Fünf Rekordjahre in Folge, 21 Prozent operative Marge, eine Bilanz wie ein Fels – und trotzdem kennt kaum ein Anleger dieses belgische Technologieunternehmen hinter den WM-Bildern.
Dienstagabend in Dallas, ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag: Frankreich trifft im WM-Halbfinale auf Spanien – und lange sieht es nach einem Debakel für die Équipe Tricolore aus. Dann, in der 61. Minute, wirbelt Lamine Yamal durch den Strafraum und trifft zum vermeintlichen 3:0. Jubel bei den Spaniern, Ernüchterung bei den Franzosen. Doch der Treffer zählt nicht – der Youngster wird eines knappen Abseits überführt.
Bevor die Entscheidung feststeht, läuft weltweit auf Millionen Bildschirmen dasselbe Ritual ab, das dieses Turnier seit Wochen prägt: Standbild, Superzeitlupe, ein zweiter Blick aus einem anderen Kamerawinkel, ein dritter – bis jeder Zentimeter zwischen Ball und Abwehrreihe sichtbar wird. Am Ende gewinnt der Weltmeister von 2010 dank eines Elfmeters von Mikel Oyarzabal in der 22. Minute und eines Treffers von Pedro Porro in der 58. Minute mit 2:0 und zieht ins Finale ein.
Wer nun nach Aktien sucht, die von diesem Milliardenspektakel profitieren, denkt vielleicht zunächst an die Sportbekleidungshersteller wie Nike oder an die großen Namen der Werbebanden: Adidas als offizieller Ausrüster und Hersteller des Spielballs, Coca-Cola mit seiner monatelangen Trophy Tour durch die Gastgeberländer, Visa als exklusiver Zahlungsdienstleister in Stadien und Fan-Zonen oder Lenovo, dessen Technik im Hintergrund sogar bei der Abseitserkennung mithilft. Sie alle sind mit Milliardenbudgets omnipräsent.
Und doch hat an jenem Zeitlupenmoment, der am Dienstag Millionen Zuschauer den Atem anhalten ließ, keiner dieser Sponsoren einen Anteil. Wer wirklich dafür sorgt, dass die entscheidenden Bilder in Sekundenbruchteilen in Zeitlupe auf den Bildschirmen dieser Welt landen, kennt kaum jemand: EVS aus Lüttich, ein unscheinbares belgisches Unternehmen, das die Server- und Softwaretechnologie liefert, mit der Live-Bilder in Echtzeit aufgezeichnet, in Zeitlupe aufbereitet und an die Sender weitergegeben werden. Für die laufende Weltmeisterschaft stellt EVS im Auftrag des offiziellen Weltbild-Produzenten einen Großteil dieser Infrastruktur.
Doch die WM ist dabei nur eines von vielen Events für EVS. Olympische Spiele, Motorsport, Konzerte, Nachrichten oder Preisverleihungen – überall dort, wo Live-Bilder in Sekundenbruchteilen aufbereitet und verteilt werden müssen, gehört EVS zu den festen Größen der Branche und gilt als verlässlicher Technologiepartner für die wichtigsten Live-Momente.
Und zudem profitiert EVS von der zunehmenden Digitalisierung und dem Innovationsdruck in den unzähligen Newsrooms weltweit und gewinnt kontinuierlich Marktanteile. So meldete EVS zum Beispiel Ende 2025, dass der NDR sein bisheriges Redaktionssystem für die Tagesschau durch die Content-Management-Lösung MediaCeption von EVS – inklusive KI-gestützter Workflows, die den täglichen Nachrichtenbetrieb beschleunigen sollen ersetzt.
Quelle: NDR modernisiert Newsproduktion mit EVS-Technologie
Gegründet 1994, um störanfällige Bandmaschinen im Fernsehstudio durch digitale Festplattenrecorder zu ersetzen, wurde die daraus entwickelte Zeitlupentechnik binnen weniger Jahre zum weltweiten Standard im Sportfernsehen. Seit dem Amtsantritt von CEO Serge Van Herck 2019 hat sich EVS vom reinen Hardwarehersteller systematisch zum Softwareunternehmen weiterentwickelt – rund die Hälfte der Belegschaft arbeitet mittlerweile in der Produktentwicklung, der Großteil davon an Software statt an Hardware.
