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Absatzschock

Mercedes rutscht nach China-Einbruch auf Jahrestief 07.10.2026, 13:16 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Erst Rückenwind aus Brüssel, dann Gegenwind aus China. Berichte über mögliche EU-Importgrenzen für chinesische Hybridautos hatten die Aktie von Mercedes-Benz am Mittwochvormittag zeitweise bis auf 41,52 Euro getrieben – dann legte der Stuttgarter Konzern seine Absatzzahlen für das dritte Quartal vor. Inzwischen notiert das Papier rund 3,7 Prozent im Minus bei 39,04 Euro und markierte zwischenzeitlich mit 38,91 Euro den tiefsten Stand seit mindestens einem Jahr. Entsprechend düster ist der Ton bei den Anteilseignern.

In China bricht fast ein Drittel weg

Von Juli bis September setzte Mercedes-Benz 407.200 Pkw ab, 8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In China waren es nur noch 86.800 Fahrzeuge und damit fast ein Drittel weniger. Zuwächse in Deutschland und den USA reichten nicht, um das auszugleichen. Schon im ersten Halbjahr war der China-Absatz um rund ein Drittel geschrumpft. Der Konzern spricht von einem weiterhin schwierigen Marktumfeld und intensivem Wettbewerb.

Überrascht zeigt sich unter Aktionären kaum jemand – die Zahlen gelten als erwartbar, der Markt habe sie längst eingepreist, heißt es. Aus Anlegersicht liegt das Problem tiefer als in einem schwachen Quartal: Wer einmal ein chinesisches Luxusauto Probe gefahren habe, verstehe, warum Mercedes dort kaum noch Käufer finde. Das China-Geschäft wird teils bereits ganz abgeschrieben. Die Stimmung zu diesem Punkt: resigniert.

Weniger Luxus, weniger Marge

Besonders schmerzhaft ist der Rückgang im Spitzensegment, zu dem die S-Klasse, Maybach und AMG zählen. Dort ging der Absatz um gut ein Fünftel zurück – ausgerechnet in dem Bereich, der traditionell die höchsten Margen liefert. Auf Aktionärsseite wird genau dieser Zusammenhang hervorgehoben:

Weniger Autos mit weniger Marge ist weniger im Quadrat.

Lichtblicke gibt es dennoch. Mercedes verkaufte so viele vollelektrische Autos wie nie zuvor in einem Quartal, in Europa war nahezu jeder dritte Pkw ein Stromer. Außerhalb Chinas stieg der Pkw-Absatz zum dritten Mal in Folge. Dass die Elektro-Offensive Boden gutmacht, erkennen Investoren durchaus an – zugleich wird angemahnt, Mercedes müsse sich stärker an dem orientieren, was Kunden tatsächlich wollen. Die Einordnung bleibt damit verhalten: Anerkennung für den Elektro-Fortschritt, aber wenig Zuversicht, dass er den Luxus-Schwund aufwiegt.

Brüssel will chinesische Hybride bremsen

Den kurzen Höhenflug am Vormittag hatte der Handelskonflikt mit China ausgelöst. Die EU-Kommission bereitet Kreisen zufolge befristete Schutzmaßnahmen gegen chinesische Hybridautos vor, etwa Zollkontingente. Deren Verkäufe in Europa sind zuletzt stark gestiegen, während reine Elektroautos aus China bereits mit hohen EU-Zöllen belegt sind. Schon im September hatte Brüssel Peking zu einer freiwilligen Begrenzung der Exporte aufgefordert. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fordern zudem neue Schutzinstrumente gegen marktverzerrende Praktiken. Peking reagierte mit dem Vorwurf des Protektionismus; EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič wird am Donnerstag und Freitag zu Gesprächen in China erwartet.

Für Mercedes verpuffte der Effekt schnell. Auch BMW drehte ins Minus und verliert aktuell 2,7 Prozent auf 52,86 Euro, während Volkswagen mit einem Plus von 0,9 Prozent auf 69,23 Euro einen Großteil seiner Gewinne wieder abgegeben hat. Wie abrupt die Autowerte nach dem Anstieg abverkauft wurden, fällt vielen Aktionären auf – die Bewegung wird als Rückfall auf den Ausgangspunkt beschrieben, kaum dass der Tag gut ausgesehen hatte.

Pre-Close-Call als nächster Prüfstein

Vor einem Jahr kostete die Aktie noch rund 53,50 Euro, im Jahreshoch sogar 62,33 Euro. Am Donnerstag will der Konzern in einem Pre-Close-Call Einblicke in das dritte Quartal geben, die vollständigen Zahlen folgen am 28. Oktober. Unter Anlegern überwiegt bis dahin der Pessimismus: Autowerte hätten kaum noch Kraft, sich gegen den Abwärtsdruck zu stemmen, ein Ende des Abverkaufs sei nicht in Sicht. Offen bleibt aus Aktionärssicht auch, welche Rolle das laufende Aktienrückkaufprogramm angesichts des Kursverfalls noch spielen könnte. Gegen die Wucht der China-Zahlen kommt die Hoffnung auf den Elektro-Schwung vorerst nicht an.

Bn-Redaktion/sb
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