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Neue Indexrekorde in Europa (Wochenausblick) 06.07.2026, 10:26 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Europäische Aktien markieren neue Bestmarken, während US-Technologiewerte an Schwung verlieren. Analysten rechnen mit einer Fortsetzung dieser Rotationsbewegung. Charttechniker sehen für den DAX Potenzial bis 26.300 Punkte.

6. Juli 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der DAX (DE0008469008) hat am Freitag mit 25.779 Punkten den höchsten Wochenschluss seiner Historie markiert und unter dem Strich 4,5 Prozent zugelegt. Intraday lag der neue Rekordstand bei 25.827 Punkten. Der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) stieg um 2,7 Prozent auf rund 653 Punkte und erreichte ebenfalls ein neues Allzeithoch. In den USA legte der S&P 500 1,8 Prozent zu. Der Nasdaq 100 kam auf ein Wochenplus von 0,7 Prozent, büßte am Freitag aber 1,6 Prozent ein. Heute Morgen startet der DAX mit rund 25.800 Punkten nahe seinem Rekordniveau in die neue Handelswoche.

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Unterstützung von Seiten der Politik

Die relative Stärke deutscher Aktien erklären viele Banken auch mit dem umfassenden Maßnahmenpaket der Bundesregierung. Birgit Henseler von der Commerzbank verweist darauf, dass der DAX-Anstieg zuletzt vor allem von Unternehmen mit Schwerpunkt auf dem deutschen Heimatmarkt getragen wurde, deren Kurse zuvor zurückgeblieben waren. Positiv sei vor allem das Signal, dass Reformen überhaupt zustande kommen.

Uwe Hohmann von Metzler spricht beim "Programm für Aufschwung und Beschäftigung" zwar nicht von einem "Big Bang". Der Katalog enthalte aber Elemente, die für die Wettbewerbsfähigkeit relevanter seien als der begrenzte fiskalische Impuls. Er nennt Bürokratieabbau, administrative Entlastungen und eine moderate Arbeitsmarktflexibilisierung. Die DZ Bank ordnet den Koalitionsbeschluss ähnlich ein: kein großer Wurf, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Nun müsse die Umsetzung folgen.

Rotation statt einseitiger KI-Markt

Positiv werten Analysten auch, dass sich die Marktbewegung zuletzt verbreitert hat. Robert Halver von der Baader Bank sieht eine Phase mit mehr Selektion und Rotation. Bei Künstlicher Intelligenz schauten Anleger genauer hin und investierten breiter. Kapital fließe stärker in Zulieferer der KI-Infrastruktur, etwa Halbleiter- und Speicherchipwerte. Zugleich nennt Halver Value-Werte als Auffangbecken für Kapital, das nicht mehr ausschließlich in große Technologietitel fließt. Deren Aufwärtsdynamik geriet zuletzt spürbar ins Stocken.

Pascal Reichert von der Commerzbank sieht den US-Aktienmarkt auch in der neuen Woche anfällig für Schwankungen. Hauptgrund sei die zunehmende Skepsis gegenüber KI-Unternehmen. Die Rally im Halbleiter- und KI-Segment werde zunehmend als vorauseilend gegenüber den Fundamentaldaten angesehen. Europa und Deutschland seien weniger betroffen, weil die Abhängigkeit von KI-Schwergewichten geringer sei.

Keine KI-Blase, aber Enttäuschungspotenzial

Markus Reinwand von Helaba Research hingegen widerspricht der These einer akuten Spekulationsblase im Technologiesektor. Nach seiner Prüfung klassischer Blasenkriterien sind höchstens drei von sechs Warnsignalen erfüllt. Kredithebel, Anlegerstimmung und Tech-Bewertung deuteten derzeit nicht auf eine extreme Überhitzung hin. Die Bewertungen auf Gesamtmarktebene seien aber hoch und benötigten weitere Gewinnsteigerungen. Uwe Streich von der LBBW betont ebenfalls, dass neben den Gewinnen auch die Erwartungen an künftiges Gewinnwachstum gestiegen sind. Hier sieht der Analyst entsprechendes Enttäuschungspotenzial.

"Der Deckel ist gelüftet"

Aus charttechnischer Sicht hat der DAX laut Jörg Scherer von HSBC mit dem neuen Allzeithoch "endlich den Deckel der letzten Monate gelüftet". Die Bedeutung des Vorstoßes in "uncharted territory" könne nach diversen Fehlversuchen in den vergangenen Monaten nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der technische Analyst spricht mit Blick auf das Anschlusspotenzial von einem möglichen Kursziel von rund 26.300 Punkten.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Montag, 6. Juli

10.30 Uhr. Eurozone: Sentix-Investorenvertrauen. Nach minus 13,4 Punkten im vergangenen Monat wird diesmal eine Verbesserung erwartet. Die Volkswirte der Deka sehen den Index bei minus 8,0 Punkten und verweisen auf zuletzt häufiger positiv überraschende Konjunkturdaten sowie die Hoffnung auf eine freie Passage durch die Straße von Hormus.

16.00 Uhr. USA: Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor. Der ISM-Index lag im Mai mit 54,5 Punkten klar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Im Konsens wird nun ein leichter Rückgang auf rund 54 Punkte erwartet. Die Deutsche Bank liegt mit 55,0 Punkten knapp über dieser Marke.

Dienstag, 7. Juli

NATO-Gipfel in Ankara. Die Staats- und Regierungschefs beraten bis Mittwoch über höhere Verteidigungsausgaben, mehr Rüstungsproduktion und weitere Hilfen für die Ukraine. Politisch heikel bleibt die Lastenteilung innerhalb des Bündnisses, nachdem die USA von den europäischen Partnern mehr Eigenverantwortung verlangen.

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion. Die Schätzungen gehen weit auseinander: Die Helaba erwartet gegenüber dem Vormonat ein Plus von 1,0 Prozent, die LBBW ein Minus von 0,8 Prozent. Die Deka verweist darauf, dass die deutsche Industrie zuletzt noch von vorgezogenen Bestellungen profitiert hatte und im Mai eine leichte Drosselung möglich ist.

Mittwoch, 8. Juli

20.00 Uhr. USA: Protokoll der US-Notenbanksitzung. Die Mitschrift zur Sitzung vom 17. Juni kann Hinweise geben, wie die Notenbank ihren Kurs nach der ersten Sitzung unter Fed-Chef Kevin Warsh begründet. Die Commerzbank erwartet allerdings eine kürzere Fassung als üblich, weil Warsh die Kommunikation der US-Notenbank zurückfahren will.

Donnerstag, 9. Juli

13.30 Uhr. Eurozone: Protokoll der EZB-Sitzung. Das Protokoll der Juni-Sitzung kann zeigen, wie breit im EZB-Rat die Unterstützung für den jüngsten Zinskurs war. An den Anleihemärkten dürfte vor allem interessieren, ob sich Argumente für einen weiteren Zinsschritt im September finden.

Von Thomas Koch, 6. Juli 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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