Wirecard ohne Spam WKN: 747206 ISIN: DE0007472060 Kürzel: WDI Forum: Aktien User: aktientagebuch

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Kommentare 9.469
max_B
max_B, 29.05.2020 18:09 Uhr
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Die kriegen wohl Angst
Felix.89
Felix.89, 29.05.2020 18:07 Uhr
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Susquehanna hat reduziert von 0,55% auf 0,41% 💪
Felix.89
Felix.89, 29.05.2020 18:06 Uhr
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Guter Artikel Plotz, top! Denke der Vorteil durch den ganzen Wirbel rund um Wirecard ist wirklich, dass der Laden jetzt aufgeräumt wird und endlich Transparenz geschaffen wird.
W
Woife, 29.05.2020 18:06 Uhr
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Ich wollte nochmal was unter 90 😠
G
Goarana, 29.05.2020 18:03 Uhr
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Ich vermute mal da haben Leute versucht den Kurs unten zu halten über den Tag und haben vor dem langen Wochenende zurückgekauft
HowardZeitlos
HowardZeitlos, 29.05.2020 18:03 Uhr
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Mega mit über 94 ins weekend
B
BoersenRoookie, 29.05.2020 18:02 Uhr
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515000!
B
BoersenRoookie, 29.05.2020 18:02 Uhr
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Letztes volumen war fett
P
Plotz, 29.05.2020 17:45 Uhr
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MARKUS BRAUN UNTER DRUCK Was nun, Mister Wirecard? Foto: Nigel Buchanan Gründer Markus Braun hat zu viele Fragen zu seinen Bilanzen und fragwürdigen Partnern offen gelassen. Das Endspiel um den Bezahlkonzern dominiert jetzt ein neuer starker Mann.    Melanie Bergermann, Volker ter Haseborg, Lukas Zdrzalek 28.05.2020, 18:00 Uhr In den Morgenstunden des 27. April haben sie sich in der Wirecard -Zentrale zusammengefunden: sämtliche Vorstände, die Anwälte des Unternehmens und allerlei Helferlein. Sie warten. Und warten. Doch erst in der folgenden Nacht, um 1.30 Uhr, kommt die ersehnte E-Mail rein, mit dem Bericht des Wirtschaftsprüfers KPMG – das wohl wichtigste Dokument der Unternehmensgeschichte. Monatelang hatten die Prüfer untersucht, ob bei dem Zahlungsabwickler alles mit rechten Dingen zugeht. Nun ist der Bericht da. Aber der erhoffte Befreiungsschlag bleibt aus. Einige im Raum sollen blass geworden sein, als sie lasen, was die Prüfer schrieben. 7.50 Uhr geht der Bericht online. Um 9.30 Uhr äußert sich Vorstandschef Markus Braun. Er stecke noch mitten in der Auswertung, sagt er, sei „nur teilweise sprechfähig“. Aber so viel könne er doch sagen: Er sehe sein Unternehmen weitgehend entlastet. Es habe keine „schwerwiegenden Findings“ gegeben. „Nicht eine unserer Kennzahlen wurde infrage gestellt.“ Mit dieser Einschätzung aber steht er ziemlich allein. Foto: Laif Schwer durchschaubar: Ein Gebäude reflektiert den Wirecard-Sitz in Aschheim bei München. Eine schallende Ohrfeige Denn die Prüfer von KPMG hatten ihre Arbeit nach sechs Monaten zwar beendet, aber zu zentralen Punkten fehlte ein Ergebnis, weil zu viele Informationen nicht zur Verfügung standen. Die Prüfer können nicht bestätigen, dass milliardenschwere Transaktionen tatsächlich stattgefunden haben, die Wirecard über Partnerfirmen abgewickelt haben will. Nicht mal die Existenz von Treuhandkonten mit einem Guthaben von rund einer Milliarde Euro können sie zweifelsfrei verifizieren. Die Anleger reagieren sofort. Wirecards Aktienkurs stürzt um mehr als 30 Prozent ab. Manager der Fondsgesellschaften Union und Deka, zwei