Porsche Automobil Holding Crash: Das ist der Grund! 07.10.2022, 08:59 Uhr von Aktienwelt360

Werte zum Artikel
Name Aktuell Diff. Börse
Porsche AG 41,35 EUR -1,04 % L&S Exchange
Porsche Holding SE 31,57 EUR -1,42 % Lang & Schwarz

Der lang ersehnte Börsengang des Sportwagenherstellers Porsche AG (WKN: PAG911) war für die Aktionäre der Porsche Automobil Holding (WKN: PAH003) ein schwarzer Tag. Denn einen Kurssturz um über 15 % hatte wohl kein Analyst oder Aktionär auf dem Zettel.

Retrospektiv betrachtet ist mir jedoch klar, weshalb die Aktie der Porsche Automobil Holding (PAH) abgestürzt ist. Diese Erkenntnis ist unglaublich wertvoll. Denn sie entscheidet darüber, ob ich meine PAH-Aktien halten oder verkaufen werde.

Risiko durch Porsche-Anteilserwerb

Wer das Porsche-IPO mitverfolgt hat, weiß, dass die PAH 25 % der Stammaktien der Porsche AG erworben hat bzw. in den nächsten Wochen erwerben wird. Da das Kapital der Porsche AG zur Hälfte in Vorzugs- und Stammaktien geteilt wurde, ergibt sich dadurch eine Beteiligung von 12,5 % an der Porsche AG.

Dafür muss die PAH jedoch tief in die Tasche greifen. Denn der Kaufpreis je Stammaktie beträgt 88,69 Euro (82,50 Euro + 7,5 % Aufschlag). Wenngleich ich diesen Kaufpreis für die PAH als äußerst vorteilhaft erachte, muss die PAH den Kaufpreis von 10,1 Mrd. Euro erst einmal stemmen.

Zum Teil erfolgt dies durch die von Volkswagen ausgeschüttete Sonderdividende. Da die PAH zu 31,9 % am Grundkapital von Volkswagen beteiligt ist, kann man annehmen, dass die PAH ca. 3 Mrd. Euro der Sonderdividende vereinnahmen wird. Somit verbleibt eine Lücke von ca. 7 Mrd. Euro, die die PAH nun voraussichtlich mittels Fremdkapital finanzieren muss.

Steigende Zinsen als Risiko?

Angenommen, die PAH finanziert diesen Betrag fremd und muss dafür 5 % Zinsen pro Jahr an die Geldgeber abführen, belaufen sich die jährlichen Zinszahlungen auf knapp 350 Mio. Euro. Der jüngste Dividendenvorschlag der Porsche AG sieht jedoch lediglich eine jährliche Ausschüttung von 911 Mio. Euro vor. Da die PAH lediglich 12,5 % der Anteile besitzt, würde dem Unternehmen lediglich ca. 114 Mio. Euro jährlich an Dividenden zufließen.

Somit kann man mit der Dividende der Porsche AG Beteiligung nicht einmal die Zinsen des Darlehens zahlen. Klingt jedoch schlimmer als es ist, denn einerseits könnte die Porsche AG durch die jährlichen Gewinne die Dividende drastisch erhöhen. Andererseits kann die PAH die Darlehenszinsen sowie Tilgung auch durch die Volkswagen-Dividenden zahlen. Denn der PAH flossen im Jahr 2022 ca. 1,18 Mrd. Euro an Dividenden zu.

Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch wieder, dass die Dividendenausschüttung der PAH-Aktie in den nächsten Jahren stagnieren oder sogar sinken könnte. Für viele Investoren ist dies ein No-Go.

Viele Möglichkeiten, keine klare Vision!

Um die ca. 7 Mrd. Euro Fremdkapital abzubezahlen, könnte die PAH jedoch auch Volkswagen-Aktien veräußern. Das PAH-Management macht keinen Hehl daraus, dass das Unternehmen die kurzfristig gehaltenen Volkswagen-Vorzugsaktien im Wert von 400 Mio. Euro veräußern wird.

Doch theoretisch wäre dies auch bei den Stammaktien vorstellbar. Da Volkswagen aktuell 53,3 % der Stammaktien hält, könnte man die Beteiligung locker auf 50,3 % herunterschrauben ohne die Kontrolle zu verlieren. Denn der dadurch entstehende Veräußerungserlös in Höhe von 1,5 Mrd. Euro würde das benötigte Fremdkapital drastisch reduzieren.

Etwaige Verkäufe von Volkswagen-Aktien belasten jedoch den Volkswagen-Aktienkurs. Diese Belastung spürt in weiterer Folge jedoch auch wieder die PAH-Aktie, da der Wert des Portfolios sinkt. Somit ergibt sich ein Teufelskreis.

Wie man sieht, ist die Situation äußerst komplex, jedoch nicht aussichtslos. Denn das Management hat viele Möglichkeiten wie das Fremdkapital abbezahlt werden kann. Da sich das PAH-Management aktuell bedeckt hält, preist der Kapitalmarkt sowohl das Risiko hoher Zinszahlungen sowie möglicher Beteiligungsverkäufe ein. Ein Szenario, das aus meiner Sicht nicht eintreten dürfte. Daher wünsche ich mir eine klare Vision des Managements, wie es nun weitergeht.

Denn sollte das Beteiligungsunternehmen die Schuldenlast merklich reduzieren können, besteht für die PAH-Aktie aus meiner Sicht Verdoppelungspotenzial. Daher werde ich langfristig an meinem Investment festhalten.

Der Artikel Porsche Automobil Holding Crash: Das ist der Grund! ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Michael besitzt Aktien von der Porsche Automobil Holding und Volkswagen. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Porsche Automobil Holding und Volkswagen AG. 

Motley Fool Deutschland 2022

Autor: Michael Grünauer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst (TMFmgreen)


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