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Kerosinschock

Ryanair-Aktie hebt trotz Gewinnminus ab 02.11.2026, 11:32 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Kerosinschock: Ryanair-Aktie hebt trotz Gewinnminus ab
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Der Gewinn ist um 15 Prozent gesunken, die Spritrechnung droht um zwei Milliarden Euro zu steigen – und dennoch legt die Aktie von Ryanair am Montag kräftig zu. Gegen 11.30 Uhr notierte das Papier des irischen Billigfliegers rund 4 Prozent fester bei 23,59 Euro und damit nahe am Tageshoch von 23,66 Euro. Den Rahmen setzt der Konflikt im Nahen Osten, der die Preise für Flugbenzin in die Höhe getrieben hat.

Absicherung bei 67 Dollar dämpft den Schlag

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27, das Ende September endete, sank der Gewinn nach Steuern auf 2,15 Milliarden Euro nach 2,54 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal allein ging er um 6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zurück – ein Wert, der den von Ryanair gesammelten Analystenschätzungen entsprach. Der Umsatz stieg um 3 Prozent auf 10,08 Milliarden Euro, die Zahl der Passagiere um 6 Prozent auf 125,8 Millionen. Belastet hat neben dem Treibstoff die Zurückhaltung der Kunden: Wegen des Konflikts wurde später gebucht, der durchschnittliche Ticketpreis fiel um 4 Prozent auf 55,70 Euro.

Dass der Gewinn nicht stärker unter Druck geriet, liegt an den Preisabsicherungen. Rund 80 Prozent des Kerosinbedarfs bis Ende März 2027 hat Ryanair zu 67 Dollar je Barrel gesichert. Für den ungesicherten Rest hat sich der Preis dagegen verdoppelt; Konzernchef Michael O'Leary beziffert den aktuellen Marktpreis für Kerosin auf rund 170 Dollar je Barrel.

Zwei Milliarden Euro Mehrkosten ab April 2027

Der eigentliche Kostenschub steht damit noch bevor. Für das Geschäftsjahr bis Ende März 2028 rechnet der Konzern auf Basis der aktuellen Terminpreise mit einer um etwa zwei Milliarden Euro höheren Treibstoffrechnung. Für diesen Zeitraum ist bislang erst ein Viertel des Bedarfs abgesichert, zu durchschnittlich 95 Dollar je Barrel. Ryanair stellt deshalb alle Kosten auf den Prüfstand: Neu verhandelt werden sollen Flughafenverträge, geprüft werden zudem eine kleinere Besetzung an Bord, mehr künstliche Intelligenz in der Verwaltung und vorübergehende Nullrunden für die Beschäftigten.

Einen Teil der Last will die Airline an die Kunden weitergeben. Die Flugpreise könnten 2027 um bis zu 20 Prozent steigen – vollständig ausgleichen dürften höhere Tarife die Mehrkosten nach Unternehmensangaben aber nicht. Eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr nannte Ryanair nicht. Dafür seien die Risiken durch die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine, den Ölpreis und mögliche Fluglotsenstreiks zu groß.

Diplomatie-Hoffnung drückt den Ölpreis

Rückenwind kommt am Montag vom Ölmarkt. Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg ließ den Preis für die Nordseesorte Brent am Vormittag zeitweise um gut 3 Prozent auf knapp 110 Dollar je Barrel fallen; Katar vermittelt zwischen Teheran und Washington. Für eine Airline, deren größter Kostenblock der Treibstoff ist, wiegt jedes Signal einer Entspannung schwer. Hinzu kommt ein Lichtblick im Ticketgeschäft: Im laufenden Quartal liegen die Durchschnittspreise nach Unternehmensangaben leicht über dem Vorjahresniveau.

Ein Befreiungsschlag ist der Kurssprung allerdings noch nicht. Vor einem Jahr kostete die Aktie knapp 27 Euro, das Hoch der vergangenen zwölf Monate lag bei 30,81 Euro. Wie stark die Spritrechnung ab 2027 tatsächlich zuschlägt, dürfte vor allem davon abhängen, ob sich die Lage am Persischen Golf und in der Straße von Hormus beruhigt.

Bn-Redaktion/sb
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