Anzeige
+++20 Mio. € Bewertung Zwei zugelassene Psychedelika-Produkte. NASDAQ-Uplist in Arbeit.+++
ROUNDUP

Interessenausgleich und Transformationsfonds bei Siemens 17.07.2025, 14:18 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Werte zum Artikel
Name Aktuell Diff. Börse
Siemens 252,03 EUR +0,56 % Lang & Schwarz

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Als Siemens im März den Abbau von weltweit rund 6.000 Jobs verkündete, war die Kritik von der Arbeitnehmerseite scharf. Vier Monate später hat sich der Ton geändert: Personalvorständin Judith Wiese, Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn und der zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner, sitzen an einem Tisch in der Konzernzentrale und zeigen Eintracht und Optimismus. Sie haben nicht nur eine Einigung zu verkünden, sondern gleich drei: Eine Transformationsvereinbarung samt millionenschwerem Fonds, eine Einigung für den Teil des Jobabbaus, der Deutschland betrifft und deutliche Tarifverbesserungen für rund 11.000 bisher benachteiligte Mitarbeiter.

"Dass wir hier zu dritt sitzen, um den Weg nach vorne zu erklären, das gab es so noch nie", betont Steinborn. Mit dem Weg nach vorne meint sie vor allem die Transformationsvereinbarung. "Wir wollen die rasanten Veränderungen, denen wir uns gegenübersehen, aktiv gestalten", beschreibt Wiese deren Ziel. Für einen Konzern wie Siemens - mit mehreren Dutzend Betrieben alleine in Deutschland - sei das deutsche Betriebsverfassungsgesetz ein bisschen sperrig. "Wir haben daher gemeinsam nach Lösungen gesucht, wie wir schneller werden, ohne die Mitbestimmung zu unterwandern."

Von einer Stelle zur anderen, statt aus dem Unternehmen

"Wir arbeiten bei Einstellungen und Versetzungen an einer standortübergreifenden Zusammenarbeit der örtlichen Betriebsräte mit der Firmenseite", nennt Steinborn als Beispiel - und Kerner spricht vom Ziel, "Lösungen zu finden, bei denen Menschen das Unternehmen nicht verlassen, sondern von Stelle A auf Stelle B gehen". Dafür müsse man die Menschen qualifizieren, betont der Gewerkschafter. "Das kann ein Vorbild für den Veränderungsprozess in der ganzen deutschen Industrie sein."

Das alles geht nicht umsonst. "Der Vorstand weiß, dass Transformation nicht zum Nulltarif zu haben ist. Es muss in die Mitarbeitenden investiert werden, denn ohne sie klappt es nicht", sagt Steinborn. 50 Millionen Euro lässt sich Siemens den zur Vereinbarung gehörenden Transformationsfonds über die kommenden fünf Jahre kosten, mit dem vor allem Weiterbildung finanziert werden soll - zusätzlich zu den bereits rund 200 Millionen an normalen Ausgaben für Aus- und Weiterbildung. "Ein wichtiges Signal, dass wir in unsere Beschäftigten und ihre Fähigkeiten investieren", nennt Wiese die Summe und die Pläne im Ganzen ein "absolutes Bekenntnis zum Standort Deutschland".

Positivbeispiel Leipzig

Zu Details der Transformationsvereinbarung, die auch Aspekte zur Unternehmenskultur und Diversität enthält, halten sich die drei relativ bedeckt. Es betrifft aber auch die Pläne für den Interessenausgleich zum geplanten Jobabbau, auf den sich Siemens mit dem Gesamtbetriebsrat geeinigt hat. Rund 2.500 Jobs sollen bei der schwächelnden Sparte Digital Industries in Deutschland wegfallen, weitere 250 im Geschäft mit Ladelösungen für E-Autos.

"Wir trennen zwischen den Stellen, die abgebaut werden und den Menschen, die darauf sitzen", sagt Steinborn. An anderen Stellen wie den Sparten Smart Infrastructure und Mobility würden Stellen aufgebaut. "Unser Schwerpunkt ist, Versetzungen zu unterstützen - und das auch durch finanzielle Anreize." Als Positivbeispiel sieht man Leipzig, wo 160 Jobs bei den Ladelösungen wegfallen. Mehr als der Hälfte der betroffenen Mitarbeiter habe man eine alternative Stelle anbieten können, einem Großteil sogar am gleichen Standort.

Belegschaft dürfte im Saldo gleich bleiben

"Der alte Weg, Menschen mit anständigen Konditionen aus dem Unternehmen zu begleiten, war ja auch teuer", betont Kerner. "Da ist das Geld sehr viel besser angelegt, wenn wir schauen, wie können wir die Menschen weiterbilden, sodass sie im Unternehmen bleiben können."

Wie viele Menschen am Ende nur die Stelle wechseln und wie viele die Firma verlassen, wisse man noch nicht, sagt die Gesamtbetriebsratschefin. "Meine Einschätzung ist, dass trotz der aktuellen Stellenabbaumaßnahmen die Größe der Belegschaft im Saldo gleich bleibt. Das haben wir viele Jahre schon - auch wenn es ein enormer Strukturwandel ist." Bei Wiese klingt es ähnlich: "Netto ist unser Personalbestand in Deutschland noch immer stabil bis steigend. Wir sind ein Technologieunternehmen, das wächst und noch schneller wachsen will. Auch in Deutschland. Mit unseren Mitarbeitenden."

