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Cashflow-Loch

Alphabet reißt Microsoft mit 29.10.2026, 17:03 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Cashflow-Loch: Alphabet reißt Microsoft mit
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Fast eine halbe Billion Dollar Börsenwert stand für Alphabet am Donnerstag auf dem Spiel. Der Google-Mutterkonzern hat im dritten Quartal mehr Geld in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz gesteckt, als das laufende Geschäft einbrachte – an der Wall Street sackte die Aktie daraufhin in der Spitze um fast 14 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende März ab, zuletzt lag das Minus bei knapp 12 Prozent. Hierzulande kostet die Alphabet-Aktie rund 257 Euro, vor einer Woche waren es noch knapp 294 Euro. Mitgerissen wird ausgerechnet Microsoft, das mit seinen Zahlen eigentlich überzeugt hatte.

Neun Milliarden Dollar Minus beim freien Cashflow

Den Ausschlag gibt eine Rechnung, die an der Börse derzeit genauer geprüft wird als jede Umsatzzahl: Alphabet steigerte die Kapitalinvestitionen im Quartal auf gut 51 Milliarden Dollar, nach knapp 45 Milliarden in den drei Monaten davor. Der freie Barmittelzufluss rutschte dadurch mit rund neun Milliarden Dollar ins Minus. Der Umsatz stieg zwar um rund 25 Prozent auf 127,6 Milliarden Dollar, verfehlte die Erwartungen aber knapp. Der Gewinn sank um rund ein Viertel auf knapp 26,2 Milliarden Dollar – wobei hier auch Bewertungsschwankungen bei Beteiligungen wie der Weltraumfirma SpaceX hineinspielen. Für 2027 rechnet der Konzern weiter mit deutlich steigenden Investitionen. Marktbeobachter fassten die Reaktion so zusammen, dass der Markt Ausgabendisziplin belohne und Investitionen ohne Cashflow-Deckung bestrafe.

Aus Aktionärssicht ist die Korrektur zumindest erklärbar: Umsatz und Gewinn je Aktie seien diesmal gleichzeitig verfehlt worden, ein sogenannter Double-Miss, der bei einem Schwergewicht dieser Größe auch die Frage aufwerfe, ob weitere Tech-Konzerne mit ihren Zahlen enttäuschen könnten. Auf mehr Widerspruch stößt das Ausmaß des Abschlags. Die Ziele seien nur um rund ein Prozent verfehlt worden, der Kurs aber um mehr als zehn Prozent eingebrochen – und gemessen an den Gewinnen gelte die Aktie ohnehin nicht als teuer, wird vorgerechnet. Der Grundton unter langjährigen Aktionären: verärgert über die Wucht der Reaktion, aber nicht verunsichert über das Geschäftsmodell.

Die KI-Suche wächst schneller als ihr Ertrag

Dass sich die Sorge um die KI-Milliarden gerade bei Alphabet so zuspitzt, liegt an der Suchmaschine, die den Ausbau finanzieren soll. Die Werbeerlöse rund um die Google-Suche wuchsen um rund zwölf Prozent auf 63,35 Milliarden Dollar, erwartet waren eher 65 Milliarden. Die Zahl der Suchanfragen steigt nach Konzernangaben so schnell wie seit fünf Jahren nicht – doch Werbeplätze im KI-Modus sind bislang weniger lukrativ als in der klassischen Suche. Glänzend lief dagegen die Cloud: Der Umsatz hat sich mit 30,7 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt und lag über den Erwartungen. Die kanadische Bank RBC senkte das Kursziel für die A-Aktie nach den Zahlen von 425 auf 400 Dollar, beließ die Einstufung aber auf „Outperform“ – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung.

Unter Anlegern wird die Werbeschwäche vor allem als Übergangsphase gelesen. Ähnlich wie beim Wechsel vom Desktop zum Smartphone warte der Konzern, bis das neue Produkt ausgereift sei, und ernte erst danach – die Skalierung komme 2027 und 2028, heißt es. Gestützt wird das von einem Nutzer, der Gemini nach eigenen Angaben täglich verwendet und die Qualität der Antworten hervorhebt. Auf die Kostenseite zielt dagegen dieser Einwand:

Das eigentliche Problem an der Kannibalisierung durch die AI gestützte Suche ist nicht die fehlende Möglichkeit der Monetarisierung durch Werbung, sondern dass die AI einfach viel kostenintensiver ist als die normale Suche.

