Starke US-Jobdaten beleben die Zinsangst, Öl schießt nach oben und Europa schwächelt. Gold hält sich über 4.400,- USD – jetzt entscheidet die Inflation über den nächsten Fed-Schritt.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
an den Börsen gilt wieder die alte paradoxe Regel: Gute Konjunkturnachrichten können schlechte Börsennachrichten sein. Genau das zeigte vergangene Woche der amerikanische Arbeitsmarkt. Während steigende Ölpreise und Anleiherenditen Europas Märkte belasteten, hielt sich Wall Street dank robuster und Technologiewerte vergleichsweise gut.
Quelle: Onvista.de
Im Mittelpunkt stand jedoch die Frage nach dem nächsten Zinsschritt der Federal Reserve.
Öl bringt die Inflationsgefahr zurück!
Der Konflikt zwischen den USA und Iran bleibt der wichtigste externe Belastungsfaktor. Neue militärische Auseinandersetzungen und Sorgen um die Straße von Hormus ließen die Risikoprämie am Ölmarkt deutlich steigen.
Brent kletterte zeitweise über 95,- USD je Barrel und legte auf Wochensicht kräftig zu. Höhere Energiepreise verteuern Transport und Produktion und könnten damit den Inflationsrückgang bremsen. Genau das erhöht den Druck auf Fed und EZB. Für Energie- und Rohstoffunternehmen verbessert ein höheres Preisniveau dagegen grundsätzlich die Ertragsaussichten.
Starke Jobs – neue Zinssorgen!
Noch am Donnerstag hatte Fed-Gouverneur Christopher Waller Hoffnungen auf unveränderte Zinsen gestärkt. Dann kam der Arbeitsmarktbericht. Die US-Wirtschaft schuf im August 162.000 neue Arbeitsplätze – fast dreimal so viele wie erwartet. Gleichzeitig wurden die beiden Vormonate nach oben revidiert, während die Arbeitslosenquote bei 4,1 % blieb.
Die Reaktion war eindeutig: Anleiherenditen und Dollar stiegen, und die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September nahm wieder deutlich zu. Damit ist das alte Börsenparadoxon zurück: Ein robuster Arbeitsmarkt ist gut für die Wirtschaft – aber schlecht für die Hoffnung auf niedrigere Zinsen. Entschieden ist dennoch nichts. Da der Arbeitsmarkt stabil bleibt, rückt nun die Inflation noch stärker ins Zentrum.
Gold bleibt bemerkenswert robust!
Gold erlebte eine wechselhafte Woche. Nach Kursen oberhalb von 4.500,- USD drückten die starken Arbeitsmarktdaten das Edelmetall wieder auf rund 4.400,- USD je Unze. Der Mechanismus ist klar: Höhere Zinserwartungen treiben Dollar und Anleiherenditen und erhöhen damit die Opportunitätskosten des unverzinsten Goldes.
Quelle: MinderDeck auf X
Trotzdem bleibt die Stärke bemerkenswert. Gold hält sich weiterhin deutlich über 4.000,- USD, obwohl der Markt erneut über Zinserhöhungen diskutiert. Geopolitische Risiken, hohe Staatsverschuldung und Zentralbanknachfrage bleiben wichtige Stützen. Sollten die kommenden Inflationsdaten schwächer ausfallen, könnten Dollar und Renditen schnell nachgeben – ein positives Szenario für Gold und Silber.
Kupfer legt eine Pause ein!
Kupfer legte nach den starken Wochen zuvor eine Verschnaufpause ein. Die langfristige Story bleibt dennoch intakt. Elektrifizierung, Stromnetze, Rechenzentren und KI-Infrastruktur benötigen enorme Mengen Kupfer. Kurzfristig bestimmen jedoch Dollar, Zinsen und Konjunkturerwartungen die Richtung. Dass sich Kupfer trotz hoher Renditen und geopolitischer Unsicherheit stabil hält, bleibt konstruktiv.
Jetzt entscheidet die Inflation!
Die kommende Woche könnte die Weichen für den September stellen. Am Donnerstag, dem 10. September, entscheidet die Europäische Zentralbank über ihre Geldpolitik. Eine Anhebung um 25 Basispunkte gilt als wahrscheinlich. Ebenfalls am Donnerstag berichten Adobe und Oracle.
Noch wichtiger werden die US-Inflationsdaten. Am Donnerstag erscheinen die Erzeugerpreise, am Freitag die Verbraucherpreise für August. Die nächste Fed-Entscheidung folgt bereits am 16. September. Fällt die Inflation niedriger aus, könnte sich das Pendel wieder zugunsten unveränderter Zinsen bewegen. Ein stärkerer Preisanstieg würde dagegen die Argumente für eine Zinserhöhung deutlich verstärken.
Fazit:
Die US-Wirtschaft bleibt widerstandsfähiger als erwartet. 162.000 neue Jobs sind grundsätzlich eine gute Nachricht, bedeuten aktuell aber höhere Zinserwartungen. Gleichzeitig erhöht der Ölpreissprung den Inflationsdruck. Genau deshalb werden die kommenden Inflationsdaten zum entscheidenden Wegweiser.
Für Rohstoffanleger bleibt das Umfeld spannend: Öl profitiert von Angebotsrisiken, Gold behauptet sich auf hohem Niveau und Kupfer bleibt langfristig durch Stromnetze und KI-Infrastruktur gestützt. Gute Nachrichten sind momentan wieder schlechte Nachrichten – zumindest solange sie der Fed einen weiteren Zinsschritt ermöglichen.
Weitere Interessante Informationen finden Sie in unserem folgenden Wochenrückblick:
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Viele Grüße
Ihr
Jörg Schulte
Quellen: Marketscreener.com, onvista.de, Reuters.de, eigener Research, Bildquellen: tradingeconomics.com, onvista.de, MinerDeck, Intro Bild: KI generiert
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