Nach dem heftigen Ausverkauf bei Technologie- und KI-Aktien startet die Börse in eine Woche mit enormem Überraschungspotenzial. Der Nasdaq verlor am Freitag 2,9 Prozent, der S&P 500 rund 1,8 Prozent – Halbleiterwerte gerieten besonders stark unter Druck. Intel brach nach einem schwachen Ausblick fast 29 Prozent ein, AMD verlor knapp 11 Prozent und auch Nvidia wurde mit nach unten gezogen. Der Grund für die Nervosität: Anleger zweifeln zunehmend daran, ob die gigantischen Investitionen in KI-Rechenzentren schnell genug entsprechende Gewinne und Cashflows liefern. Alphabet, Amazon und Meta haben zuletzt enorme Investitionen angekündigt – gleichzeitig wächst der Finanzierungsbedarf. Damit lautet die große Frage der neuen Woche: War der Tech-Abverkauf nur eine überfällige Korrektur – oder beginnt der Markt, den gesamten KI-Boom neu zu bewerten?
Bereits am Montagabend stehen mit Apple und Palantir zwei der spannendsten Unternehmen der Woche im Mittelpunkt. Bei Apple erwarten Analysten rund 113 Milliarden Dollar Quartalsumsatz und etwa 2 Dollar Gewinn je Aktie. Besonders wichtig werden Aussagen zum neuen iPhone 18, zum faltbaren iPhone Duo, zur KI-Strategie und zu steigenden Speicherchipkosten. Apple hat sich zuletzt deutlich besser gehalten als viele andere Tech-Werte – genau deshalb liegt die Messlatte hoch. Bei Palantir steht dagegen erneut das extreme Wachstum im US-Geschäft und bei kommerziellen KI-Anwendungen im Fokus. Nach zuletzt 93 Prozent Umsatzwachstum muss das Unternehmen erneut zeigen, dass die enorme Bewertung weiterhin durch außergewöhnliches Wachstum gerechtfertigt werden kann.
Am Dienstag wird es für den KI- und Halbleitersektor noch brisanter. Dann berichten sowohl AMD als auch Super Micro Computer. Super Micro hat bereits vorab überrascht und für das abgelaufene Quartal einen Umsatz von 18,5 bis 19,5 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt – deutlich mehr als die ursprüngliche Guidance von 14,5 bis 15,5 Milliarden Dollar. Auch die erwartete Bruttomarge wurde angehoben. Bei AMD dürfte dagegen entscheidend sein, ob die Nachfrage nach Instinct-GPUs und KI-Systemen stark genug bleibt, um die zuletzt gestiegenen Erwartungen zu erfüllen. Gerade nach dem jüngsten Rücksetzer im gesamten Chipsektor könnten beide Zahlen zum wichtigen Stimmungstest für Nvidia, Broadcom, Micron und den gesamten AI-Capex-Komplex werden.
Auch am Mittwoch bleibt die Schlagzahl hoch: Qualcomm, Arm und Uber legen ihre Zahlen vor. Qualcomm steht nach dem Ausbau seines Data-Center-Geschäfts und neuen Großaufträgen zunehmend im direkten Wettbewerb um KI-Infrastruktur. Arm wiederum liefert einen wichtigen Blick auf Smartphone-, Server- und KI-Chipdesigns, während Uber neue Hinweise auf Konsum, Mobilität und Robotaxi-Investitionen geben dürfte. Damit deckt die Berichtssaison diese Woche praktisch die gesamte Technologiekette ab – von AI-Software über GPUs und Server bis hin zu Chiparchitektur und mobilen Prozessoren.
Doch auch makroseitig wird die Woche hochspannend. Bereits am Montag steht der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe an, nachdem der September-Wert mit 54,5 Punkten solides Wachstum, gleichzeitig aber stark steigende Einkaufspreise gezeigt hatte. Am Dienstag folgen die JOLTS-Stellenangebote, am Mittwoch der ISM-Dienstleistungsindex. Das große Finale kommt jedoch am Freitag mit den Nonfarm Payrolls für Oktober. Nach lediglich 29.000 neuen Stellen im September rechnen Ökonomen diesmal mit ungefähr 65.000 neuen Jobs, während die Arbeitslosenquote bei 4,2 Prozent erwartet wird. Ein erneut schwacher Bericht könnte die Zinserwartungen deutlich verändern – ein überraschend starker Arbeitsmarkt würde dagegen die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember weiter erhöhen. Aktuell preist der Terminmarkt eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent für einen Zinsschritt im Dezember ein.
Zusätzliche Spannung bringt die US-Zwischenwahl am Dienstag. Entscheidend wird, wer künftig Repräsentantenhaus und Senat kontrolliert. Für die Märkte geht es dabei nicht nur um Politik: Ein Machtwechsel könnte unmittelbare Folgen für AI-Regulierung, Rechenzentren, Banken, Kryptowährungen, Staatsausgaben und die Schuldenobergrenze haben. Gleichzeitig bleibt Öl ein Risikofaktor. Brent fällt zum Wochenstart zwar deutlich, notiert aber aufgrund der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Damit bleibt Energie ein potenzieller Inflationstreiber – genau in dem Moment, in dem die Fed über weitere Zinsschritte nachdenkt.
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