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Enteignungsdebatte

Vonovia fällt auf Jahrestief und fängt sich 05.10.2026, 11:21 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Name Aktuell Diff. Börse
Vonovia 16,83 EUR +0,19 % Baader Bank
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Zum Wochenstart ist die Vonovia-Aktie am Morgen bis auf 16,65 Euro abgesackt – so tief stand das Papier seit mindestens einem Jahr nicht mehr. Inzwischen hat sich der DAX-Konzern gefangen und notiert mit 16,89 Euro rund 0,4 Prozent im Plus. Über allem schwebt die Regierungsbildung in Berlin, wo die Linke als Wahlsiegerin auf die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne pocht. Unter Aktionären ist der Ton entsprechend gereizt.

Linke will 220.000 Wohnungen in kommunale Hand

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent klar stärkste Kraft geworden. Ihr Ziel: große Wohnungskonzerne vergesellschaften und so rund 220.000 Wohnungen in kommunale Hand bringen. Die Grünen stehen dem Vorhaben offen gegenüber, SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hatte Enteignungen im Wahlkampf dagegen ausgeschlossen. Sondiert wird allerdings noch nicht: Für Mittwoch ist ein drittes Vorgespräch geplant, bei dem es vor allem um den Umgang mit Antisemitismus und organisierter Kriminalität gehen soll.

Auf Aktionärsseite beherrscht das Berlin-Thema die Diskussion – und mit ihm das Unverständnis darüber, wie stark eine bislang rein politische Debatte auf dem Kurs lastet.

Unfassbar, dass nur das Vergesellschaftungsthema eine Rolle spielt. Im Grunde nur eine Diskussion und nichts Handfestes. Es gibt weder Anträge noch sonst etwas. Ein Gedanke allein kann Vonovia so knebeln.

Dass am Ende tatsächlich vergesellschaftet werde, gilt aus Anlegersicht als wenig wahrscheinlich, weil die Folgen zu gravierend wären. Der Haken: Solange die SPD Vorgespräche und spätere Sondierungen nicht abbreche, dürfte das Thema die Aktie noch monatelang begleiten. Die demonstrative Offenheit von Grünen und SPD wird zudem eher als taktisches Manöver gedeutet, um der Linken Themen abzunehmen. Beruhigt hat das die Stimmung bislang kaum.

Deutsche Wohnen leidet mit, LEG hält sich

Dass vor allem das Berlin-Risiko auf den Kursen lastet, legt der Blick auf die Branche nahe. Die Konzerntochter Deutsche Wohnen, deren Bestand stark auf die Hauptstadt ausgerichtet ist, liegt heute zwar 0,7 Prozent im Plus bei 15,52 Euro, hat auf Wochensicht aber knapp 3 Prozent abgegeben – ähnlich viel wie Vonovia. LEG Immobilien, die vor allem in Nordrhein-Westfalen vermietet, steht mit 45,61 Euro dagegen leicht über dem Niveau der Vorwoche. Bei Vonovia summiert sich das Minus binnen zwölf Monaten auf fast 37 Prozent.

Gerade dieser Kontrast sorgt unter Aktionären für Frust. Der Rücksetzer am Morgen sei ohne erkennbaren Anlass gekommen, obwohl Ölpreis und Anleiherenditen nachgegeben hätten – eigentlich Rückenwind für zinssensible Immobilienwerte. Der Einwand der Gegenseite: Mit den Zinsen habe die aktuelle Schwäche wenig zu tun, wer so argumentiere, denke zu eng. Der Ton bleibt gedrückt, teils resigniert: Positive Anzeichen seien derzeit schlicht nicht zu erkennen.

Neue Marke Veveus soll Geschäft jenseits der Miete stärken

Operativ setzt Vonovia derweil eigene Akzente. Auf der Immobilienmesse Expo Real stellt der Konzern die neue Marke Veveus vor, unter der er Investment-, Asset-, Property- und Facility-Management für institutionelle Eigentümer bündelt. Schon heute bewirtschaftet Vonovia rund 75.000 Wohnungen im Auftrag Dritter; im Segment Value-add stiegen die externen Erlöse im ersten Halbjahr um 13,8 Prozent auf 79,2 Millionen Euro. Bis 2028 sollen die Aktivitäten außerhalb der Vermietung 20 bis 25 Prozent zum bereinigten operativen Ergebnis (Adjusted EBITDA Total) beisteuern.

Die Debatte unter Aktionären kreist dennoch weniger um das neue Geschäft als um den Abstand zwischen Substanz und Börsenkurs. Die Schere zwischen fairem Wert und Kurs sei inzwischen extrem weit geöffnet. Wer dagegen auf die anhaltende Abwärtsbewegung schaut, hält wenig von solchen Rechnungen: Hoffnung sei keine Strategie. Nur Neubau könne den Berliner Wohnungsmarkt wirklich entlasten, wird zudem eingewandt. Die Anleger-Stimmung pendelt damit zwischen trotziger Zuversicht und wachsender Ermüdung. Neue Signale aus Berlin dürfte frühestens das Vorgespräch am Mittwoch liefern.

Bn-Redaktion/sb
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