Schwergewichte, fordern personelle Konsequenzen. Seit Jahren tauchen rund um Wirecard immer neue Ungereimtheiten auf. Doch egal, wie heftig die Vorwürfe ausfallen, wie gut sie belegt sind: Die Wirecard-Vertreter reagieren darauf immer gleich. Abstreiten, kleinreden und zum Kern der Sache schweigen. Die Masche hatte immer funktioniert. Nun funktioniert sie nicht mehr. Zu den schon bekannten Ungereimtheiten kommen neue hinzu, die sich um einen für Wirecard sehr wichtigen Geschäftspartner in Dubai, milliardenschwere Treuhandkonten und zweifelhafte Kredite drehen. Manch ein Investor weiß nicht mehr, ob er den Zahlenwerken des Dax-Konzerns noch trauen kann. Die Veröffentlichung des Geschäftsberichts für das Jahr 2019 wurde gerade zum zweiten Mal verschoben. Hedgefonds wetten mit Unsummen darauf, dass Wirecards Aktienkurs weiter abstürzt. In der Zentrale des Zahlungsabwicklers, einem schlichten Zweckbau in Aschheim bei München, läuft eine Art Endspiel, ist erstmals sogar von einem möglichen Rücktritt Brauns die Rede. Das Chaos ordnen soll als zentrale Figur: Wirecards Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann. Ferrari  in der Tiefgarage Zweieinhalb Wochen nach dem schicksalhaften Tag im April bekommt Eichelmann einen Wutanfall. Laut und ungehalten soll er geworden sein. Der Grund: Per Twitter hatte sich gerade die Meldung verbreitet, dass einer von Wirecards wichtigsten und ziemlich mysteriösen Geschäftspartnern dichtmacht. Eichelmann wird von der Nachricht kalt erwischt, auch die Kommunikatoren des Dax-Konzerns wissen von nichts, glauben anfangs noch, dass es sich um „Fake News“ handele. Später versuchte man zwar, die Schließung als harmlos darzustellen. Doch das ändert nichts mehr. Mal wieder hat Wirecard eine peinliche Vorstellung geboten. Und Eichelmann hasst derlei Überraschungen – vor allem, wenn sie gehäuft auftreten. So wie Zum ersten Mal seit Jahren steckt der Wirecard-Vorstand ernsthaft in der Bredouille, weil die Investoren plötzlich sind, was sie seit Jahren hätten sein sollen: nämlich hellwach. Sie fragen kritisch nach, lassen sich nicht mehr mit Plattitüden abspeisen, fordern Aufklärung. Nicht von Braun, der hat ihnen schon zu lange zu viel erzählt. Sondern von Eichelmann. Der kantige Manager ist gelernter Banker und eher durch Zufall bei Wirecard gelandet. Nach zwei Jahren bei der Börse war für ihn Schluss. Danach führte er acht Jahre die Vermögensverwaltung von Milliardär Lutz Helmig, dem Gründer der Asklepios Kliniken. Seit 2018 hatte Eichelmann keinen Chefposten mehr inne. Stefan Klestil, seit mehr als zehn Jahren Aufsichtsrat von Wirecard, hat ihn angesprochen. Man kennt sich, man schätzt sich. Bis vor Kurzem galt die Wirecard-Spitze als verschworene Gemeinschaft. Der Vorstand besteht ausschließlich aus Eigengewächsen, den Aufsichtsrat bildeten bis vor wenigen Jahren drei Männer, die alle seit mehr als zehn Jahren dabei sind. Zwar wurde das Gremium 2016 erweitert. Schwergewichte aber fehlten. Dann kam Eichelmann. Ein statusbewusster Manager, der sich vor allem über beruflichen Erfolg definiert. Würde er aus dem Amt gejagt, weil es ihm nicht gelingt, Skandale aufzuarbeiten und die Firma wieder in geordnete Bahnen zu lenken, wäre das für ihn eine Demütigung. Das würde er nicht riskieren. In diesem Punkt sind sich alle einig, die ihn kennen. Selbst die, die ihn nicht mögen. Und davon gibt es offenbar viele. Die Spur führt in die Wüste Ehemalige Kollegen erinnern sich noch gut an Eichelmann. Nie wieder hätten sie einen Mann mit einem so großen Ego kennengelernt, sagen