Mehr Geld und weniger Arbeit

11.000 dieser Mitarbeiter können sich künftig über mehr Geld für weniger Arbeit freuen. Sie fallen bisher unter die "Tarifvertragliche Sondervereinbarung", die die deutsche Siemens-Belegschaft lange in eine Zwei Klassen-Gesellschaft getrennt hat und vor allem Mitarbeiter in den Siemens-Niederlassungen betraf.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden die Beschäftigten auf das Niveau des Tarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie geführt, wie Kerner sagt. Im Kern gehe es um knapp zwei Stunden Wochenarbeitszeit weniger und mehr Geld. Die schlechtere Behandlung sei nicht mehr vermittelbar gewesen.

Früher habe die Vereinbarung eine Berechtigung gehabt, sagt Wiese. "Heute, 20 Jahre später, mit veränderten Qualifikationsprofilen, hat sie das nicht mehr, und deswegen schneiden wir diesen alten Zopf ab. Und nehmen dafür auch Geld in die Hand."/ruc/DP/mis

Kommentare (0) ... diskutiere mit.
Werbung

Handeln Sie Aktien bei SMARTBROKER+ für 0 Euro!* Profitieren Sie von kostenloser Depotführung, Zugriff auf 29 deutsche und internationale Börsenplätze und unschlagbar günstigen Konditionen – alles in einer innovativen, brandneuen App. Jetzt zu SMARTBROKER+ wechseln und durchstarten!

*Ab 500 EUR Ordervolumen über gettex. Zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen.

k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
Werbung
Weiter aufwärts?
Kurzfristig positionieren
Ask: 1,36
Hebel: 18
mit starkem Hebel
Ask: 4,25
Hebel: 5
mit kleinem Hebel
Smartbroker
UBS
Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie hier: UQ8J1A UJ8N3X. Beachten Sie auch die weiteren Hinweise zu dieser Werbung. Der Emittent ist berechtigt, Wertpapiere mit open end-Laufzeit zu kündigen.
News-Kommentare
Thema
1 Vance: Sturz der Führung in Teheran ist Sache des Volkes Hauptdiskussion
2 Sorgen um PCK-Raffinerie: Bund will US-Sanktionen verhindern Hauptdiskussion
3 Viele Verbraucher können Phishing-Mails nicht sicher erkennen Hauptdiskussion
4 ROUNDUP 2: 5,8 Prozent mehr Geld für Beschäftigte der Länder Hauptdiskussion
5 VW-Betriebsrat fordert Anerkennungsprämie für Mitarbeiter Hauptdiskussion
6 Merz trifft Trump-Gegner Newsom in München Hauptdiskussion
Alle Diskussionen
Schreib den ersten Kommentar!

Dis­clai­mer: Die hier an­ge­bo­te­nen Bei­trä­ge die­nen aus­schließ­lich der In­for­ma­t­ion und stel­len kei­ne Kauf- bzw. Ver­kaufs­em­pfeh­lung­en dar. Sie sind we­der ex­pli­zit noch im­pli­zit als Zu­sich­er­ung ei­ner be­stim­mt­en Kurs­ent­wick­lung der ge­nan­nt­en Fi­nanz­in­stru­men­te oder als Handl­ungs­auf­for­der­ung zu ver­steh­en. Der Er­werb von Wert­pa­pier­en birgt Ri­si­ken, die zum To­tal­ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals füh­ren kön­nen. Die In­for­ma­tion­en er­setz­en kei­ne, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dür­fnis­se aus­ge­rich­te­te, fach­kun­di­ge An­la­ge­be­ra­tung. Ei­ne Haf­tung oder Ga­ran­tie für die Ak­tu­ali­tät, Rich­tig­keit, An­ge­mes­sen­heit und Vol­lständ­ig­keit der zur Ver­fü­gung ge­stel­lt­en In­for­ma­tion­en so­wie für Ver­mö­gens­schä­den wird we­der aus­drück­lich noch stil­lschwei­gend über­nom­men. Die Mar­kets In­side Me­dia GmbH hat auf die ver­öf­fent­lich­ten In­hal­te kei­ner­lei Ein­fluss und vor Ver­öf­fent­lich­ung der Bei­trä­ge kei­ne Ken­nt­nis über In­halt und Ge­gen­stand die­ser. Die Ver­öf­fent­lich­ung der na­ment­lich ge­kenn­zeich­net­en Bei­trä­ge er­folgt ei­gen­ver­ant­wort­lich durch Au­tor­en wie z.B. Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­richt­en­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men. In­fol­ge­des­sen kön­nen die In­hal­te der Bei­trä­ge auch nicht von An­la­ge­in­te­res­sen der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und/oder sei­nen Mit­ar­bei­tern oder Or­ga­nen be­stim­mt sein. Die Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­rich­ten­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men ge­hör­en nicht der Re­dak­tion der Mar­kets In­side Me­dia GmbH an. Ihre Mei­nung­en spie­geln nicht not­wen­di­ger­wei­se die Mei­nung­en und Auf­fas­sung­en der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und de­ren Mit­ar­bei­ter wie­der. Aus­führ­lich­er Dis­clai­mer