JD.COM ADR WKN: A112ST ISIN: US47215P1066 Kürzel: JD Forum: Aktien Thema: Hauptdiskussion
Danke. Der entscheidende Unterschied liegt meiner Meinung nach in der Differenzierung zwischen einer unkontrollierten, landesweiten Deflation und einem gezielten, sektorspezifischen Preiskampf. Man könnte es mit einem kontrollierten Feuer im Wald vergleichen: Ein unkontrollierter Waldbrand (Makro-Deflation) ist eine Katastrophe. Ein gezieltes, kontrolliertes Abbrennen von Unterholz (sektorale Preiskämpfe) ist jedoch ein Werkzeug, um den Wald gesund zu halten und einen größeren Brand zu verhindern. Die CCP scheint genau dieses Werkzeug zu nutzen, um mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen. Erstens, der "Gemeinsame Wohlstand": Wenn sich Tech-Giganten wie Meituan und JD.com gegenseitig mit Subventionen unterbieten, sinken die Preise für Essenslieferungen. Wenn EV-Hersteller sich einen Preiskampf liefern, werden Elektroautos für die breite Masse erschwinglich. Das ist eine direkte Subvention für den Lebensstandard der Bevölkerung, die nicht aus dem Staatshaushalt, sondern aus den Bilanzen der Unternehmen – und damit den Taschen der Aktionäre – finanziert wird. Zweitens, die Disziplinierung der Konzerne: Die CCP hat in den letzten Jahren deutlich gemacht, dass kein Unternehmen "zu groß zum Kontrollieren" werden darf. Indem man sie in kostspielige Konkurrenzkämpfe zwingt, verhindert man die Bildung von unangreifbaren Monopolen mit exzessiven Gewinnen und stellt sicher, dass die Unternehmen sich primär auf den Binnenmarkt und die Konsumenten konzentrieren. Drittens, die erzwungene Effizienzsteigerung: Dieser brutale Wettbewerb zwingt die Unternehmen zu extremer Effizienz und Innovation. Nur die Stärksten überleben und werden dadurch zu global wettbewerbsfähigen "nationalen Champions". Für uns als ausländische Anleger ist das die Crux: Selbst wenn unser Unternehmen den Kampf gewinnt und zum "nationalen Champion" aufsteigt, wird die Regierung immer ein wachsames Auge darauf haben, dass die Gewinne nicht "exzessiv" werden und ein Teil des geschaffenen Wertes an die Konsumenten weitergegeben wird. Die Margen bleiben also strukturell gedeckelt. Du hast also recht mit der Angst vor der großen Deflation. Meine These bezieht sich aber auf den gezielten Einsatz von Preisdruck als politisches Werkzeug. Das Ergebnis ist ein System, das für den chinesischen Konsumenten fantastisch ist, aber für den westlichen Langfrist-Investor, der auf hohe und stabile Margen hofft, strukturell schwierig bleibt.
Man kann das chinesische Wirtschaftsmodell für Anleger so beschreiben: Es ist ein Spiel, bei dem die Regeln mitten im Spiel geändert werden können und der Hauptprofiteur am Ende nicht der Aktionär, sondern der chinesische Bürger sein soll. Am Anfang sieht alles fantastisch aus. Ein Unternehmen wie Meituan, JD.com oder Alibaba geht an die Börse, oft im Ausland, und sammelt Milliarden von westlichen Investoren ein. Die Wachstumsstory ist berauschend: ein riesiger, aufstrebender Binnenmarkt mit hunderten Millionen potenzieller Kunden. Die ersten Jahre laufen oft wie im Bilderbuch, mit explosivem Umsatzwachstum und steigenden Gewinnen. Doch sobald ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung erreicht, ändert sich das Spiel. Die Regierung, getrieben vom politischen Ziel des "Gemeinsamen Wohlstands", greift ein. Sie tut dies nicht unbedingt durch direkte Befehle, sondern indem sie ein Umfeld schafft, in dem ruinöser Wettbewerb gefördert und Monopolgewinne bestraft werden. Plötzlich tauchen finanzstarke Konkurrenten auf, die mit massiven Subventionen die Preise drücken – man denke an JD.coms Angriff auf Meituan oder den Preiskampf bei Elektroautos. Die etablierten Unternehmen werden gezwungen, mitzuziehen, um ihre Marktanteile nicht zu verlieren. Die Folge: Die Margen schmelzen dahin, die Gewinne stagnieren oder fallen. Davon profitieren die chinesischen Konsumenten, die extrem günstige Produkte und Dienstleistungen erhalten, und die chinesische Regierung, die so die Inflation niedrig und die Bevölkerung zufrieden hält. Die großen Verlierer sind die Aktionäre, insbesondere die aus dem Ausland. Das Kernproblem für westliche Investoren ist ihre völlige Machtlosigkeit. Echte Stimmrechte, um eine solche unternehmensschädigende Preispolitik zu verhindern, gibt es praktisch nicht. Man ist nur Passagier und muss zusehen, wie der Wert des Investments zugunsten politischer Ziele geopfert wird. Dieses Muster erklärt zu einem großen Teil, warum der Hang Seng Index in den letzten 30 Jahren kaum vom Fleck gekommen ist. Das System ist darauf ausgelegt, Wohlstand für China zu schaffen, nicht zwangsläufig für ausländische Kapitalgeber. Einzelne Erfolgsgeschichten sind zwar möglich, wenn man zum richtigen Zeitpunkt kauft und verkauft, aber die Suche nach einem dauerhaften Monopol, das ungestört hohe Renditen für seine Aktionäre erwirtschaften kann, ist in China oft vergebens. Sobald ein Unternehmen zu profitabel wird, setzt das System alles daran, diesen "übermäßigen" Gewinn wieder an die Gesellschaft zu verteilen – auf Kosten der Investoren.
Immer wieder enttäuschen wenn man in China investiert ist. Da leidest du das ganze Jahr wie ein Hund, bis auf wenn man Glück hat, zwei Wochen wo es dann kein halten gibt um dann wieder in Lethargie zu verfallen und auf irgendwas wartet… Quartalszahlen sind meist kein Auslöser mehr… wahrscheinlich muss die Regierung erst mal wieder den Stimulus Hammer auspacken um Impulse zu setzen… traurig
Immer wieder enttäuschen wenn man in China investiert ist. Da leidest du das ganze Jahr wie ein Hund, bis auf wenn man Glück hat, zwei Wochen wo es dann kein halten gibt um dann wieder in Lethargie zu verfallen und auf irgendwas wartet… Quartalszahlen sind meist kein Auslöser mehr… wahrscheinlich muss die Regierung erst mal wieder den Stimulus Hammer auspacken um Impulse zu setzen… traurig
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