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Blaue Welle

DAX markiert neues Rekordhoch 05.11.2026, 13:58 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Blaue Welle: DAX markiert neues Rekordhoch
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Wahlparty in Washington, Rekord in Frankfurt. Getragen von der Risikofreude nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen kletterte der DAX am Donnerstag bis auf rund 26.670 Punkte und übertraf damit seine bisherige Bestmarke aus dem August von 26.618 Zählern. Inzwischen hat der Leitindex einen Teil der Gewinne wieder abgegeben: Mit gut 26.580 Punkten liegt er zwar noch gut ein halbes Prozent über dem Vortagesschluss, aber wieder knapp unter dem alten Rekord.

Demokraten holen Repräsentantenhaus und Senat

Auslöser des Rekordlaufs ist der Ausgang der Kongresswahlen in den USA. Die Demokraten haben sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit gewonnen. Die Politik von Präsident Donald Trump können sie damit zwar nicht ohne Weiteres umkehren, aber empfindlich stören – etwa in den anstehenden Haushaltsverhandlungen, denn die aktuelle Regierungsfinanzierung läuft in Kürze aus. An der Wall Street wurde das Ergebnis bereits am Mittwoch gefeiert: Der Dow Jones Industrial sprang um gut 3 Prozent, der S&P 500 legte um knapp 1,6 Prozent zu.

Der Markt schätzt vor allem die Klarheit: Das Ergebnis stand schnell fest und wurde von Trump akzeptiert, der zudem Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Opposition signalisierte. Geteilte Macht verspricht weniger politische Überraschungen. Unter Aktionären war der Sprung über die Bestmarke deshalb schon vor Handelsbeginn erwartet worden: Statt einer größeren Gegenreaktion auf das kräftige Vortagesplus dürfte der Index wieder Kurs auf die Rekordregion nehmen, lautete die Einschätzung am frühen Morgen. Die Erwartung ging auf – entsprechend gelöst fällt die Stimmung zu diesem Punkt aus.

Schwergewichte gleichen den Rüstungsabsturz aus

Bemerkenswert ist der neue Höchststand auch deshalb, weil ein Indexmitglied massiv belastet. Rheinmetall hatte am Vorabend erneut die Prognose senken müssen; die Aktie brach am Vormittag um bis zu 17 Prozent ein und hat das Minus inzwischen auf gut 12 Prozent bei rund 836 Euro eingegrenzt. Auch die Deutsche Telekom gibt trotz starker Zahlen rund 1,7 Prozent nach, weil der geplante Aktienrückkauf enttäuschte.

Wie stark der Rüstungswert den Index tatsächlich bremst, rechnen Anleger eifrig nach. Ohne den Einbruch stünde der DAX noch ein gutes Stück höher, lautet der Tenor – dramatisch falle die Belastung wegen des überschaubaren Indexgewichts aber nicht aus.

Am 4. November 2026 lag das DAX-Gewicht von Rheinmetall bei rund 2,18 %. Ein Kurssturz von 17 % bei Rheinmetall kostet den DAX rechnerisch weniger als 0,4 %. Wenn beispielsweise Siemens und SAP jeweils um 2 % steigen, können allein diese beiden Schwergewichte den Rheinmetall-Verlust mehr als ausgleichen.

Genau dieser Mechanismus hat den Rekord möglich gemacht: Der Rüstungsabsturz gilt eher als Schönheitsfehler des Tages denn als Warnsignal für den Gesamtmarkt.

Rückenwind aus New York lässt nach

Nach dem Höchststand am Vormittag hat der Schwung allerdings nachgelassen. Vom Tageshoch hat der DAX zuletzt gut 80 Punkte abgegeben, beim MDax ist das Plus von zeitweise knapp 1 Prozent auf rund 0,25 Prozent zusammengeschmolzen. Aus Anlegersicht hängt der weitere Verlauf vor allem an den USA: Der deutsche Leitindex vollziehe die Bewegungen der amerikanischen Terminkontrakte derzeit nahezu eins zu eins nach. Für die Wall Street wird am Nachmittag sogar ein Tag der Ernüchterung für möglich gehalten.

Verstärkt wird die Vorsicht durch die Skepsis gegenüber Technologie- und KI-Werten. Schon am Mittwoch war der Nasdaq 100 mit knapp 1 Prozent Plus zurückgeblieben, in Asien wurden am Donnerstag Halbleiteraktien verkauft. Dass KI-Titel unter Druck geraten könnten, war auf Anlegerseite bereits in der Nacht vermutet worden. Beim Broker CapTrader gilt die Bestmarke zwar als möglicher Startschuss einer Jahresendrally, zugleich wird dort auf Nahostrisiken, Inflations- und Zinssorgen sowie KI-Fragezeichen verwiesen.

Unter charttechnisch orientierten Anlegern wird zudem gefragt, ob auf das tiefere Hoch zur Mittagszeit eine Abwärtsbewegung folgen könnte; als Knackpunkt gilt dabei die alte Rekordmarke um 26.620 Punkte. Die Stimmung pendelt damit zwischen Genugtuung über den Rekord und Zweifeln, ob der Rückenwind aus Washington über den Tag hinaus trägt.

Bn-Redaktion/sb
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