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Übernahmepoker

Evonik klettert auf Hoch seit Frühjahr 2025 09.10.2026, 11:36 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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BASF 51,39 EUR -0,87 % Tradegate
Evonik Industries 21,24 EUR +1,34 % Gettex
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Für Evonik könnte dieser Freitag zur Weichenstellung werden. Das Kuratorium der RAG-Stiftung, mit 43 Prozent größte Anteilseignerin des Essener Spezialchemiekonzerns, tagt ebenso wie Berichten zufolge der Aufsichtsrat der BASF – beide Gremien dürften sich mit der angestrebten Übernahme befassen. Die Evonik-Aktie stieg im Vormittagshandel bis auf gut 21,50 Euro und damit auf den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2025, zuletzt hatte sich das Plus auf rund 0,7 Prozent bei 21,20 Euro verringert.

Hormus-Krise verschafft der Chemie eine Atempause

Rückenwind kommt dabei vom Konflikt um die Straße von Hormus. Die teilweise Sperrung der Seeroute infolge des Krieges zwischen den USA und dem Iran hat vor allem in Asien Ölengpässe ausgelöst und damit die dortige Konkurrenz der europäischen Chemiekonzerne geschwächt. BASF und Evonik profitieren davon derzeit ein Stück weit. An der strukturellen Krise der Branche ändert diese Sonderkonjunktur allerdings wenig: Asiatische Wettbewerber wachsen, beide Konzerne bauen um und streichen Stellen.

Entsprechend politisch aufgeladen ist der mögliche Zusammenschluss. Die oppositionelle SPD im nordrhein-westfälischen Landtag hatte vor wenigen Tagen angeregt, das Land solle eine eigene Beteiligung prüfen, sodass RAG-Stiftung und Land gemeinsam mehr als die Hälfte an Evonik hielten. Die Gewerkschaft IGBCE mahnte am Donnerstag in einem Brief an die Betriebsräte beider Unternehmen zur Besonnenheit und warnte vor Schnellschüssen – der Druck auf Standorte und Arbeitsplätze sei unvermindert hoch.

Kolportierte 22,15 Euro setzen die Messlatte

Vor knapp zwei Wochen hatten die Beteiligten öffentlich gemacht, dass es ein Angebot der BASF gibt. Evonik sprach von einer unverbindlichen Ansprache, die auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien ziele; Gespräche fänden derzeit nicht statt. BASF bezeichnete Fortgang und Ausgang der Sondierungen als offen. Medienberichten zufolge stand ein Preis von 22,15 Euro je Evonik-Aktie im Raum.

Ein Großteil davon ist am Markt bereits eingepreist: Vor den ersten Berichten über die Pläne kostete das Papier gut 18 Euro, bis zum kolportierten Angebotspreis fehlen nun noch rund 4,5 Prozent. Aus charttechnischer Anlegersicht ist mit dem Sprung über 21 Euro eine psychologisch wichtige Hürde genommen, der Blick richtet sich auf die nächste Zone darüber.

Jetzt haben Wir die wichtige psychologische Grenze von 21,00/21,10€ geknackt. Jetzt gilt es aber den Widerstandsbereich 22,15/22,27€…

Der genannte Widerstandsbereich läge damit nahezu exakt auf Höhe des kolportierten Angebotspreises – Charttechnik und Übernahmefantasie zeigen hier in dieselbe Richtung. Solche Einschätzungen aus Anlegersicht stellen keine Anlageberatung dar.

Berenberg hält bis zu 25 Euro für denkbar

Bei der Privatbank Berenberg wird sogar eine Offerte von 24 bis 25 Euro für möglich gehalten – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung. Ähnlich argumentiert der Vermögensverwalter Greiff Capital: Für die RAG-Stiftung, die verlässliche Dividenden zur Finanzierung der Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus braucht, hätte ein Verkauf durchaus Vorteile. Sie könnte ihre ohnehin geplante Anteilsreduzierung deutlich vorantreiben und wäre zugleich an einem neuen Chemieriesen beteiligt. Dafür müsse aber der Preis stimmen, eine Nachbesserung in Richtung 23 bis 25 Euro gilt dort als naheliegender nächster Schritt.

Die BASF-Aktie gab zuletzt rund 0,8 Prozent auf 51,41 Euro nach, nachdem sie im Wochenverlauf knapp 4 Prozent zugelegt hatte. Ob die Gremien bereits am Freitag Beschlüsse fassen, ist offen – ebenso, ob sich BASF und die RAG-Stiftung beim Preis annähern könnten.

Bn-Redaktion/sb
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