mehrere. Als Finanzvorstand der Deutschen Börse wollte er ein größeres Büro als das von Vorstandschef Reto Francioni für sich einrichten. Das Interieur soll extrem teuer gewesen sein. Auf dem Schreibtisch tickten seine Luxusuhren. Nur für ihn wurde die Dienstwagenregelung geändert, weil er darauf bestand, seinen Porsche  Cayenne von Altarbeitgeber Roland Berger als Dienstwagen mitzubringen. In der Tiefgarage parkte auf einem seiner Parkplätze häufig ein alter Ferrari . Als sich versehentlich mal ein Mitarbeiter auf seinen Platz stellte, parkte Eichelmann ihn zu. Und ließ den Mitarbeiter erst tief in der Nacht wieder raus. Gerne bestellte er auch Führungskräfte abends zum Rapport, um sie dann mitunter Stunden warten zu lassen. „Er hat damit seine Macht demonstriert“, sagt ein Exkollege. Ehemalige Mitarbeiter erinnern sich, wie er Kollegen vor versammelter Mannschaft angeschrien habe. Es hagelte Beschwerden in der Personalabteilung. Betriebsräte sagen: „Er hat ein Verhalten an den Tag gelegt, das wir so bei der Deutschen Börse noch nicht erlebt hatten.“ Schon nach kurzer Zeit hatten sich die anderen Vorstandsmitglieder der Börse von ihm „entfremdet“, weil er keine Rücksicht auf ihre Belange nahm. Selbst mit dem eher ruhigen Vorstandschef Francioni lieferte er sich ein Wortgefecht. Aufsichtsräte sagen, dass er auch den Kontrolleuren manchmal mehr Respekt hätte entgegenbringen können. Foto: Laif, dpa Zwei Alphatypen: Aufsichtsratschef Eichelmann (links) mag keinen Widerspruch. Vorstandschef Braun (rechts) eigentlich auch nicht. Eichelmann, sagt ein Beobachter, sei einfach gestrickt: Wenn er ein Ziel avisiert und den Weg dorthin festgelegt habe, dann stelle sich ihm besser niemand in den Weg. Begleiter meinen, dieselbe Regel gelte sicher auch bei Wirecard . Das Unternehmen startete Ende der Neunziger als Zahlungsabwickler vor allem für Glücksspiel- und Pornoseiten im Internet. Daraus ist ein globaler Player im elektronischen Geldtransfer geworden. Zahlt ein Verbraucher im Netz oder im Laden, etwa per Kreditkarte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Wirecard die Zahlung abwickelt, letztlich also dafür sorgt, dass das Geld des Verbrauchers beim Händler ankommt. Rund 68 Prozent des Konzerngewinns fällt bei einer Wirecard-Tochter in Dubai an. Diese wiederum erzielt den „weit überwiegenden Teil des Umsatzes“ mit Hilfe von Partnerfirmen, schreiben die Prüfer von KPMG. Die Spur zu einer dieser Partnerfirmen führt in die Wüste: Die Firma Al Alam residiert im Emirat Dubai. Sie weist als Unternehmenssitz den 19. Stock des Büroturms A der Al Kazim Twin Towers, Stadtteil Internet City, aus. Die WirtschaftsWoche war im November 2019 vor Ort, klingelte an zwei Tagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten, traf aber nur einmal eine Mitarbeiterin an. Foto: ddp images Wüsten-Connection: In Dubai macht Wirecard viel Geschäft mit Al Alam. Nun wird die Partnerfirma liquidiert. Welche Gesellschaft die Geschäfte fortsetzt, ist geheim. Milliardenschwere Geisterfirma Angestellte von Wirecard sagen, sie hätten bei ihren Besuchen in den Büros von Al Alam auch nur vereinzelt jemanden gesehen. Auf Mails der WirtschaftsWoche antwortet Al Alam seit Monaten nicht. Ans Telefon geht auch keiner. Wer die Geschäfte von Al Alam führt, ist nicht bekannt, genauso wenig, wem die Firma gehört. Al Alam sagt es nicht, auch Wirecard schweigt. Reporter der „Financial Times“ klapperten vor einigen Monaten 34 Kunden von Al Alam ab – meist Händler, die sie aus einer Datei von Wirecard hatten. Die meisten Kunden die die „FT“ erreichte, wollen von Al Alam aber nie etwas gehört haben. Wirecard entgegnete seinerzeit, bei den vermeintlichen Kundennamen handele es sich nur um Bezeichnungen für Kundengruppen, hinter denen jeweils Hunderte Händlerkunden stehen. Wirecard-Finanzvorstand Alexander von Knoop will alles erklären, in der Konzernzentrale in dem grauen Aschheimer Gewerbegebiet, an einem Dienstag im Dezember. Von Knoop empfängt im Konferenzraum New York, auf dem Tisch steht Adventsgebäck. Von Knoop sagt: Für Finanztransaktionen brauchen Zahlungsabwickler eine Lizenz. In Ländern, in denen Wirecard so eine Lizenz nicht hat, kooperiert das Unternehmen mit lizenzhaltenden Banken. Die Verbindung stellten Partnerfirmen wie eben Al Alam her, die an viele Banken angeschlossen seien. Ein Wirecard-Händlerkunde, dessen Transaktionen mithilfe eines solchen Partners abgewickelt werde, habe einen Vertrag mit der lizenzhaltenden Bank, nicht aber mit Wirecards Partnerfirma. Deshalb kenne der Kunde die Partnerfirma – also etwa Al Alam auch nicht. Von Knoops Version klingt plausibel, hat aber einen Haken: Sie passt nicht zu den Schilderungen der KPMG-Prüfer. Danach müsste Al Alam viel mehr sein als nur ein Vermittler von Bankkontakten. Laut KPMG wickelten Wirecards Partnerfirmen Kreditkartentransaktionen über eigene Plattformen für Händlerkunden ab, die Wirecard den Partnerfirmen vermittelt hatte. Das geschah, ohne dass Wirecard eine „direkte vertragliche Beziehung“ zu diesen Kunden hatte, schreibt KPMG. Bis 2019 hatte Wirecard offenbar nicht einmal Zugriff auf die Transaktionsdaten dieser Händlerkunden. Laut KPMG wäre Al Alam also kein banaler Kontaktevermittler, so wie von Knoop es darstellt, sondern vielmehr direkt mit Finanztransaktionen betraut. Wirecard äußert sich hierzu nicht. Ein Mitarbeiter, der nichts weiß Wie seriös Al Alam ist, kann wahrscheinlich am besten Oliver Bellenhaus, Wirecards Statthalter in Dubai, beurteilen. Kollegen fiel der schicke weiße Mercedes Benz  SLS AMG auf, mit dem er über die Wüstenpisten bretterte. Neupreis: um die 200.000 Euro. Gewohnt haben soll er in einem Apartment im höchsten Gebäude der Welt: dem Burj Khalifa, 828 Meter hoch. Bellenhaus ist Angestellter von Wirecard , soll aber auch der Mann sein, der bei Al Alam die Strippen zieht. Das berichten mehrere Wirecard-Mitarbeiter. Auch wenn Bellenhaus in keinem Register auftaucht, so soll er doch in den Büros von Al Alam gearbeitet und auch mit Kunden geredet haben. Wirecard erklärt, Bellenhaus arbeite nicht für Al Alam und sei an dem Unternehmen auch nicht direkt oder indirekt beteiligt. Ein Wirecard-Mitarbeiter sagt, er habe den Eindruck gehabt, dass Wirecard „problematische Kunden“, die das Unternehmen teilweise nicht in den eigenen Systemen hätte haben wollen, zu Al Alam geschoben habe. Darum habe sich Bellenhaus gekümmert. Wirecard äußert sich hierzu nicht. Die Umstände, unter denen Wirecards Umsätze beim Partner Al Alam entstehen, werden aber noch mysteriöser. Am 11. Mai erscheint in der Tageszeitung „Gulf Today“ eine Anzeige, wonach Al Alam aufgelöst wird. Wirecard erklärt hierzu später, die Firma in Dubai habe die Prüfer von KPMG bei einem Besuch im März bereits über den geplanten Schritt informiert. Die Geschäfte von Al Alam liefen unverändert weiter, nur eben künftig unter einem anderen Label, an einem anderen Standort. Weder Al Alam noch Wirecard wollen sagen, wie die neue Firma heißt. Die Anzeige in „Gulf Today“ benennt einen Mann, der für die Abwicklung von Al Alam zuständig sein soll. Die WirtschaftsWoche erreicht ihn in Jordanien. Zum Ende von Al Alam befragt, antwortet er: „I don’t know anything.