Optimisten halten dem entgegen, dass die eigenen KI-Chips der Sparte TPU die Investitionslast mit der Zeit drücken könnten, während die Zahl der Suchanfragen weiter steige. Skeptiker wollen das erst sehen: Alphabet müsse zunächst beweisen, dass die gigantischen Summen reale Gewinne abwerfen. Die Stimmung bleibt an diesem Punkt gespalten – mit klarem Argument auf beiden Seiten.

Microsoft dreht trotz Azure-Schub ins Minus

Wie sehr die Alphabet-Rechnung den ganzen Sektor belastet, zeigt sich bei Microsoft. Der Softwarekonzern steigerte den Erlös um fast ein Fünftel auf 92,3 Milliarden Dollar, der Gewinn kletterte um ein Drittel auf 36,6 Milliarden Dollar, angetrieben vom Cloud-Geschäft Azure. Die Investitionen fielen mit gut 45 Milliarden Dollar sogar niedriger aus als erwartet, der freie Mittelzufluss erreichte fast 19 Milliarden Dollar. Doch kaum war der Handel eröffnet, kippte die Stimmung: In New York drehte die Aktie nach deutlichen vorbörslichen Gewinnen um 1,5 Prozent ins Minus. Belastend wirkte zusätzlich, dass Microsoft erstmals seit 2017 Anleihen ausgeben will – nach Medienberichten über mindestens 25 Milliarden Dollar –, um den Ausbau weiter zu finanzieren. Schon im laufenden Quartal sollen die Investitionen auf rund 50 Milliarden Dollar steigen. Den Weg an den Anleihemarkt war Alphabet bereits im Februar gegangen.

Bemerkenswert ist der Kursvergleich auf deutschen Handelsplätzen: Hier fällt Microsoft mit knapp 469 Euro sogar stärker als Alphabet – ein Minus von fast 4 Prozent, nachdem die Aktie am Morgen noch bis zu 498 Euro gekostet hatte. Alphabet gibt hierzulande dagegen nur rund 2,7 Prozent ab, weil der Großteil des Einbruchs schon im späten Vorabendhandel eingepreist wurde.

Auf Aktionärsseite sorgt die Kehrtwende für Unverständnis. Noch am Morgen schien die Lehre des Tages klar: Belohnt werde, wer nicht zu viel Geld verbrenne – Microsoft also, nicht Alphabet. Wenige Stunden später überwiegt der Frust, dass starke Zahlen erneut fast vollständig abverkauft würden. Dass die Anleihe-Pläne schon zum Ende der Telefonkonferenz am Vorabend bekannt gewesen seien und das nachbörsliche Plus deshalb kleiner ausgefallen sei, liefert dafür zumindest eine Erklärung.

Gut ein Viertel unter dem Jahreshoch

Für Alphabet bleibt damit vor allem die Frage, wie tief die Neubewertung reicht. Vom Jahreshoch bei 346 Euro ist die Aktie inzwischen rund 26 Prozent entfernt, im Tagestief rutschte sie bis auf 252 Euro. Auf Jahressicht steht trotzdem noch ein Plus von rund 5 Prozent zu Buche. Genau darauf verweisen langjährige Aktionäre: Vieles sei schon vor den Zahlen eingepreist gewesen, von einem Desaster könne beim Blick auf den Jahreschart keine Rede sein. Die Gelassenheit überwiegt – auch wenn sie sich ausdrücklich auf die lange Frist bezieht.

Kurzfristig richtet sich der Blick auf den nächsten Konzern mit Milliardenbudget für KI-Rechenzentren. Mehrere Anleger verweisen auf die anstehenden Zahlen von Amazon, die den Tech-Sektor erneut in Turbulenzen bringen könnten; die Aktie notiert bereits gut 3 Prozent leichter bei knapp 222 Euro. Sollte auch dort die Investitionsrechnung nicht aufgehen, dürfte die Frage, ob sich der KI-Ausbau aus dem laufenden Geschäft finanzieren lässt, die Kurse der Tech-Riesen weiter bestimmen. Die Anleger-Stimmung schwankt damit zwischen Ärger über die Härte der Reaktion und dem Vertrauen, dass sich die Milliarden am Ende auszahlen könnten.

Bn-Redaktion/sb
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