Ein Schwerpunkt liegt beispielsweise auf KI, die gewöhnliche Kamerabilder in Sekundenschnelle in hochwertige Zeitlupen verwandelt, Live-Aufnahmen automatisch schärft oder Bilder passgenau für Social-Media-Formate zuschneidet. Parallel erschließt sich EVS mit robotergestützten Kamerasystemen ein weiteres Geschäftsfeld, das Kameraleute von repetitiven Aufgaben entlastet und neue Kamerawinkel ermöglicht.
Der Erfolg zeigt sich in den Zahlen. 2025 markierte das fünfte Rekordumsatzjahr in Folge, mit einem Umsatz von gut 208 Mio. Euro und einer operativen Marge von rund 21%. Mit einer Eigenkapitalquote von rund 75% ist die Bilanz trotz Zukäufen, erhöhter Dividende und laufendem Aktienrückkauf kerngesund.
Und auch langfristig zeigt sich, der Unternehmenswert wächst kontinuierlich. Trotz einer Restrukturierung in den 2010er Jahren und der Corona Pandemie (dem Endgegner für Live-Events) lag das Wachstum des Buchwerts pro Aktie bei rund 10,7% pro Jahr -siehe nachfolgende Grafik die blauen Balken.
Historische Entwicklung des Unternehmenswerts (blaue Balken) und Bewertung der Aktie über die letzten 20 Jahre, Quelle: ACATIS Investment, eigene Berechnung
Diese Kombination aus erstklassiger Unternehmensqualität abseits des Mainstreams ist genau die Art von Investments, die ich für den ACATIS Small Diamonds suche.
Die rund 10% langfristige Unternehmenswertsteigerungen sind für uns eine realistische Annahme auch für das zukünftige Unternehmenswachstum. Hinzu kommt aktuell bei einer Ausschüttungsquote von rund 40% eine Dividendenrendite von 4,3%. Beides zusammen in meinen Augen eine sehr attraktive Renditeerwartung für die unternehmerischen Risiken.
Und war die Begeisterung in den 2010er Jahre noch groß und die Bewertungen entsprechend teuer, so gilt nun genau das Gegenteil. Mr. Market handelt aus anhaltendem Desinteresse an Nebenwerten die Aktien inzwischen mit nur noch dem 1,6-fachen Buchwert und einem einstelligen KGV von 8,9 für einen Marktführer mit felsenfester Bilanz in einem stetig wachsenden Markt.
Am Sonntag wird entschieden, welche Mannschaft die Fußball-WM gewinnt. Das Finale wird eng, die Emotionen steigen – so soll es sein. Doch während auf dem Platz noch alles möglich ist, steht der Gewinner an der Börse für mich bereits fest:
EVS, der leise Gewinner der Digitalisierung und der Live-Übertragungen.
Über den Autor: David Houdek ist seit 20 Jahren Value-Investor aus Leidenschaft und bei ACATIS Investment der Fondsmanager des ACATIS Small Diamonds. Selbst mit einem Großteil seines Vermögens im Fonds investiert, sucht er in den Weiten des Aktienuniversums nach unbekannten Weiter-so-Aktien - unterbewerteten Qualitätsunternehmen abseits des Mainstreams die noch für viele Jahre ihre erfolgreiche Geschäftsentwicklung fortsetzen können. Folgen Sie David Houdek auf LinkedIn für weiteren Content rund um Aktien, Börse und Investieren.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Veranschaulichung unseres Investmentprozesses und stellt keine Anlageberatung dar. ACATIS kann in dem besprochenen Unternehmen investiert sein – es kann daher ein Interessenkonflikt bestehen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr übernommen.

