Nvidia hält die KI-Story am Leben, doch Jackson Hole bringt Zinsangst zurück. Gold konsolidiert auf hohem Niveau und Kupfer steigt die achte Woche in Folge.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
der Sommer verabschiedet sich – und die Ruhe an den Finanzmärkten gleich mit. Anleihemärkte, politische Risiken und die Frage nach dem nächsten Zinsschritt bestimmten die letzte Augustwoche. Gleichzeitig lieferte Nvidia starke Zahlen und bestätigte, dass der KI-Investitionsboom weiterläuft.
Die Wall Street hielt sich deshalb vergleichsweise robust. Nvidia überzeugte mit starkem Wachstum im Rechenzentrumsgeschäft und einem positiven Ausblick. Doch am Freitag übernahm Fed-Chef Kevin Warsh die Aufmerksamkeit der Märkte.
Jackson Hole: Warsh wird deutlich!
In Jackson Hole betonte Warsh, dass das Inflationsziel von 2 % verbindlich bleibe. Die Finanzierungsbedingungen erschienen ihm nicht besonders restriktiv, und die jüngsten Inflationsdaten reichten aus seiner Sicht noch nicht aus, um von einer nachhaltigen Rückkehr zum Zielwert auszugehen.
Damit öffnete Warsh die Tür für eine weitere Zinserhöhung. Die vom Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts im September sprang nach seiner Rede auf knapp 60 %. Kurzlaufende US-Renditen und der Dollar zogen an, während Aktien zum Wochenschluss unter Druck gerieten.

Die Botschaft aus Jackson Hole ist klar: Die Fed ist keineswegs automatisch auf dem Weg zu niedrigeren Zinsen.
Auch Europa kämpft mit Zins- und Politikrisiken!
Die Nervosität beschränkt sich nicht nur auf die USA. Besonders Frankreich rückt wegen fiskalischer Probleme, politischer Unsicherheit und steigender Risikoaufschläge stärker in den Fokus.
Gleichzeitig bleibt die Inflation im Euroraum hartnäckig. Eine weitere Zinserhöhung der EZB im September bleibt damit realistisch, sofern die kommenden Daten dieses Bild bestätigen.
Die Märkte treffen im Herbst somit auf ein schwieriges Umfeld: Die Konjunktur verliert teilweise an Dynamik, während die Notenbanken weiterhin über höhere Zinsen diskutieren.
Gold: Rücksetzer nach starkem Lauf
Gold bekam Warshs Worte unmittelbar zu spüren. Vor Jackson Hole notierte das Edelmetall noch oberhalb von 4.600,- USD je Unze. Nach der Rede zog der Dollar an, die Zinserwartungen stiegen – und Gold fiel zurück.
Für Edelmetallanleger bleibt jedoch die Perspektive entscheidend. Gold konsolidiert nach einer außergewöhnlich starken Rallye weiterhin auf historisch hohem Niveau. Selbst die Aussicht auf nochmals steigende US-Zinsen hat bislang keinen grundlegenden Trendbruch ausgelöst.
Quelle: MinerDeck auf X
Unterstützend bleiben hohe Staatsschulden, geopolitische Unsicherheit, Zentralbanknachfrage und Zweifel an der Stabilität klassischer Papierwährungen. Kurzfristig bestimmen jedoch Dollar und Anleiherenditen die Richtung.
Der US-Arbeitsmarktbericht der kommenden Woche dürfte deshalb für Gold und Silber besonders wichtig werden.
Kupfer bleibt stark
Kupfer zeigte sich erneut bemerkenswert robust. Der Dreimonatskontrakt an der London Metal Exchange bewegte sich um 14.300,- USD je Tonne und steuerte auf den achten Wochengewinn in Folge zu.
Unterstützung kommt zunehmend von der physischen Angebotsseite. Hohe Abflüsse aus LME-Lagerhäusern schüren Sorgen über die kurzfristige Verfügbarkeit des Metalls.
Gleichzeitig bleiben die strukturellen Treiber intakt: Rechenzentren, Stromnetze, Elektrifizierung, erneuerbare Energien und KI-Infrastruktur benötigen enorme Mengen Kupfer.
Warsh selbst verwies darauf, dass ein großer Teil des Wachstums der US-Unternehmensinvestitionen inzwischen auf den Ausbau der KI-Infrastruktur entfällt. Damit wird immer deutlicher: Der KI-Boom ist gleichzeitig ein Rohstoffboom.
Ausblick und Fazit: Jetzt entscheidet der Arbeitsmarkt
Der September startet ohne Verschnaufpause. Am Dienstag stehen die Inflationszahlen für den Euroraum im Fokus. Ein hoher Wert würde die Erwartungen an eine weitere EZB-Zinserhöhung stärken.
Am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht für August. Ein starker Beschäftigungsaufbaukönnte die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung weiter erhöhen. Schwache Zahlen würden dagegen Dollar und Renditen eher belasten und könnten Gold und Silber neuen Rückenwind geben.
Auch auf Unternehmensseite bleibt die KI-Story präsent. Dell, Broadcom, Snowflake, Palo Alto Networks und Ciena berichten in der kommenden Woche. Besonders Broadcom dürfte als wichtiger Profiteur der KI-Infrastruktur aufmerksam verfolgt werden.
Jackson Hole hat die Ausgangslage für den Herbst verändert. Kevin Warsh hat deutlich gemacht, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht gewonnen ist. Eine Zinserhöhung im September ist damit wieder eine reale Möglichkeit.
Das erhöht kurzfristig die Volatilität bei Aktien und Edelmetallen. Gleichzeitig bleibt die fundamentale Basis stark: Nvidia bestätigt die KI-Investitionsdynamik, Kupfer setzt seine Aufwärtsserie fort und Gold hält sich trotz hoher Realzinsen auf außergewöhnlich hohem Niveau.
Der Herbst beginnt damit unter einem spannenden Vorzeichen: Die Notenbanken könnten nochmals bremsen – doch KI, Infrastruktur und Rohstoffbedarf laufen weiter. Weitere interessante Informationen können Sie unserem Wochenrückblick entnehmen.
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Viele Grüße
Ihr
Jörg Schulte
Quellen: Marketscreener.com, onvista.de, Reuters.de, eigener Research, Bildquellen: tradingeconomics.com, onvista.de, MinerDeck, Intro Bild: KI generiert
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