(neu: Einstieg, Aussagen aus Pressekonferenz, Aktienkurs)
LDUWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Chemiekonzern BASF DE000BASF111 verstärkt das Werben um Evonik DE000EVNK013. Ein möglicher Zusammenschluss mit dem Spezialchemiekonzern wäre ein logischer und sinnvoller Schritt zum richtigen Zeitpunkt, sagte BASF-Chef Markus Kamieth bei der Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal am Mittwoch in Ludwigshafen. Das gelte nicht nur für BASF, sondern auch für die Chemieindustrie insgesamt, da die Konsolidierung in der Branche in Europa bereits begonnen habe. Die Portfolios und die Stärken beider Unternehmen ergänzten sich sehr gut, argumentierte Kamieth. Gemeinsam könnte so ein viel wettbewerbsfähigerer und deutlich widerstandsfähigerer Global Player entstehen.
Der BASF-Chef betonte aber auch das Bekenntnis zu finanzieller Disziplin des Dax DE0008469008-Konzerns. BASF will keinen überhöhten Preis zahlen. "Wir werden auch eine mögliche Transaktion mit Evonik nur dann verfolgen, wenn sie für unsere Aktionärinnen und Aktionäre wirtschaftlich ist", betonte Kamieth. "Und wir werden keinen überhöhten Preis zahlen." Zum Status der Gespräche wollte sich der BASF-Chef nicht äußern und verwies auf Vertraulichkeit zwischen beiden Unternehmen.
Zu einem Zeitplan für einen möglichen Abschluss wollte der Vorstandsvorsitzende ebenfalls nichts sagen. Über Jahre würden sich die Gespräche aber sicher nicht ziehen. Zuletzt erhöhten die Ludwigshafener ihre Offerte für Evonik auf 24 Euro je Aktie oder gut 11 Milliarden Euro, wie dpa-AFX und dpa Ende vergangener Woche von mit der Transaktion vertrauten Personen erfuhren. Eine mögliche Erhöhung war von Experten erwartet worden, nachdem zunächst 22,15 Euro im Raum gestanden hatten.
Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, äußerte sich kritisch zu den Plänen. Er befürchte, dass eine Übernahme von Evonik Tausende Arbeitsplätze kosten werde, sagte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) der "Westdeutschen Allgemeine Zeitung". "Ich denke, es wäre am besten, den ganzen Vorgang zu beenden. Mir erschließt sich nicht, wo die Vorteile einer Übernahme von Evonik durch BASF liegen sollen."
Ende September hatten die beteiligten Unternehmen sowie die RAG-Stiftung als größte Evonik-Anteilseignerin bekannt gemacht, dass es ein Übernahmeangebot gibt. Besonderes Gewicht mit Blick auf die Pläne der BASF hat die RAG-Stiftung, denn sie hält rund 43 Prozent der Evonik-Aktien.
Derweil erzielte der Dax-Konzern im dritten Quartal ein operatives Ergebnis von 1,64 Milliarden Euro und übertraf damit deutlich die Erwartungen von Analysten. Ein Jahr zuvor hatte BASF hier 1,43 Milliarden ausgewiesen. Der Umsatz legte wegen höherer Preise und Mengen um 14,2 Prozent auf 16,36 Milliarden Euro zu. Die stärksten Beiträge seien von den Segmenten Chemicals und Nutrition & Care gekommen, sagte Kamieth in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Zudem habe der negative Einfluss von Währungseffekten in den vergangenen Quartalen nachgelassen und sich im dritten Quartal leicht ins Positive gedreht.
Die Aktie legte im frühen Handel zunächst leicht zu, drehte aber ins Minus. Zuletzt gab das Papier um rund 1,3 Prozent nach und gehörte im Leitindex Dax zu den größeren Verlierern.
BASF stemmt sich mit einem Umbau und Sparprogrammen gegen die Krise in der Chemie. Neben niedrigeren Fixkosten sorgten im dritten Quartal auch deutliche Zuwächse im Kerngeschäft für Rückenwind. Denn der Chemiekonzern kann die Folgen des Iran-Kriegs für sich nutzen. BASF profitiere dabei von höheren Preisen, die nach der Eskalation im Nahen Osten erzielt werden konnten, erklärte Kamieth.
Der Iran-Krieg trifft die Konkurrenz in Asien hart, da sie stark von Energielieferungen abhängig ist. Die Nachfrage von Kunden hat sich dadurch zu Unternehmen in Europa verschoben.
Im dritten Quartal bescherte BASF vor allem das Geschäft in China ein deutliches Erlösplus. Aber auch die Umsätze in Europa und auf dem deutschen Markt legten zweistellig zu. Unter dem Strich fiel der auf die Aktionäre entfallende Gewinn unter anderem wegen Restrukturierungskosten wie für Abfindungen für Mitarbeiter um knapp 10 Prozent auf 155 Millionen Euro.
Wegen der positiven Geschäftsentwicklung sei die Prognose für das Gesamtjahr angehoben worden, berichteten Kamieth und Finanzvorstand Dirk Elvermann. Für 2026 peilt BASF nun ein um Sondereinflüsse bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro an. Zuletzt hatte der Vorstand 6,9 bis 7,7 Milliarden im Visier.
Nach Ansicht von Jefferies-Analyst Marcus Dunford-Castro implizieren die aktualisierten Aussichten für das vierte Quartal ein operatives Ergebnis unter den derzeitigen Markterwartungen. Ebenso sah es JPMorgan-Experte Chetan Udeshi.
Der Chemiekonzern will für mehr Effizienz bis Ende 2026 jährliche Kosten von 2,3 Milliarden Euro einsparen. Beim Stellenabbau ist vor allem das Stammwerk in Ludwigshafen im Fokus. Seit Anfang 2024 sei die Zahl der Beschäftigten weltweit um 8.600 reduziert worden, berichtete der Finanzvorstand. Zwei Drittel davon seien auf Europa und damit auch auf Ludwigshafen entfallen. Diese Zahl berücksichtige weder die Reduzierungen durch Veräußerungen noch den Personalaufbau im Zusammenhang mit dem BASF-Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang.
"Bei der Straffung unserer globalen Organisation machen wir große Fortschritte." In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres seien mehr als doppelt so viele Stellen abgebaut worden wie im gesamten Vorjahr. Einen weiteren Stellenabbau schließt das Management nicht aus. Auch das Schließen weiterer Anlagen sei möglich, erklärte Konzernchef Kamieth. Rund 93.000 Beschäftigte hat der Dax-Konzern weltweit noch.