APA ots news: Allianz Green Transition Tracker 2026: Netto-Null erst 2064 - Österreich bei grüner Transformation auf Rang 19
München/Wien (APA-ots) - - Trotz Fortschritten wird die CO-Neutralität laut Prognosen der Allianz weltweit erst im Jahr 2064 erreicht und damit deutlich später als angestrebt.
- Österreich fällt auf Rang 19 zurück: Fortschritte bei Effizienz und E-Mobilität stehen einem Rückgang der erneuerbaren Stromproduktion gegenüber.
- Erneuerbare Energien überholen 2025 erstmals Kohle als weltweit größte Stromquelle.
- CO-Emissionen aus fossilen Brennstoffen könnten 2026 trotz robusten Wirtschaftswachstums um 0,5 % sinken. Treiber sind günstige Technologien und teures Öl, nicht die Klimapolitik.
Im Vorfeld der Klimakonferenz COP31 in Antalya kommt die zweite Ausgabe des "Allianz Green Transition Tracker" zu dem Ergebnis, dass die Welt zwar insgesamt auf CO-Neutralität zusteuert, aber viel zu langsam. Beim derzeitigen Tempo wird das Ziel erst 2064 erreicht, 14 Jahre später als angestrebt. Saubere Technologien setzen sich zwar trotz politischen Gegenwinds durch, verdrängen fossile Brennstoffe aber nicht schnell genug, um die globalen Emissionen rechtzeitig zu senken. Auch Österreich macht Fortschritte, bleibt zuletzt aber sowohl hinter dem globalen Durchschnitt als auch dem EU-Schnitt zurück.
Zwtl.: Österreich auf Rang 19: Fortschritte bei Effizienz und E- Mobilität
Österreich fiel im Fortschrittsindex um einen Platz auf Rang 19 zurück. Die Punktzahl stieg zwar um 1,0 auf 30,7, blieb damit aber deutlich hinter dem globalen Durchschnitt (+2,0) und dem EU-Schnitt ( +2,2). Österreich liegt vor Tschechien (Platz 20) und Italien (Platz 22), aber hinter Deutschland (Platz 12), Schweden (Platz 15) und Spanien (Platz 17).
Fortschritte gibt es vor allem auf der Nachfrageseite: Verbesserungen bei der Energieeffizienz und sinkende verbrauchsbezogene Pro-Kopf-Emissionen trugen mit 7,5 beziehungsweise 8,2 Punkten zur positiven Entwicklung bei. Der E-Auto-Anteil an den Neuzulassungen stieg 2025 von 24 % auf 31 %. Gleichzeitig gingen die Subventionen für fossile Brennstoffe von 3,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 2,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 zurück.
Die größte Herausforderung bleibt die Stromerzeugung: Die erneuerbare Stromproduktion sank 2025 um 9,5 %, obwohl die Solarstromerzeugung um 26,6 % zulegte. Dadurch fiel der Anteil CO- armer Energien am Strommix von 86,2 % auf 83,6 %. Bei diesem Tempo würde Österreich seine Netto-Null-Ziele erst deutlich nach 2050 erreichen.
"Österreich macht ermutigende Fortschritte bei der Energieeffizienz und Elektromobilität. Auch die verbrauchsbezogenen Pro-Kopf-Emissionen gehen zurück. Der jüngste Rückgang der erneuerbaren Stromerzeugung zeigt jedoch, dass selbst ein weitgehend klimafreundlicher Strommix nicht vor Rückschlägen gefeit ist. Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien und eine widerstandsfähigere Stromversorgung sind entscheidend, um die Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität dauerhaft zu sichern", sagt Katharina Utermöhl, Leiterin des Bereichs Thematic and Policy Research bei Allianz Research .
Zwtl.: Fast alle Länder kommen voran, aber zu langsam
Der Tracker bewertet 65 Volkswirtschaften, die zusammen 81 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen, und misst, wie weit sie seit 2015 auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel für 2050 gekommen sind. In diesem Jahr verbesserten sich 56 Länder um durchschnittlich 2 Punkte. Doch nur rund ein Drittel ist auf einem Kurs, der mit dem Pariser Abkommen vereinbar ist. An der Spitze stehen Luxemburg, Dänemark und Estland, und alle zehn Spitzenreiter kommen aus Europa. Den größten Sprung machte Kolumbien (+16,5 Punkte) dank Wasserkraft und Solarausbau. Die Ölstaaten am Golf bilden weiterhin das Schlusslicht.