“ Er wisse von nichts. Nach eigenen Angaben arbeitet er schon seit mehr als zwei Jahren nicht mehr für Al Alam. Laut Auskunft der Dubai Development Agency, dem Amt, bei dem sich Unternehmen registrieren müssen, wird er auch nicht als Geschäftsführer von Al Alam geführt. Al Alam äußert sich nicht. Wirecard erklärt, das Unternehmen sei nicht autorisiert, „öffentliche Angaben zu Al Alam zu machen“. Al Alam also bleibt ein Mysterium. Was Aktionäre besorgen sollte: Zugunsten von Partnerfirmen wie Al Alam unterhält Wirecard Treuhandkonten. Die sind gedacht für den Fall, dass bei den abgewickelten Transaktionen etwas schiefgeht. Wenn Gelder nicht ankommen, sollen die Partnerfirmen abgesichert sein. Ein solches Treuhandkonto wird gefüllt, indem die Partnerfirma Gebühren, die sie Wirecard schuldet, nicht an Wirecard abführt, sondern auf das Treuhandkonto überweist. Es sind also praktisch zurückgehaltene Gelder, die aber Wirecard gehören. Ende 2018 soll auf den Treuhandkonten eine Milliarde Euro gelegen haben – sagt Wirecard. KPMG erhielt jedoch keine Bestätigung der Bank, dass das Geld tatsächlich da war – eine Feststellung von enormer Tragweite: Denn eine Milliarde entspricht rund 80 Prozent der 1,2 Milliarden Euro, die Wirecard von 2015 bis 2018 vor Steuern verdient hat (siehe Grafik oben). Eine Summe in Höhe von annähernd vier Jahresgewinnen liegt also nicht auf einem normalen Geschäftskonto von Wirecard, sondern auf einem Treuhandkonto, an das Wirecard nicht ohne Weiteres ran kann – und zu dem KPMG nicht zweifelsfrei sagen kann, dass es existiert. Wirecard wollte dies nicht kommentieren. Welche Folgen es hätte, wenn das Geld nicht da wäre, zeigt ein Blick in die Bilanz: Wirecard wies Ende 2018 schnell verfügbare Finanzmittel zuzüglich Festgeld und Ähnlichem in Höhe von 2,9 Milliarden Euro aus. Auf den ersten Blick schwimmt das Unternehmen also im Geld. Aber: Von den 2,9 Milliarden Euro müssen 1,7 Milliarden Euro abgezogen werden, weil sie Kunden gehören, also von Wirecard nicht zur Zahlung eigener Rechnungen genutzt werden können. Abzüglich der Treuhand-Milliarde, blieben nicht einmal 200 Millionen Euro als schnell verfügbare Mittel (sogenannte Zahlungsmittel oder Äquivalente) übrig, um laufende Rechnungen zu bezahlen – also so gut wie nichts für einen Milliardenkonzern. Allein die jährlichen Personalkosten des Unternehmens liegen höher. Wirecard wollte dies nicht kommentieren. Auftritt des Governance-Papstes Wenn Aktionäre einen Dax-Konzern in die Zange nehmen, ist Christian Strenger für gewöhnlich vorn mit dabei. Der Mann, Jahrgang 1943, ist keineswegs altersmüde, obwohl er auf eine fordernde Laufbahn zurückblickt: Anfang der Neunziger wurde er Chef der DWS, der Fondstochter der Deutschen Bank . Nach der Jahrtausendwende gründete er die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex mit, die Leitbilder guter Unternehmensführung entwickelt. Strenger ist bei dem Thema so etwas wie der hiesige Gralshüter, sein Wort hat Gewicht. Er sagt: „Der Konzern und Vorstandschef Braun wären bestens beraten, die offenen Fragen überzeugend zu klären.