Ökonom erwartet weiter hohe Spritpreise 11.04.2026, 11:46 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Nach der Waffenruhe im Iran-Krieg erwartet der Ökonom Carsten Brzeski kurzfristig etwas Entlastung an den Tankstellen, warnt jedoch vor anhaltend hohen Preisen und neuen Risiken. «Die Tankpreise gehen leicht zurück. Aber eben auch deshalb, weil wir zu Beginn der Woche durch die Eskalation extrem hohe Preise gesehen haben», sagte der Chefvolkswirt bei der Bank ING im Interview mit dem Nachrichtenportal «t-online». 

Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau sei nicht in Sicht. «Wir landen aber nicht bei den Spritpreisen vor dem Iran-Krieg. Dafür ist die Waffenruhe viel zu brüchig. Es gibt nach wie vor ein viel zu hohes Risiko weiterer Eskalationen.» Zudem bleibe die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus eingeschränkt. 

«Tankpreise könnten dauerhaft hoch bleiben» 

In einem Basisszenario, also der angenommenen wahrscheinlichsten Entwicklung, rechnet Brzeski mit weiter erhöhten Energiepreisen. «In unserem Basisszenario, das fast schon ein mildes Szenario ist, gehen wir davon aus, dass es noch einmal zu einer Eskalation kommen wird.» Erst danach sei mit einer schrittweisen Stabilisierung zu rechnen. «Damit würde über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen die Straße von Hormus langsam wieder aufgehen», sagte er. Eine vollständige Normalisierung werde jedoch erst im vierten Quartal erwartet. 

Zum Jahresende könnte der Ölpreis bei «knapp unter 90 Dollar pro Barrel Dated Brent» liegen. «Tankpreise könnten dauerhaft hoch bleiben, wenn auch niedriger als in den vergangenen Tagen.» 

Neue Inflationswelle

Für Deutschland und Europa prognostiziert der Ökonom zugleich eine neue Inflationswelle. Diese werde «im Sommer in der Spitze auf knapp vier Prozent steigen» und sich «bis ins erste Quartal 2027 hineinziehen». Das Wirtschaftswachstum in Deutschland sieht er bei «ungefähr bei 0,6 oder 0,7 Prozent». 

Im ungünstigsten Fall droht laut Brzeski wieder eine Eskalation mit erheblichen Folgen: «Im Worst-Case-Szenario scheitern die Friedensbemühungen und es kommt erneut zu einer Eskalation.» Dann könnten die Ölpreise stark steigen und die Inflation auf «sechs bis acht Prozent» klettern. «Wir würden über eine leichte Rezession sprechen», so Brzeski. «Die deutsche Konjunktur wäre für das Gesamtjahr im Minus.»

© dpa-infocom, dpa:260411-930-931588/1

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