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Kakaopreis sinkt - Wird Schokolade jetzt wieder billiger? 07.11.2025, 04:36 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Der Kakaopreis an den Rohstoffbörsen ist im vergangenen Jahr auf Rekordniveau gestiegen. Schokolade wurde deutlich teurer. Seit einigen Monaten fallen die Rohkakaopreise wieder. Können Schokoladenfans auf niedrigere Preise hoffen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum schwanken die Preise so stark?

Im Frühjahr 2023 lag der von der internationalen Kakaoorganisation (ICCO) ermittelte Tagespreis für Rohkakao bei deutlich unter 3.000 Euro pro Tonne. Anschließend kletterte er - auf zwischenzeitlich deutlich über 10.000 Euro. 

Laut Finn Ole Semrau vom Kiel Institut für Weltwirtschaft geht der Anstieg zurück auf erwartete Ernteausfällen in Westafrika durch Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. «Während die Preise vor Ort moderat stiegen, kam es zu Spekulationen an den Terminbörsen.» Diese trieben die Preise der Termingeschäfte auf ein Rekordniveau. Die Folgen waren für Verbraucher spürbar. Milka-Hersteller Mondelez etwa erhöhte Anfang des Jahres nicht nur die Preise, sondern verkleinerte auch die Tafeln von 100 auf 90 Gramm. 

Im Laufe dieses Jahres fiel der Kakaopreis wieder, Mitte Oktober rutschte er auf unter 5000 Euro - und damit etwa auf das Niveau von Anfang 2024. Der Rückgang sei eine Korrektur nach der Überhitzung, sagt Semrau. Er warnt: Die Lage bleibe angespannt. Rohstoffanalyst Oran van Dort von der Rabobank erklärt den Rückgang mit einem erwarteten Überschuss in der aktuellen Erntesaison, die am 1. Oktober begonnen hat. Zudem hätten die hohen Preise die Nachfrage nach Schokolade gesenkt.

Laut dem Marktforschungsunternehmen YouGov kauften die Verbraucher hierzulande im August rund 20 Prozent weniger Tafeln. Der Schokoladenhersteller Gubor kündigte kürzlich an, sein Werk in Cadolzburg zu schließen - wegen mangelnder Auslastung.

Sinken die Preise für Kunden in Deutschland?

Eher nicht. Es sei nicht zu erwarten, dass die Preise nachgeben, sagt eine Sprecherin von Ritter Sport. Von Mondelez hieß es: «Wir sind uns des wirtschaftlichen Drucks bewusst, dem Konsumenten weiterhin ausgesetzt sind und versuchen, Kosten so weit wie möglich aufzufangen.» 

Die Unternehmen verweisen auf hohe Kosten für Personal, Energie und Transport. Der Kakaopreis sei gefallen, aber weiterhin hoch. Es werde noch einige Zeit dauern, bis der Effekt spürbar sei, sagt eine Sprecherin von Lindt & Sprüngli. Derzeit sei es nicht möglich, die Preise nach unten anzupassen. Barry Callebaut, einer der größten Schokoladenhersteller der Welt, rechnet mit einer deutlichen Entspannung bis Ende 2026. Das Schweizer Unternehmen erwartet niedrigere Kakaopreise als noch vor sechs Monaten, wie aus der Präsentation der Jahresergebnisse in dieser Woche hervorgeht.

Der Experte Semrau glaubt nicht an eine schnelle Entlastung. Preisrückgänge bei Rohstoffen würden in der Praxis nicht automatisch oder vollständig weitergereicht. Rabobank-Analyst Oran van Dort prognostiziert einen langsamen Preisrückgang in den nächsten zwei Jahren, aber nicht auf das alte Niveau.

Normalerweise gäben die Händler sinkende Kosten weiter, sagt Philipp Hennerkes, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie hält fest, die Endverbraucherpreise lege der Lebensmitteleinzelhandel fest, nicht die Hersteller. Hennerkes erwidert: «Der Handel würfelt die Preise nicht.» Wenn Rohstoffe günstiger werden, gehe man davon aus, dass dies in den Preisverhandlungen berücksichtigt werde.

Wie geht es weiter?

Kakao bleibe wetteranfällig und sei einer der schwankungsanfälligsten Märkte überhaupt, sagen die Experten. Langfristig ist deshalb wohl nicht mit einer stabilen oder dauerhaft niedrigen Preisentwicklung zu rechnen. Strukturelle Probleme wie geringe Produktivität, fehlende Investitionsanreize und klimatische Risiken bestehen laut Semrau weiterhin. 

Experte van Dort hält dennoch eine mögliche Überproduktion in den kommenden Jahren für denkbar: «Viele Regionen haben auf die hohen Preise mit Überpflanzungen reagiert.» Das könnte die Preise drücken.

Rund 70 Prozent der weltweiten Kakaoernte stammen von Kleinbauern in Westafrika, vor allem aus Ghana und der Elfenbeinküste. Die hohe Marktkonzentration macht den Markt anfällig für Schocks. Laut van Dort ist die Produktion in anderen Ländern – insbesondere in Ecuador, Brasilien, Peru, Nigeria und Kamerun – zuletzt allerdings stark gewachsen. Der Trend dürfte sich fortsetzen.

Wie wichtig ist der Börsenpreis?

In Ghana und der Elfenbeinküste legen staatliche Stellen vor der Ernte den Abnahmepreis für Rohkakao fest. Auf dieser Basis werden Termingeschäfte an den Börsen in London und New York abgeschlossen. Der Börsenpreis bildet eine Grundlage für den weltweiten Kakaopreis. Nur ein Teil der weltweiten Bestände wird direkt an der Börse gehandelt. Preisänderungen wirken sich für Verbraucher meistens deutlich verzögert aus. 

Wie teuer sind Schokoladenprodukte vor Weihnachten?

Viele der beliebten Leckereien sind deutlich teurer geworden, wie eine Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle für die Deutsche Presse-Agentur zeigt. Schoko-Weihnachtsmänner kosten je nach Marke und Größe bis zu 25 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, in manchen Fällen sogar 67 Prozent mehr. Der Preis für eine 250-Gramm-Packung Dominosteine liegt rund 25 Prozent höher als im Vorjahr. Für 300 Gramm Lebkuchenherzen zahlen Verbraucher bis zu 60 Prozent mehr. 

Sinkende Kakaopreise wirkten sich derzeit kaum auf die Abgabepreise aus, sagt ein Sprecher des Süßwarenherstellers Lambertz. Das Unternehmen startet bereits im Juni mit der Produktion von Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen, Printen und Dominosteinen. Dafür deckt sich Lambertz bereits zu Beginn des Jahres mit den nötigen Rohstoffen ein. 

Welche Bedeutung hat Schokolade in Deutschland?

Eine große. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland pro Kopf im Schnitt 9,5 Kilo Schokolade verzehrt. Am beliebtesten ist laut einer YouGov-Umfrage Vollmilchschokolade, gefolgt von Zartbitter- und weißer Schokolade. Eine Tafel kostete laut Statistischem Bundesamt im September im Schnitt 75 Prozent mehr als 2020. Insgesamt haben sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke seitdem «nur» um etwa 37 Prozent verteuert.

© dpa-infocom, dpa:251107-930-261092/1

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