“ Er könne aber „nicht erkennen, dass die Bereitschaft dazu besonders groß ist“. Bilanzprüfer EY in der Kritik Damit hat Strenger womöglich recht. Insider halten es für unwahrscheinlich, dass KPMG weiter der Frage nachgehen darf, ob auf den Treuhandkonten Ende 2018 tatsächlich eine Milliarde Euro lag. Man konzentriere sich jetzt auf 2019, heißt es bei Wirecard . Da soll auf vier neuen Treuhandkonten bei zwei neuen Banken schon bald doppelt so viel Geld gelegen haben. „Für die Investoren ist entscheidend, dass das Guthaben Ende 2019 da war“, sagt einer der Verantwortlichen. Daraus könne man dann ableiten, dass auch in den Vorjahren alles in Ordnung war. 2018 sei irrelevant. Ganz richtig ist das nicht. Denn dann müsste immer noch geklärt werden, wo das Guthaben auf den neuen Konten bei den neuen Banken her kam. Insider vermuten, dass 2018 auch deshalb nicht mehr thematisiert werden soll, um die Wirtschaftsprüfer von EY zu schützen. Diese hatten im Frühjahr 2019 erklärt, dass Wirecards 2018er-Bilanz korrekt ist. Nur zweifeln mittlerweile selbst überzeugte Wirecard-Insider, dass EY die hierfür erforderlichen Vorgaben alle erfüllt hat. Eine dieser Pflichten: Wie Sonderprüfer KPMG hätte auch der reguläre Jahresprüfer EY sich die Summen auf Wirecards Konten von den Banken bestätigen lassen müssen. Bestätigungen über Konten müssen direkt von der Bank kommen, ohne Umweg über das Unternehmen oder einen Treuhänder. Nur das Zeugnis der Bank zählt. Das ist Pflicht. Ob EY dem für das Jahr 2018 nachgekommen ist, lässt sich nicht klären. EY schweigt. Laut KPMG hat EY Bestätigungen über Guthaben auf Treuhandkonten für Ende 2019 zur Verfügung gestellt. Es bleibt offen, ob das für 2018 auch der Fall war. Ein Wirecard-Insider, der es wissen sollte, sagt, dass der für das Milliardenkonto zuständige Treuhänder alle Unterlagen vorgelegt habe. Von einer zusätzlichen Bankbestätigung wisse er nichts. Strenger fordert: „Gerade Eichelmann muss bei EY klären, welche Belege die für welche Posten hatten.“ Doch käme dann heraus, dass EY seine Pflichten verletzt hat, müsste der Prüfer sein Testat für 2018 womöglich zurückziehen. Ein Dax-Wert ohne testierte Bilanz? „Der Schaden für Wirecard wäre unermesslich“, sagt ein Insider. Wirecards Milliarden-Rätsel Ein Wirecard-Kenner sagt, dass die EY-Prüfer den Eindruck vermittelten, alles richtig gemacht zu haben und deshalb den Abschluss für 2019 freizeichnen wollten. Die zuständigen Prüfer hätten das aber nicht mehr in der Hand. Zu viele bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft würden sich in den Fall jetzt einmischen, selbst Manager der Dachorganisation in den USA. Deshalb sei die Veröffentlichung des Jahresabschlusses nun auch noch mal um zwei Wochen nach hinten geschoben worden. Eichelmann scheint auch nicht zu 100 Prozent von EY überzeugt. Erst Ende 2018 hatte Wirecard die Jahresabschlussprüfung pflichtgemäß neu ausgeschrieben. EY gewann das Mandat erneut und hätte danach eigentlich zehn weitere Jahre Wirecard prüfen können. Dennoch wurde das Mandat in diesem Jahr abermals neu ausgeschrieben. 250 Millionen Euro für die Partner Auch Eichelmann muss ganz sicher sein, dass gerade im Bermudadreieck aus Wirecard, Prüfer und Partnerfirmen nichts verloren geht. Der Aufsichtsratschef muss sich sogar noch um einen weiteren Punkt kümmern: Zwei der drei gewichtigsten Partnerfirmen von Wirecard haben vom Dax-Konzern eine unbesicherte Kreditlinie von zusammen 250 Millionen Euro erhalten. Die Partnerfirmen sollten damit ihre Händlerkunden finanzieren, die Kredite also praktisch weiterreichen. Ob das Geld wie geplant verwendet wurde, konnte KPMG aber nicht prüfen. Nachweise, dass Wirecard die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kreditnehmer, also der Partnerfirmen, geprüft hat, gab es auch nicht. Wirecard erklärt, das Unternehmen werde sich zum Geschäft mit den Partnerfirmen sowie den Treuhandkonten und dem Risikomanagement äußern, wenn das Unternehmen den Jahresabschluss vorlegt. Strenger jedenfalls findet es „sehr ungewöhnlich, dass Wirecard eine solch große Summe vorstreckt, obwohl es sich bei den Firmen doch angeblich nur um Abwicklungspartner“ handele. „Wofür brauchen die wirklich so viel Geld?