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Marktstimmung: "Babylonisches Stimmungsgewirr" 30.04.2026, 13:02 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Die Kursverluste in der betrachteten Woche nutzen Profis zu Gewinnmitnahmen von der Shortseite während private Anlegerinnen und Anleger eher Aktien verkaufen: Was das mit dem Gesamtmarkt macht, erklärt Joachim Goldberg.

30. April 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Dass der DAX seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung gerade einmal eine Handelsspanne von zwei Prozent produzierte - es handelt sich um das engste Band seit Beginn des Iran-Kriegs, zeigt nicht nur, wie sehr sich die Börsianer mittlerweile an die geopolitischen Entwicklungen gewöhnt haben. Vielmehr dürfte diese Zurückhaltung auch dem Umstand geschuldet sein, dass es ab heute Abend und an den kommenden Tagen bedeutsame Ereignisse zu verarbeiten gilt. Am wenigsten Marktbewegendes dürfte dabei von der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank unter Leitung von Jerome Powell zu erwarten sein. ?"hnliches gilt für die morgige Zusammenkunft des EZB-Rats; auch sie dürfte wahrscheinlich wenig an überraschendem Material zu bieten haben. Größere Aufmerksamkeit scheint dagegen wichtigen Quartalsergebnissen aus den USA zu gelten, die heute zur Veröffentlichung anstehen, sowie zahlreichen ökonomischen Daten in der zweiten Wochenhälfte.

Angesichts der vergleichsweise engen Handelsspanne seit unserer vergangenen Erhebung fällt der erneute Stimmungsumschwung bei den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont überraschend deutlich aus. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche um 23 Punkte auf einen neuen Stand von +17 gestiegen.

Profitabel in enger Range

Dabei haben fast alle Bären aus der Vorwoche ihre Engagements wieder geschlossen, so dass die Pessimisten-Gruppe um 14 Prozentpunkte geschrumpft ist. Fast zwei Drittel von ihnen hat sich angesichts der dabei entstandenen Kursgewinne direkt wieder auf die Seite der Optimisten geschlagen, also die eigene Position um 180

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gedreht. Das verbleibende Drittel ist zu den neutral eingestellten Akteuren gewechselt. Vieles spricht dafür, dass diese Neupositionierungen in erster Linie Performance-bedingt und weniger aufgrund einer Neueinschätzung der geopolitischen und makroökonomischen Situation vorgenommen wurden.

Auf der anderen Seite hat sich die Stimmung bei den Privatanlegern deutlich in die andere Richtung entwickelt. Der Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel fällt um 10 Punkte auf einen neuen Stand von +4. Dabei reduziert sich das Bullenlager um 7 Prozentpunkte und verteilt sich fast zu gleichen Teilen auf die Gruppe der Pessimisten und diejenigen, die von einer unveränderten DAX-Entwicklung ausgehen. Die jüngsten Verschiebungen gehen insbesondere auf diejenigen Privatanleger zurück, die wir nicht über Social Media befragen. Deren Sub-Index fällt erneut - wie auch in der Vorwoche, dieses Mal um 7 Punkte auf einen neuen Stand von -4.

Gegenläufige Entwicklung bei den Privatanlegern

Nimmt man nun die Stimmung der Privatanleger und diejenige der institutionellen Investoren zusammen, kann man geradezu von einem babylonischen Stimmen- beziehungsweise Stimmungsgewirr sprechen. Nicht zuletzt, weil diejenigen Privatanleger, die wir nicht über Social Media befragen, noch pessimistischer als in der Vorwoche eingestellt sind, was umso bemerkenswerter ist, als diese Untergruppe sehr häufig tendenziell eher wie die institutionellen Investoren abstimmt. Gut möglich, dass die vorausgegangene Positionierung bei den Privatanlegern zum Teil weniger günstig (vielerorts bullish in der Abwärtsbewegung) gewesen ist.

Etwas Licht in dieses ganze Durcheinander bringt jedoch die relative Betrachtungsweise auf Sicht der ersten vier Monate in diesem Jahr. So gesehen sind die institutionellen Investoren viel weniger bullish eingestellt, als dies der absolute Stand des Deutsche Börse Sentiment-Index von +14 vermittelt. Bei dieser Sichtweise steht nämlich das relative Sentiment nur noch leicht oberhalb der neutralen Nulllinie.

In der Gesamtbewertung hat sich die Sentiment-technische Situation des DAX allerdings verschlechtert, denn trotz der erneuten Käufe von institutioneller Seite hat sich das Börsenbarometer im Wochenvergleich um 1,2 Prozent abgeschwächt. Möglicherweise, weil sich langfristig orientierte Investoren nicht für DAX-Werte erwärmen konnten. Und sollte sich der DAX tatsächlich noch einmal erholen, stünde nun von den heimischen Investoren vermutlich im Bereich zwischen 24.550 und 24.600 Zählern Angebot aus Gewinnmitnahmen einem weiteren Anstieg im Wege.

von Joachim Goldberg

30. April 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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