristigen Wachstumsperspektiven, die mit Unsicherheiten behaftet seien. Um auch über 2030 hinaus zu wachsen, benötige Rheinmetall deutlich mehr Aufträge. Der Kursrückgang seit Jahresbeginn könne dies allerdings teilweise eingepreist haben. Zuletzt hatte der Konzern bereits seine Jahresprognose gesenkt, nachdem der Fregattenauftrag F126 gestoppt worden war. Hinzu kommt ein Sektor, der seit Monaten empfindlich auf diplomatische Signale zwischen Washington und Moskau reagiert: Die Einladung von Kremlchef Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami fiel zuletzt zeitlich mit deutlichem Verkaufsdruck bei Rüstungswerten zusammen.

Aus Anlegersicht ist die Abstufung nur der jüngste Schritt einer längeren Serie: Die Kursziele würden von Woche zu Woche kleiner, lautet eine bissige Beobachtung. Die Bewertung sei trotz des Kursrutschs noch immer zu hoch, heißt es auf Skeptikerseite. Kurs-Optimisten wollen sich von den gesenkten Zielen dagegen nicht beirren lassen und setzen auf eine Erholung bis zum Jahresende. Die Stimmung pendelt damit zwischen Ernüchterung und Trotz.

Steigende Kosten bremsen die Abarbeitung

Neben der Frage nach neuen Aufträgen rückt die Umsetzung bestehender Projekte in den Blick. Bereits Ende August hatten interne Unterlagen von Bundeswehr und Beschaffungsamt Verzögerungen bei zwei wichtigen Rüstungsprojekten kritisiert; Rheinmetall führte diese auf kürzere Zeiträume und Kundenanpassungen zurück.

Auf Aktionärsseite wird genau dieser Punkt kritisch gesehen. Als Beispiel dient der Kampfpanzer Panther, der deutlich hinter dem einst angekündigten Zeitplan liege. Hinzu kämen steigende Rohstoff- und Transportkosten, die beim derzeit hohen Ölpreis auf die Marge drücken könnten.

Die Kosten für Rohstoffe steigen unaufhaltsam. Rohöl ist nicht billig und die Transportkosten für Ölprodukte gehen durch die Decke. Investoren sehen dieses natürlich! Auftragseingänge sind das Eine, diese abzuarbeiten bei steigenden Kosten, das Andere.

Trotz dieser Kritik bleibt bei mehreren Aktionären die langfristige Zuversicht spürbar. Die Verteidigungsfähigkeit Europas sei ein Thema, das weit über den Konflikt mit Russland hinausreiche und den Bedarf an Rüstungsgütern hoch halten dürfte. Kritisch bei der Umsetzung, zuversichtlich beim Geschäftsmodell – so lässt sich die Grundstimmung zusammenfassen.

Aktie nur noch knapp über dem Jahrestief

Vor einem Jahr kostete die Rheinmetall-Aktie noch rund 1.860 Euro, das Hoch der vergangenen zwölf Monate lag bei knapp 1.966 Euro. Mit gut 925 Euro hat sich der Kurs seitdem mehr als halbiert. Das Zwölfmonatstief von rund 902 Euro liegt nur noch etwa 2,5 Prozent entfernt, auf Wochensicht summiert sich das Minus auf knapp 3 Prozent.

Unter Anlegern sorgt vor allem das Hin und Her der vergangenen Tage für Gesprächsstoff. Auffällig sei, dass Rheinmetall zuletzt mehrfach entgegengesetzt zu Halbleiterwerten wie Nvidia und Micron gelaufen sei. Ob dahinter eine Umschichtung steckt, bleibt offen – eine solche Gegenbewegung sei bislang eher zwischen Chip- und Softwaretiteln zu beobachten gewesen, lautet der Einwand. Für den Freitag wird ein weiteres Abrutschen in Richtung 900 Euro für möglich gehalten; dem steht der Hinweis gegenüber, dass die Aktie bereits am Vortag ein frühes Minus wieder aufgeholt habe. Der Ton bleibt nervös und abwartend – mehr Klarheit dürften erst die Quartalszahlen am 5. November bringen.

Bn-Redaktion/sb
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