“  Deka „Wir fordern den Rücktritt von Markus Braun“ Diese Frage sollte auch Eichelmann stellen. Bei seiner Erfahrung als Aufsichtsrat dürfte er das wissen. So diente er unter anderem als Vorsitzender bei der Münchner V-Bank, dem Automobildienstleister Edag  und beim Baukonzern Hochtief . Zwar fühlten sich nicht immer alle Aufsichtsratsmitglieder der Firmen von Eichelmann gut informiert, aber im Großen und Ganzen attestieren sie ihm, einen ganz guten Job gemacht zu haben – auch Gewerkschafter, die ihn nicht geliebt haben. „Der hat die Herrschaften aus dem Vorstand auch mal rundgemacht“, lobt ein Arbeitnehmervertreter. Alles oder nichts Ein Alles-oder-nichts-Spiel wie bei Wirecard  sei genau nach seinem Geschmack, sagen Personen, die ihm nahestehen. Allerdings ist das Risiko enorm. Eichelmann haftet persönlich für Schäden, die entstehen, wenn er seine Kontrollpflicht verletzt. „Letztlich muss Eichelmann allen problematischen Punkten nachgehen, die der KPMG-Bericht aufwirft“, sagt der Frankfurter Kapitalmarktrechtler Klaus Nieding. „Sonst gerät er selbst in die Haftung.“ Bei Eichelmann wäre einiges zu holen. Er besitzt mehrere Häuser und mehr als ein Dutzend teure Sportwagen und Oldtimer. Vor allem als Chef der Vermögensverwaltung Aton soll er üppig verdient und insgesamt ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe aufgebaut haben. Es wird ständig neu gerechnet Einen ersten Fehler könnte er gemacht haben, als er in einem Interview mit dem „Manager Magazin“ im Januar zu verstehen gab, KPMG habe bislang nichts Relevantes zu Tage geführt. Ein Insider sagt zwar, das sei die Wahrheit gewesen. KPMG sei erst Anfang April nervös geworden, „als die Prüfer Unterlagen, die man ihnen zugesagt hatte, nicht erhielten“. Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka meint: „Eichelmann hat sich damit unnötig selbst unter Druck gesetzt.“ Für Unmut sorgt auch, dass Eichelmann kurz nach Erscheinen des KPMG-Berichts Braun das Vertrauen aussprach. Dadurch hinterließ er den Eindruck, die Erkenntnisse nicht ernst zu nehmen. Daraus abzuleiten, dass alle Vorstände mit Sicherheit an Bord bleiben, wäre aber falsch. Ihre Verträge, die alle Ende 2020 auslaufen, wurden noch nicht verlängert. Wie es weitergeht, hängt auch davon ab, ob EY den Jahresabschluss 2019 uneingeschränkt testiert. Einer, der Eichelmann nahesteht, schätzt es so ein: „Wenn der Schaden durch Brauns Weggang kleiner ist, als wenn er bleibt, setzt Eichelmann ihn ab.“ Diese Rechnung werde permanent justiert. Für Braun ist das neu. Der 50-Jährige ist genauso ein Alphamann wie sein Aufsichtsratschef, lässt sich genauso wenig einbremsen. Als Großaktionär von Wirecard, seit Gründung dabei und maßgeblich für den Erfolg verantwortlich, genießt er Autorität wie kein anderer Dax-Chef im eigenen Betrieb. Jetzt hat er einen starken Gegenspieler, von denen es aber noch mehr braucht. Foto: Laif Aufgehender Stern: Hauke Stars, Vorständin der Deutsche Börse, soll Wirecards Aufsichtsrat verstärken. Mit Susana Quintana-Plaza ist gerade eine fähige Aufsichtsrätin ausgestiegen. In Wirecard-Kreisen heißt es, der Rücktritt hänge mit ihrem neuen Job als Vorstand eines portugiesischen Energieunternehmens zusammen. Nur hat sie den Posten schon seit einem Jahr. Es fällt auch auf, dass sie weder zur Hauptversammlung