Teure Autoreparaturen - Allianz macht Druck 18.07.2026, 03:31 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Angesichts der Kostenexplosion bei Autoersatzteilen startet die Allianz einen neuen Anlauf für günstigere Reparaturen und die Verwendung gebrauchter Ersatzteile. Die Forderungen richten sich dabei gleichermaßen an die Bundesregierung wie an die Autohersteller: Die Industrie soll dafür sorgen, dass ihre Teile auch repariert werden können, und die Politik die Vorschriften vereinfachen, so dass mehr Reparaturen erlaubt sind. 

Als Beispiel nennt Allianz-Manager Frank Sommerfeld Scheinwerfer, die beim Einparken und sonstigen Bagatellunfällen häufig beschädigt werden: «Bei jedem kleinen Schaden wird der weggeschmissen und durch einen neuen ersetzt», sagt der Chef der Allianz Versicherungs-AG, unter deren Dach die Autoversicherung in Deutschland angesiedelt ist.  

Versicherungen klagen über Autohersteller 

Der Anlass: Nach Allianz-Schätzung werden in Deutschland alljährlich etwa 870.000 Scheinwerfer ausgetauscht. Je nach Marke und Modell kann ein einzelner Scheinwerfer mittlerweile viele tausend Euro kosten. Der Durchschnittspreis ist nach Berechnung des Versicherers von 708 Euro im Jahr 2015 auf 1.251 Euro im vergangenen Jahr gestiegen. 

... und die Vorschriften

Manche Teile müssen zudem wegen behördlicher Sicherheitsvorschriften bei Beschädigung gegen neue ausgetauscht werden. Als Beispiel nennt die Allianz die - in der Regel aus Kunststoff bestehenden - Klarglas-Scheiben der Scheinwerfer. Bei leichten Kratzern oder Steinschlägen sei die Reparatur in einer Fachwerkstatt technisch möglich, aber in Deutschland nicht erlaubt, sagte Christian Sahr, der Leiter des Allianz Zentrums für Technik, bei einem Pressetermin in Unterföhring. Laut Allianz sind in Frankreich und anderen europäischen Ländern Reparaturen in solchen Fällen möglich.

Teure Reparaturen machen auch die Autoversicherung teurer 

Die Versicherungsbranche insgesamt kritisiert seit Jahren die Preiserhöhungen der Autohersteller bei Ersatzteilen. Nach Berechnungen des Gesamtverbands der Versicherer waren Kofferraumklappen im vergangenen Jahr mehr als doppelt so teuer wie zehn Jahre zuvor, Kotflügel kosteten über 80 Prozent mehr, und Frontscheiben waren um die Hälfte teurer als 2015. In der Folge haben auch die Autoversicherer ihre Preise stark erhöht. 

Ein weiteres Argument sind die CO2-Emissionen, die sich laut Allianz bei Verwendung gebrauchter Teile oder Reparatur anstelle von Austausch durch ein Neuteil drastisch reduzieren lassen.

© dpa-infocom, dpa:260718-930-403035/1

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