"Fast jedes Land bewegt sich in die richtige Richtung. Das Problem ist das Tempo. Bei dem jetzigen Fortschritt wird die Netto- Null erst im Jahr 2064 erreicht werden - 14 Jahre später als geplant", sagt Patrick Hoffmann, ESG-Ökonom bei Allianz Research . "Und die klimapolitische Kluft vergrößert sich: Die Spitzenreiter ziehen weiter davon, während die Nachzügler Mühe haben, Schritt zu halten."
Die obere Hälfte der Rangliste legte fast doppelt so stark zu wie die untere (2,6 gegenüber 1,3 Punkten). Die EU führt zwar weiterhin, ihre Emissionen sanken 2025 aber nur noch um 0,2 %. Bei diesem Tempo würde sie ihre Ziele erst 2057 erreichen. Die USA fielen auf Platz 41 zurück, da die Emissionen das zweite Jahr in Folge stiegen. China ( Platz 43) und Indien (Platz 45) zeigen dagegen Anzeichen einer Trendwende. Chinas Emissionswachstum kam praktisch zum Stillstand, und Indien verzeichnete erstmals seit 25 Jahren einen Emissionsrückgang ohne wirtschaftlichen Einbruch.
Zwtl.: Erneuerbare überholen Kohle, und saubere Technologien werden immer günstiger
2025 überholten erneuerbare Energien mit einem Anteil von 33,5 % erstmals seit mehr als einem Jahrhundert die Kohle (33,2 %) als größte Stromquelle der Welt. Sie lieferten zudem 99 % der neu ans Netz gegangenen Strommenge. Das globale Emissionswachstum verlangsamte sich dadurch von 1,5 % auf 0,7 %.
Sinkende Kosten beschleunigen den Wandel: Die jährlich neu installierte Batteriespeicherkapazität stieg von rund 2 GWh im Jahr 2015 auf 307 GWh im Jahr 2025, da die Installationskosten um 91 % sanken. Gleichzeitig hat sich die Preisdifferenz zwischen batteriebetriebenen Elektroautos und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor seit 2019 von 49 % auf 20 % verringert.
Künftig rücken Netze und Speicher in den Mittelpunkt. Die Investitionen in saubere Energie sollen 2026 um 6,5 % auf 2,2 Billionen US-Dollar steigen, wobei die Ausgaben für Netze um 21 % und für Speicher um 36 % wachsen werden.
Zwtl.: Geopolitik, nicht Klimapolitik, bestimmt die Preise
Die Geopolitik sendet derzeit ein stärkeres Preissignal aus als die Klimapolitik und treibt damit die Dieselpreise sowie die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in die Höhe. Allianz Research hat berechnet, dass der durch den Konflikt im Nahen Osten bedingte Anstieg der Dieselpreise einem CO-Preis von mehr als 200 Euro pro Tonne entspräche.
In der EU erreichten batterieelektrische Autos im September einen Anteil von 30 % an den Neuzulassungen, was einem Anstieg um 11 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres entspricht. Eine neue Runde von Subventionen für fossile Brennstoffe gefährdet jedoch Europas Fortschritte. Diese liegen schon jetzt rund 70 % über dem Niveau vor der Energiekrise 2022.
Zwtl.: Ausblick: Ein Emissionshöchststand ist in Reichweite, ein nachhaltiger Rückgang ist jedoch noch nicht gesichert
Allianz Research erwartet, dass die CO-Emissionen aus fossilen Brennstoffen in diesem Jahr sinken werden, obwohl die Weltwirtschaft robust wächst. Günstigere saubere Technologien und hohe Preise für fossile Brennstoffe sind die wichtigsten Faktoren.
Auf der anderen Seite stellen der steigende Strombedarf und Engpässe im Stromnetz die größten kurzfristigen Risiken dar: Allein KI und Rechenzentren könnten die globalen Emissionen bis 2030 um rund 0,6 % erhöhen. Zudem könnten hohe Finanzierungskosten, Handelsbarrieren und politische Unsicherheit den Einsatz grüner Technologien verlangsamen. Ob der Emissionshöchststand bereits erreicht ist, ist daher noch offen.
"Die CO-Emissionen aus fossilen Brennstoffen könnten in diesem Jahr um 0,5 % sinken, während die Wirtschaft solide wächst, doch das ist eher auf günstige saubere Technologien und teures Öl zurückzuführen als auf eine strengere Klimapolitik", sagt Ludovic Subran, Chefökonom und Chief Investment Officer bei der Allianz . "Ein Preisschock ist keine Strategie. Regierungen sollten der Versuchung widerstehen, ihn durch neue Subventionen für fossile Brennstoffe abzufedern, und stattdessen den Wandel durch eine vorhersehbare CO-Bepreisung und schnellere Investitionen in Netze und Speicherkapazitäten festigen."
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