noch zumindest zum Ende des Monats ging, sondern mit Wirkung zum 7. April zurücktrat, was Wirecard erst drei Wochen später bekannt gab, nachdem Quintana-Plaza das Ende ihrer Amtszeit auf ihrem LinkedIn-Profil vermerkt hatte. Das spricht nicht für einen Abschied in bestem Einvernehmen. In ihrem Umfeld heißt es, ihr neuer Job sei fordernd. Sie sei aber auch unzufrieden mit der Informationspolitik gegenüber dem Aufsichtsrat bei Wirecard gewesen. Wirecard erklärt, Quintana-Plaza habe einen Vorstandsposten übernommen. Über Aufsichtsratssitzungen berichte das Unternehmen nicht. Im Konzern rechnen einige damit, dass auch die ehemalige Telekom-Managerin Anastassia Lauterbach den Aufsichtsrat im kommenden Jahr verlässt. Eichelmann und sie sind nicht die besten Freunde. Zudem geht 2021 auch der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Wulf Matthias. Weil Eichelmann den Aufsichtsrat noch um zwei Personen erweitern will, braucht er insgesamt also fünf neue Kandidaten. Mit Hauke Stars, Vorständin der Deutschen Börse, ist jedoch erst eine neue Aufsichtsrätin gefunden. Eichelmann nahestehende Personen zweifeln auch daran, dass er selbst die vollen fünf Jahre Amtszeit bei Wirecard bleibt. Zwar strebt er angeblich selbst keinen Chefposten mehr an. Aber er würde gerne bei unterschiedlichen Unternehmen in den Aufsichtsrat. Das ist neben einem so fordernden Job wie bei Wirecard aber kaum möglich. Noch dazu braucht er Zeit für sein Hobby: schnelle Autos. Eichelmann fährt auch das eine oder andere der bei den Reichen beliebten Rennen, so die Kitzbüheler Alpenrally mit einem Porsche  Targa. Krankhaft ehrgeizig sei er nicht, heißt es. Aber Erster werde er doch ganz gern. Das ist umso verständlicher, seit er bei Wirecard ist. Denn große Siege kann er dort wohl eher nicht einfahren.
Felix.89
Felix.89, 29.05.2020 17:29 Uhr
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@Plotz: gerne reinkopieren würde mich interessieren.
M
Maho97, 29.05.2020 15:56 Uhr
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kann mir jemand einen link schicken von der blackrock aufstockung auf 16 millionen? ..findes es nirgends
P
Plotz, 29.05.2020 15:51 Uhr
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Soll ich mal versuchen den wiwo Artikel hier rein zu kopieren? Hab die wiwo abonniert....Ist halt relativ lang. Ist übrigens gar nicht so auf MB fokussiert sondern stellt eher den Eichelmann in den Vordergrund. Diese Passagen fand ich ganz interessant....
Daven
Daven, 29.05.2020 15:40 Uhr
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Existenz von 1 Mrd. € in den Wirecard-Konten wird noch hinterfragt. Nicht zu verwechseln: 1. Dies war eine Sicherheit zugunsten der TPA. 2. Sie wurden von TPAs zurückgehalten und an Treuhänder 1 ausgezahlt. 3. 1 Mrd. € war ein Zahlungsstrom über 3 Jahre und keine Bilanzposition.
WhatsNext
WhatsNext, 29.05.2020 15:22 Uhr
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Das ist klar, dass er jetzt nicht kaufen würde wenn ihm klar ist, dass das testat nicht erteilt wird. Trotzdem wäre es ein Handel trotz Insiderwissen auch wenn er Verluste macht. Das closing wäre in dem Fall nicht gegeben.
derElmo
derElmo, 29.05.2020 15:17 Uhr
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Whatsnext naja ich glaube nicht das er sich dann strafbar macht, da er sich ja benachteiligt und keinen InsiderVORteil hat... Wenn er weiß das es runter würde ich doch warten bis nach dem Abschluss und günstig kaufen
derElmo
derElmo, 29.05.2020 15:16 Uhr
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