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Zehntausende protestieren gegen Sparkurs von Mercedes-Benz 03.07.2026, 13:58 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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Mit mächtigen Gummihämmern schlagen zwei Männer mit Wucht auf ein rot lackiertes Ölfass. Immer wieder sind die schrillen Töne von Trillerpfeifen vor Tor 7 bei Mercedes-Benz DE0007100000 in Sindelfingen zu hören. Zehntausende Beschäftigte des Autobauers protestieren bundesweit gegen die geplante Verschärfung des Sparkurses. Die Gewerkschaft IG Metall hatte dazu aufgerufen.

In Baden-Württemberg, der Herzkammer des schwäbischen Autobauers, protestierten die Beschäftigten unter anderem am traditionsreichen Standort in Sindelfingen, wo unter anderem die S-Klasse produziert wird. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich rund 20.000 Beschäftigte an dem Protest. Ein Sprecher des Unternehmens sprach hingegen von 10.000 Teilnehmern.

Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali sprach am Tor 7 in Sindelfingen zu den Beschäftigten. Zuvor hatte Lümali der Deutschen Presse-Agentur gesagt: "Die Beschäftigten sind mit den Plänen des Vorstands und dem Abbau des Sozialstaats nicht einverstanden." Das Management wolle hart erkämpfte Errungenschaften zurückdrehen. Das sei keine Grundlage für weitere Gespräche.

Gewerkschaftschefin Christiane Benner sagte bei einer Kundgebung in Düsseldorf laut Mitteilung: "Wer ernsthaft über Wettbewerbsfähigkeit reden will, darf nicht bei den Arbeitsbedingungen ansetzen. Der Schlüssel für eine starke Autoindustrie liegt in Investitionen in zukunftsfeste Produkte, Standorte und Beschäftigte."

Wo sonst noch protestiert wurde

Proteste fanden laut IG Metall in Baden-Württemberg auch in Stuttgart-Untertürkheim, Rastatt und Kuppenheim statt. Aber auch in Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim. Es beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft insgesamt über 33.000 Beschäftigte an dem Protest. Nach Angaben des Autobauers waren es ohne die Kundgebung in Berlin insgesamt rund 15.750 Menschen.

Der Protest bei Mercedes-Benz soll der Auftakt für weitere bundesweite Aktionen sein. So ist unter anderem am 9. Juli in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ein Autokorso von Beschäftigten der Autoindustrie geplant. Weitere Beschäftigtenaktionen sollen laut IG Metall beim Volkswagen-Konzern DE0007664039 folgen. "Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer und Herbst bescheren, solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen", erklärte die Gewerkschaft im Vorfeld des Aktionstags.

Ein Mercedes-Sprecher sagte: "Wir bewerten die Arbeitsniederlegungen entlang der geltenden rechtlichen und betrieblichen Regelungen und setzen weiterhin auf einen verantwortungsvollen Dialog." Auswirkungen auf die Produktion könnten durch die hohe Flexibilität in den Werken zeitnah aufgefangen werden.

Schreiben des Vorstands an die Beschäftigten

In einem Schreiben an die Beschäftigten in Deutschland hatte der Vorstand von Mercedes-Benz Ende vergangener Woche informiert, dass man "weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken" müsse, um bei den Preisen für die Produkte wettbewerbsfähig zu bleiben. "Trotz all unserer Anstrengung ist die Situation heute in Deutschland dramatisch", hieß es darin.

Etwa 90.000 der rund 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland erhalten demnach als Sofortmaßnahme nicht wie erwartet im Juli eine tarifliche Sonderzahlung. Diese werde auf das kommende Jahr verschoben, hieß es in dem Schreiben. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. Zugleich will das Management mit dem Betriebsrat in den kommenden Wochen über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sprechen, wie das Unternehmen mitteilte.

Debatte um 35-Stunden-Woche

Um die Einführung der 35-Stunden-Woche ist zwischen IG Metall und den Arbeitgebern lange gerungen worden. Unter anderem in den 1980er Jahren mit einem wochenlangen Arbeitskampf, bei dem es auch zu Aussperrungen kam. Nach fast sieben Wochen Arbeitskampf gelang der Durchbruch: Der schrittweise Einstieg in die 35-Stunden-Woche lief an. Nach Warnstreiks folgte 1987 die 37-Stunden-Woche. 1993 ging es runter auf 36 Stunden. Und im Oktober 1995 war die 35-Stunden-Woche in den West-Bundesländern endgültig erreicht. Im Osten sind die 35 Stunden wöchentliche Arbeitszeit nach Angaben der IG Metall noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Doch die Angleichung Ost schreite voran.

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