Völkerrecht und Genozid

Neue Minister-Empfehlung für Schulen 14.06.2026, 17:41 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und neuen Diskussionen im Zusammenhang etwa mit den Kriegen in Nahost sollen Deutschlands Schüler stärker für die jeweiligen historischen Hintergründe sensibilisiert werden. Die Bildungsministerkonferenz hat eine entsprechende Empfehlung für die Länder und ihre Schulverwaltungen beschlossen, wie sie in Berlin mitteilte. Zudem zielen die neuen Handreichungen darauf, die Schüler fit zu machen für einen souveränen Umgang mit Falschinformationen und historisierenden Behauptungen in sozialen Medien.

Neben bisher schon zentralen Themen wie Nationalsozialismus und Holocaust sowie DDR-Diktatur werden daher nun weitere Komplexe in die Empfehlung neu aufgenommen oder stärker akzentuiert. Eine inhaltliche Auseinandersetzung soll es nun unter anderem auch geben mit:

* verschiedenen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie deren Bedeutung für Demokratie und Zusammenhalt,

* ideologischen Kontinuitäten bis hin zu extremistischen Gewalttaten der Gegenwart,

* dem Völkerrecht, aktuellen Konflikten sowie der Entwicklung und Veränderbarkeit von Grenzen,

* Fluchtbewegungen und ihren historischen Ursachen,

* Genoziden, ethnischen "Säuberungen" und historischen wie modernen Formen von Imperialismus und Kolonialismus.

Die Aktualisierung erfolgt vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen der vergangenen Jahre: Das Thema Flucht und Migration hat an Bedeutung gewonnen, Rechtsextremismus-relativierende Argumentationen gewinnen an Boden etwa in Teilen Ostdeutschlands, und in der ethnisch vielfältigeren Bevölkerung wächst die Polarisierung. Im Zuge des Hamas-Überfalls auf Israel und des anschließenden Gaza-Kriegs nahmen antisemitischer Tendenzen zu - über die Rechtmäßigkeit des Iran-Kriegs und die deutsche Haltung dazu wird heftig gestritten.

"Es geht darum, junge Menschen stark zu machen, damit sie Zusammenhänge verstehen, Verantwortung übernehmen und unsere Demokratie schützen können", erklärte die derzeitige Präsidentin der Ministerkonferenz, Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler). "Gerade in Zeiten von Desinformation und digitaler Manipulation brauchen junge Menschen Orientierung und die Fähigkeit Fakten von Fälschungen zu unterscheiden."

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