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Unter 100 Dollar

Ölpreis knickt nach Vorstoß am Roten Meer ein 06.10.2026, 13:25 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Öl (Brent) 97,44 USD -2,79 % Ariva Indikation
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Brent kostet wieder weniger als 100 Dollar je Barrel. Nach dem Vorstoß saudisch unterstützter Regierungstruppen im Jemen an die Meerenge Bab el-Mandab, das südliche Nadelöhr des Roten Meeres, gibt die Nordseesorte am Dienstag rund 1,9 Prozent auf 98,33 Dollar nach – zur Eröffnung hatte sie noch knapp über der runden Marke notiert. Unter Anlegern löst die Bewegung eher nüchterne Gelassenheit als Erleichterung aus.

Regierungstruppen melden Kontrolle über die Meerenge

Die international anerkannte Regierung des Jemen hatte am Montag eine Offensive gestartet, um die Küste um Bab el-Mandab bis zur Hafenstadt Mocha von den Huthi-Rebellen zurückzuerobern. Saudi-Arabien griff nach eigenen Angaben Hunderte Ziele an, um die Bodentruppen aus der Luft zu unterstützen. Am späten Montagabend erreichten die Regierungseinheiten die Außenbezirke von Mocha, inzwischen reklamieren sie die Kontrolle über die Meerenge für sich. Die vom Iran unterstützten Huthis bestreiten dagegen, an Boden verloren zu haben.

Die Wasserstraße zwischen Jemen und dem Horn von Afrika ist eine der wichtigsten Routen für Öltanker zwischen der Golfregion, dem Suezkanal und Europa. Zuletzt hatten Geländegewinne der Huthis und Angriffe auf saudische Ölanlagen den Preis gestützt. Diese Risikoprämie bröckelt nun: Vom Tageshoch bei 100,95 Dollar ging es zeitweise bis auf 97,84 Dollar abwärts. Das US-Leichtöl WTI verbilligt sich um knapp 1,9 Prozent auf rund 87,60 Dollar und hat im Wochenverlauf gut 7 Prozent eingebüßt.

Aus charttechnischer Anlegersicht ist der Rückzug damit aber noch nicht ausgemacht. Brent bilde zwar niedrigere Tiefs, aber eben auch keine höheren Hochs, im kurzfristigen Chart sei der Aufwärtstrend weiter erkennbar. Als Hürde wird der Bereich um 98,50 Dollar gesehen – genau dort pendelt die Nordseesorte derzeit. Der Ton bleibt abwartend.

Iran verliert seine wichtigste Einnahmequelle

Die zweite Front des Ölmarkts liegt weiter am Persischen Golf. Durch die US-Blockade sind die iranischen Ölexporte massiv eingebrochen, im Land selbst fehlt Benzin. Mitten in dieser Lage ist Ölminister Mohsen Paknejad zurückgetreten, Präsident Masoud Pezeshkian setzte den Chef der staatlichen Ölgesellschaft NIOC, Hamid Bovard, als amtierenden Minister ein. Der Konflikt um die Straße von Hormus hält Brent trotz des Rückgangs rund 50 Prozent über dem Niveau des Vorjahres – vom Jahreshoch bei 132,60 Dollar ist der Preis allerdings weit entfernt.

Ob die Entspannung trägt, wird auf Aktionärsseite unterschiedlich gelesen. Auf der einen Seite steht die Erwartung, dass eine Lösung am Golf noch eine Weile auf sich warten lassen dürfte – eigentlich müsste der Ölpreis deshalb eher wieder anziehen. Die Gegenposition lautet, die Krisenlage sei längst in den Preisen enthalten:

Da muss schon echt mehr passieren als diplomatische Watschn, dass Brent signifikant steigt. Im Gegenteil: ich finde es schon signifikant, dass es bei so einer Meldung NICHT steigt.

Dass der Preis selbst auf ungünstige Nachrichten aus dem Iran nicht mehr nach oben springt, gilt in dieser Lesart als Zeichen, dass der Markt die Risiken bereits verarbeitet hat. Die Stimmung schwankt damit zwischen Misstrauen gegenüber der Ruhe und demonstrativer Gelassenheit.

Ölkonzerne geben nach, DAX legt zu

Der fallende Ölpreis belastet die großen Energiewerte. BP verliert in London knapp 1,5 Prozent, TotalEnergies gibt rund 0,5 Prozent auf 75,14 Euro nach, und Shell notiert 0,4 Prozent tiefer bei 42,78 Euro. Der DAX steigt dagegen um rund 0,5 Prozent auf gut 25.440 Punkte.

Sollte sich die Lage am Roten Meer tatsächlich beruhigen, könnte die Risikoprämie weiter abschmelzen. Solange die iranischen Exporte blockiert bleiben, dürfte der Ölpreis jedoch anfällig für neue Ausschläge bleiben – die Grundstimmung unter Anlegern bleibt entsprechend zurückhaltend.

Bn-Redaktion/sb
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