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Hamburg und Schleswig-Holstein einig bei Stromausbau 29.09.2026, 16:51 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Schleswig-Holstein produziert immer mehr erneuerbaren Strom und Hamburg als immer größerer Verbraucher würde ihn auch gerne nutzen. Da dies aber wegen der bestehenden Netzinfrastruktur nur mangelhaft funktioniert, haben die schleswig-holsteinische schwarz-grüne Landesregierung und Hamburgs rot-grüner Senat bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung im Hamburger Rathaus eine gemeinsame Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die Verflechtungen der Stromnetze beider Länder auszubauen.

Mehr Effizienz und Synergien

Ziel sei, Netzeffizienz und Synergien zwischen beiden Ländern zu steigern und insbesondere den hohen Bedarf der Großstadt mit dem Energiereichtum des Flächenlandes zusammenzubringen. Die aktuelle Lage werde zu einem Risiko für die Energiewende und zu einem Risiko für den Klimaschutz in Hamburg, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). "Und deswegen mischen wir uns jetzt ein und versuchen einerseits diejenigen zu aktivieren, deren Job es ist, und andererseits anzubieten, dass wir auch koordinieren und uns absprechen wollen", sagte er mit Blick auf die Netzbetreiber und den Bund.

Dem Bund und insbesondere dem zuständigen Bundeswirtschaftsministerium warf Tschentscher eine große Trägheit vor. Nach wie vor gebe es keine Antwort auf den Vorschlag, Übertragungsnetzbetreiber, Metropolen und die großen Industriestandorte an einen Tisch zu bringen, sagte Tschentscher. Ganz anders beim Nachbarn Schleswig-Holstein. Dort sei sofort gesagt worden: "Wir machen ein Lagebild zur Stromnetzlage in Norddeutschland."

Strombedarf wird steigen, nicht sinken

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betonte in Richtung des Bundes, dass erneuerbare Energien weiter Vorfahrt haben müssten. Der Strombedarf werde in den kommenden Jahren eher steigen denn sinken. Bei allem Verständnis für Übergangstechnologien und Neuregelungen müssten auch mittelständische Unternehmen und Bürgerwindparks eine vernünftige Planungsperspektive haben. "Aber bei dem, was im Moment vorliegt, muss aus unserer Sicht noch ein bisschen was verändert werden, um genau nicht zu diesem Fadenriss zu kommen", sagte Günther.

Hamburg und Schleswig-Holstein halten weiter an der Idee einer gemeinsamen Strompreiszone Nord zusammen mit Skandinavien fest. "Das wäre marktgerechter und würde Synergien entwickeln im Sinne der Energiewende", sagte Tschentscher. Er wisse, dass andere Bundesländer vor allem aus dem Süden dort für sich eher Nachteile sähen. Er verwies aber auch auf die Europäische Kommission, die ebenfalls auf Wettbewerb setze.

IHK SH schlägt gemeinsame Stromzone mit Westdänemark vor

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein hatte zuletzt eine gemeinsame Stromzone für Schleswig-Holstein und Hamburg mit Westdänemark vorgeschlagen. Das Modell bietet nach Ansicht der IHK günstige Voraussetzungen zur wirtschaftlichen Produktion und Vermarktung regional erzeugten Stroms, der stärker vor Ort genutzt würde.

"Wir sind in Deutschland eines der wenigen Länder, die nicht auf Marktwirtschaft in den Bereichen setzen, und das wird ein zunehmendes Ärgernis auch von europäischer Ebene", sagte Günther. Er verwies auf die skandinavischen Länder, die es nicht witzig fänden, dass ganz Deutschland einen einheitlichen Strompreis habe.

Skandinavier wenig erbaut von Einheitsstromzone in Deutschland

Über Nordlink gebe es Netzverknüpfungspunkte nach Skandinavien. Wenn der Strom aus dem Norden komme, sei das für die kein Problem. "Aber wenn der Strom aus dem Süden kommt, haben die plötzlich mit erheblich höheren Kosten zu tun, weil wir eine einheitliche Stromzone bei uns in Deutschland haben", sagte Günther.

Aus Günthers Sicht brächte eine Strompreiszone Nord auch deutliche Akzeptanzvorteile. Bislang wollten viele keinen zusätzlichen Windpark vor der Haustür haben. "Aber wenn man natürlich wüsste, dass eine solche Windkraftanlage nachher dazu führt, dass ich weniger für den Strom bezahle und nicht teilweise mehr, so wie es im Moment der Fall ist, hätte das noch mal einen ganz anderen Run auch für erneuerbare Energien."

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