Totalverlust oder Mega-Chance? Mein Blick auf die Stellantis-Zahlen 04.03.2026, 07:30 Uhr von Aktienwelt360

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Stellantis 6,884 EUR -0,41 % Lang & Schwarz

Wenn eine Aktie an einem einzigen Freitag um 24 % einknickt, greift der durchschnittliche Anleger instinktiv zum Defibrillator – doch oft ist der Schock genau die Medizin, die ein langfristiges Depot zur Genesung benötigt. Wer die nackten Schlagzeilen liest, sieht bei Stellantis (WKN: A2QL01) nur rauchende Trümmer. Ein operativer Gewinn, der von 24,3 Mrd. Euro (2022/23) auf fast null im Jahr 2025 zusammengeschmolzen ist, wirkt wie ein Totalschaden. Doch ich sehe in diesem Kurssturz kein Ende, sondern einen radikalen Reset, der die Erwartung auf den Nullpunkt gedrückt hat.

Die Trümmer von gestern sind das Fundament von morgen

Manchmal ist der Aktienmarkt wie eine schlecht geführte Großküche, in der der neue Chefkoch erst einmal alle verdorbenen Vorräte wegwerfen muss, bevor er das erste genießbare Gericht serviert. Genau das hat der neue CEO Antonio Filosa am 6. Februar 2026 getan. Mit einer Abschreibung von 22 Mrd. Euro auf Elektro-Anlagewerte und Garantiepositionen hat er den Konzern kernsaniert. Das Ergebnis ist ein historischer Nettoverlust von 22,3 Mrd. Euro für das Jahr 2025.

Mir erscheint dieses Vorgehen als klassisches „Kitchen-Sinking“. Filosa, ein Veteran des Hauses, räumt die Altlasten seines Vorgängers Carlos Tavares radikal aus dem Weg. Tavares war zwar einst der gefeierte Architekt der Fusion von PSA und Fiat Chrysler, verlor sich zuletzt aber in einer gefährlichen Fixierung auf kurzfristige Kostensenkungen. Die Quittung war eine frustrierte Händlerschaft und eine Qualität, die den Kunden Bauchschmerzen bereitete.

14 Marken und eine Rückkehr zu den Wurzeln

Stellantis ist kein windiges Startup, sondern ein Gigant mit 14 Marken, der das Fundament der automobilen Welt in Europa und Nordamerika mitgestaltet. Von Jeep und Ram über Peugeot bis zu Maserati reicht das Portfolio, das 2025 immerhin fast 5,5 Millionen Fahrzeuge auslieferte. Nordamerika ist dabei mit 40 % des Umsatzes der wichtigste Ertragsbringer, dicht gefolgt von Europa. Hier entscheidet sich, ob der Konzern wieder in die Spur findet oder im Graben landet.

Ich betrachte den Strategiewechsel unter Filosa als die einzig richtige Entscheidung für den langfristigen Werterhalt. Er beendet das Experiment, die Produktion massiv in Billiglohnländer zu verlagern, und investiert stattdessen 13 Mrd. Dollar direkt in den USA. Das erinnert mich an die Ära von Lee Iacocca, der Chrysler einst mit dem Mantra „Product comes first“ rettete. Fünf neue Fahrzeuglaunches in Nordamerika sollen den Marktanteil, der zuletzt bei 7,9 % lag, wieder nach oben schrauben.

Der Burggraben aus Stahl und Schlamm

Der entscheidende Wettbewerbsvorteil, der eigentliche Burggraben von Stellantis, liegt tief in der DNA der Marken Jeep und Ram vergraben. Ein Ram 1500 oder ein Jeep spielen in einer Liga, in der die emotionale Markenbindung den Schutz vor der Konkurrenz ausmacht. Diese Fahrzeuge sind keine austauschbaren Fortbewegungsmittel, sondern Lifestyle-Investitionen für eine treue US-Kundschaft. Im vierten Quartal 2025 stieg der Absatz des Jeep Gladiator bereits um beeindruckende 93 %.

Diese Stärke im Segment der schweren Pickups und SUVs ist ein Schutzschild, den man nicht unterschätzen darf. Während die Konkurrenz bei kleinen Elektroautos um jeden Cent Marge kämpft, verdient Stellantis sein Geld mit dem Hemi V8 und dem neuen Jeep Cherokee Turbo Hybrid. Der Schatz liegt hier in den riesigen Datensätzen und der Markenloyalität, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden. Sie sind in diesem speziellen Segment einzigartig.

Wenn der Zollhammer das Getriebe blockiert

Demgegenüber stehen jedoch Risiken, die ich keinesfalls verschweigen möchte, wenngleich sie im aktuellen Kurs bereits tief eingepreist scheinen. Das größte Schreckgespenst sind die US-Importzölle der Trump-Administration. Da Stellantis 2024 noch über 40 % seiner in den USA verkauften Autos importierte, könnten 25 % Zoll die Gewinne theoretisch um bis zu 75 % drücken. Das ist eine handfeste Bedrohung für die Profitabilität.

Zusätzlich drückt die chinesische Konkurrenz auf die europäische Stimmung. BYD hat seinen Marktanteil in Europa 2025 auf 1,4 % fast vervierfacht und plant, bis 2026 seine Showrooms auf 2.000 Standorte zu verdoppeln. Stellantis muss hier beweisen, dass die Marken Peugeot und Fiat gegen die hocheffizienten Chinesen bestehen können. Es fällt mir schwer, vorzustellen, dass dieser Kampf ohne weitere Margenopfer gewonnen werden kann.

Die nackten Zahlen der Hoffnung

Trotz dieser Gewitterwolken spricht die Bewertung eine Sprache, die für mutige Anleger fast schon verführerisch klingt. Stellantis wird aktuell mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von nur 0,15 gehandelt. Zum Vergleich: Ford liegt bei 0,3 und GM bei 0,4. Historisch gesehen handelte Stellantis bei 85 % der Bewertung seiner US-Rivalen – heute sind es nur noch 44 %. Das ist die niedrigste Ratio der letzten fünf Jahre.

Sollte sich die Bewertung nur auf die Hälfte des historischen Abstands erholen, stünde die Aktie bei 14 Dollar. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von fast 100 %. Das Jahr 2026 wurde von Filosa explizit als „Jahr der Umsetzung“ ausgerufen, und die industrielle Liquiditätsreserve von 46 Mrd. Euro gibt ihm den nötigen Treibstoff dafür.

Mein Fazit

Wer bei einer gestrichenen Dividende und einem 22-Milliarden-Verlust reflexartig verkauft, handelt konsequent – aber möglicherweise nicht klug. Ich sehe in Stellantis eine klassische Turnaround-Wette, bei der das Schlimmste bereits auf dem Tisch liegt. Die Aktie spielt derzeit nicht in einer Fantasieliga, sondern überzeugt durch eine fast schon absurd niedrige Bewertung auf Basis der Umsätze.

Das Risiko durch Zölle und China ist real, doch der Burggraben der US-Kernmarken ist tief genug, um die Zeit der Transformation zu überstehen. Am 21. Mai 2026, dem Investor Day in Auburn Hills, wird Filosa seine gesamte Roadmap offenlegen. Für mich ist Stellantis derzeit ein klassisches Buy-the-Dip-Szenario für Anleger mit starken Nerven.

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