ROUNDUP/Merz

'Tag der Hoffnung' für Ukraine und Golfregion 16.06.2026, 20:01 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Die USA und führende europäische Staaten wollen den Druck auf Russland weiter erhöhen, um ein Ende des Ukraine-Kriegs zu erzwingen. Beim G7-Gipfel im französischen Évian stimmten nach Angaben von Kanzler Friedrich Merz (CDU) die Staats- und Regierungschefs - inklusive US-Präsident Donald Trump - überein, dass sich die Lage der Ukraine deutlich verbessert hat. "Das kann vielleicht erstmals eine Chance auf einen Frieden eröffnen", sagte er.

Um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen, solle nun die Unterstützung für Kiew weiter verstärkt und gleichzeitig der Druck auf Moskau erhöht werden. Zum Auftreten von Trump sagte Merz, er habe diesen "sehr kooperativ gesehen". Deswegen sei er zu einem gewissen Grad optimistisch, dass Europäer und Amerikaner nun zusammen alles unternehmen, um den Krieg zu beenden. Der Kanzler sprach von einem "Tag der Hoffnung".

Trump: "Russland sollte sich auf einen Deal einlassen"

Trump selbst forderte Russland auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Russland sollte sich auf einen Deal einlassen." Der 80-Jährige stellte gleichzeitig eine Rückkehr zu Öl-Sanktionen gegen Russland in Aussicht, die derzeit auf Eis liegen. Bald werde man in der Lage sein, das zu tun, sagte er vor Journalisten, ohne sich auf einen Zeitpunkt festzulegen. In der deutschen Delegation wurde das als neue Tonlage Trumps wahrgenommen, der lange Zeit dafür kritisiert wurde, Kremlchef Wladimir Putin zu schonen.

Neben Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nahmen an den Beratungen Merz, die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan sowie die EU-Spitzen teil.

"Die Dynamik hat sich geändert, die Ukraine ist in einer Situation der Stärke. Russland kann den Krieg nicht gewinnen, und Russland steht unter Druck", hieß es aus der Kanzler-Delegation weiter. "Insofern haben wir eine Änderung in der Tonalität festgestellt."

Starmer und von der Leyen sehen Ukraine im Aufwind

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der britische Premier Keir Starmer zeigten sich nach den Beratungen optimistisch, dass in die Bemühungen um ein Ende des Krieges neue Bewegung kommt. "Das Blatt wendet sich für die Ukraine", erklärte von der Leyen. Während die Ukraine mutig die Front halte, zeige sich Russlands Erschöpfung offen. Die Lage im Jahr 2026 unterscheide sich stark von der im Jahr 2025.

"Es gab einen wirklichen Konsens im Raum bei den G7 darüber, dass die Sanktionen echt Wirkung zeigen angesichts der Tatsache, dass die Ukraine Erfolge hat und Gebiete zurückerobert", sagte Starmer.

Großbritannien und Kanada verhängen neue Russland-Sanktionen

Großbritannien und Kanada kündigten unter anderem Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte und Rüstungsindustrie an. Kanadas Premier Mark Carney zufolge sollen 162 Personen, Unternehmen und Schiffe neu auf die Sanktionsliste kommen. Großbritannien verhängt 70 neue Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte, Lieferketten im Rüstungsbereich und illegale Finanznetzwerke zur Umgehung bisheriger Sanktionen. Dabei soll die Beschaffung westlicher Technologie für das russische Militär unterbunden werden.

Europäer wollen an den Verhandlungstisch

Die USA sind bisher alleiniger Vermittler zwischen der Ukraine und Russland. Die Bemühungen Trumps und seiner Regierung um ein Ende des Krieges brachten bislang allerdings keine greifbaren Ergebnisse und waren während des Krieges gegen den Iran nahezu zum Erliegen gekommen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen sie nun wieder in Schwung bringen. Im Fall neuer Verhandlungen wollen die Europäer mit am Tisch sitzen.

Gesprächsangebot an Putin?

Erwogen wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, Putin ein neues Gesprächsangebot zu machen. Theoretisch könnten etwa am Rande der nächsten UN-Generalversammlung Verhandlungen organisiert werden, hieß es von G7-Teilnehmern.

Selenskyj dankte bei einem Treffen mit Merz für die deutsche und europäische Unterstützung bei der Verteidigung des Landes. Vor allem sei es bei dem guten Treffen um die weitere Verstärkung der ukrainischen Flugabwehr gegangen. Details nannte Selenskyj nicht.

Nach Informationen der dpa berieten die G7-Teilnehmer auch über eine gemeinsame Erklärung zum Ukraine-Krieg.

Ukraine setzt weiter Drohnen gegen Russland ein

Unterdessen setzte die Ukraine ihre Gegenangriffe auf Russland fort. In der Hauptstadt Moskau schoss Russlands Flugabwehr nach Darstellung von Bürgermeister Sergej Sobjanin etwa 60 ukrainische Drohnen ab. Eine Drohne habe ein Objekt auf dem Gelände einer Moskauer Ölraffinerie getroffen, teilte er mit.

Selenskyj lobte Kiews Geheimdienste für "ihre effektive Arbeit"; die Raffinerie auf Moskauer Stadtgebiet liege 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. "Russland muss gezwungen werden, den Krieg gegen unser Volk zu beenden", sagte er.

Auch Lage im Nahen Osten G7-Thema

Auch die Lage im Nahen Osten beschäftigte die Gipfelrunde. Damit das Rahmenabkommen für ein Ende des Krieges der USA gegen den Iran nicht in Gefahr gerate, forderte Trump, dass Israel beim Krieg gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon verantwortungsvoller handeln müsse. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu "muss mehr Verantwortung zeigen mit Blick auf den Libanon", sagte Trump bei einem Treffen mit Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani am Rande des Gipfels. "Ich bin nicht glücklich damit, wie Israel sich mit dem Libanon und der Hisbollah verhalten hat."

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