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Margen vervierfacht

Tankrabatt versickert vor der Zapfsäule 15.10.2026, 13:43 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Margen vervierfacht: Tankrabatt versickert vor der Zapfsäule
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Zwei Wochen nach seinem Start bröckelt der Tankrabatt. Super E10 kostete am Mittwoch im bundesweiten Tagesdurchschnitt gut 2,14 Euro je Liter und damit gut drei Cent mehr als am ersten Tag der Steuersenkung. Zur selben Zeit meldet TotalEnergies für das dritte Quartal einen Referenzwert der europäischen Raffineriemargen von 33,20 US-Dollar je Barrel – fast viermal so viel wie vor einem Jahr. Die Aktie des französischen Energiekonzerns legt am Donnerstagmittag um rund 1,2 Prozent auf 81,18 Euro zu und nähert sich ihrem Jahreshoch aus dem Frühjahr.

Nur zwei Drittel der Steuersenkung kommen an

Seit dem 1. Oktober ist die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um gut 14 Cent je Liter gesenkt, inklusive des Mehrwertsteuer-Effekts ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von 16,7 Cent. Nach Berechnungen des DIW ist davon bislang nur rund zwei Drittel bei den Verbrauchern angekommen, gemessen am Preisabstand zu Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt. Seit dem 8. Oktober sei die Weitergabe im Schnitt sogar auf etwa 9 Cent gesunken. Das Ergebnis hängt allerdings vom gewählten Vergleichstag ab – mit einem früheren Stichtag liegt die Quote bei über 80 Prozent. Das Ifo-Institut kommt für die Woche bis zum 13. Oktober auf 13 Cent bei E10 und 13,5 Cent bei Diesel.

Auch das Bundeskartellamt sieht eine Lücke, und zwar bereits auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels; bei Benzin sei sie etwas größer als bei Diesel. Der Branchenverband en2x widerspricht: Die Steuersenkung werde vollständig weitergegeben, der internationale Produktpreis für E10 sei seit Ende September aber um rund 5 Cent je Liter gestiegen. Am Donnerstag deuteten erste Daten bis zum Mittag auf sinkende Benzin- und steigende Dieselpreise hin.

2,5 Milliarden Euro ohne Pflicht zur Weitergabe

Bund und Länder lassen sich den Rabatt bis Jahresende knapp 2,5 Milliarden Euro an Steuereinnahmen kosten, finanziert aus nicht verbrauchten Haushaltsmitteln. Eine gesetzliche Pflicht, die Senkung an der Zapfsäule weiterzugeben, gibt es nicht – das Kartellamt beobachtet lediglich. Bei der ersten Runde im Mai und Juni kamen nach dessen Auswertung 78 Prozent bei Benzin und 82 Prozent bei Diesel an.

Politisch hat der Rabatt den Vorzug einer leicht vermittelbaren Zahl: 17 Cent weniger je Liter. Ökonomen ziehen eine nüchternere Bilanz. Ifo-Präsident Clemens Fuest rechnet bei 1.000 Kilometern im Monat mit einer Ersparnis von rund 10 Euro. Vom DIW kommt der Einwand, die Entlastung begünstige vor allem Vielfahrer mit großen Autos und höheren Einkommen, während Haushalte ohne Auto leer ausgingen. Eine Studie der RWTH Aachen bezifferte die monatliche Ersparnis für die ärmsten zehn Prozent der Haushalte auf 6,48 Euro, für die reichsten zehn Prozent auf 21,64 Euro. Forschungsinstitute und Verbraucherschützer plädieren deshalb für gezielte Direktzahlungen. Im EU-Vergleich bleibt Deutschland teuer: E10 war zuletzt auch mit Rabatt das viertteuerste Benzin der Union.

Raffinerien verdienen am knappen Treibstoff

Am anderen Ende der Kette laufen die Geschäfte glänzend. TotalEnergies begründet den Margensprung mit Versorgungsstörungen vom Nahen Osten bis nach Russland, die den globalen Kraftstoffmarkt infolge des Iran-Kriegs verknappt haben. Brent kostet mehr als 100 US-Dollar je Barrel, im zweiten Quartal lag der Margen-Referenzwert des Konzerns noch bei 13,50 Dollar. Hinzu kam ein überdurchschnittlicher Handel mit Gas und Flüssiggas. Bereits in der Vorwoche hatte Shell Rekordwerte bei den Raffineriemargen gemeldet.

Auf Aktionärsseite wird das Zwischenupdate unaufgeregt, aber mit klarem Blick auf die entscheidende Kennzahl aufgenommen:

Laut heutigen Update Margen vervierfacht

Der Vergleich mit dem Vorjahr bestätigt diese Rechnung: Von 8,40 auf 33,20 Dollar entspricht knapp dem Vierfachen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie damit rund 46 Prozent gewonnen, binnen einer Woche mehr als 7 Prozent. Die vollständigen Quartalszahlen sollen am 29. Oktober folgen.

Übergewinnsteuer spaltet die Koalition

Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die Berlin seit Wochen beschäftigt: Wer zahlt die Entlastung – und wer profitiert von den hohen Preisen? Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) unterstützt eine EU-weite Übergewinnsteuer auf Ölkonzerne, Kanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU) lehnen sie ab, die EU-Kommission sieht derzeit keinen Bedarf. Grüne und Linke kritisieren, dass ein erheblicher Teil des Rabatts bei der Mineralölwirtschaft lande, während er aus Steuergeld bezahlt werde. Polen hat Anfang Oktober eine Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne eingeführt; ein Spritpreisdeckel für Deutschland ist für Anfang 2027 im Gespräch, aber umstritten.

Für die Ölwerte könnte eine solche Abgabe zum Belastungsfaktor werden. Am Donnerstag reagieren sie verhalten: BP notiert unverändert bei 7,28 Euro, Shell gewinnt 0,2 Prozent auf 46,50 Euro, ENI und OMV geben jeweils knapp ein halbes Prozent ab. Auf Wochensicht liegen BP mit fast 10 Prozent, Shell mit knapp 8 und ENI mit fast 7 Prozent aber ebenfalls deutlich im Plus.

Bn-Redaktion/sb
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