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Enteignungsstreit

Vonovia bleibt trotz Mietschub hinter Rivalen 15.10.2026, 13:27 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Enteignungsstreit: Vonovia bleibt trotz Mietschub hinter Rivalen
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Die Angebotsmieten in Deutschland ziehen wieder kräftiger an. Im dritten Quartal verteuerten sich angebotene Wohnungen nach Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft um 1,2 Prozent zum Vorquartal – der stärkste Anstieg seit Anfang 2025. An der Börse kommt davon bei Vonovia wenig an: Die Aktie notiert am Mittag nur rund 0,5 Prozent höher bei gut 16,70 Euro, während andere Wohnimmobilienwerte deutlich stärker zulegen. Auf Aktionärsseite richtet sich der Blick ohnehin vor allem auf die Berliner Koalitionsgespräche.

Berlin führt den Mietanstieg an

Binnen Jahresfrist lagen die Angebotsmieten im dritten Quartal um 3,7 Prozent höher, nach Abzug der Inflation blieb ein Plus von 0,7 Prozent. Zum Vorquartal zogen die Preise unter den großen Städten in Berlin mit 2,1 Prozent am stärksten an. Besonders gefragt sind Bestandswohnungen – ein Segment, das für große Bestandshalter wie Vonovia zentral ist. Dahinter steht der anhaltende Mangel: Bundesweit fehlen geschätzt mehr als eine Million Wohnungen, 2025 wurden mit 206.600 so wenige fertig wie seit 2012 nicht mehr.

Aus Anlegersicht ist das zunächst eine gute Nachricht für das Geschäftsmodell: Steigende Mieten und das Neugeschäft könnten höhere Finanzierungskosten abfedern und die Erträge sogar weiter stützen. Der Einwand folgt prompt: Je stärker die Mieten klettern, desto mehr Rückenwind erhielten die Befürworter einer Vergesellschaftung. Die Stimmung zu diesem Punkt bleibt damit zwiespältig.

Vergesellschaftung bleibt der dickste Brocken

Rund dreieinhalb Wochen nach der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September, aus der die Linke mit 25,7 Prozent als stärkste Kraft hervorging, sondieren Linke, Grüne und SPD weiter – nach einer kurzen Unterbrechung am Dienstag. Als größter inhaltlicher Brocken gilt die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, mit der die Linke rund 220.000 Wohnungen in kommunale Hand bringen will. Die SPD lehnte das lange strikt ab und brachte zuletzt einen neuen Volksentscheid ins Spiel, den die Linke nicht will. Ob Koalitionsverhandlungen beginnen, soll ein Linke-Parteitag am 31. Oktober entscheiden.

Vonovia besitzt zusammen mit der Tochter Deutsche Wohnen rund 138.000 Wohnungen in Berlin und Umgebung. Die Bundesregierung hat sich zwar darauf verständigt, Vergesellschaftungen auf Landesebene per Bundesgesetz auszuschließen – bislang liegt dazu aber nur ein Beschluss des Koalitionsausschusses vor, kein Gesetzentwurf.

Mehrere Aktionäre sehen in der fortgesetzten Sondierung den eigentlichen Bremsklotz für den Kurs. Ohne die Nachricht, dass weiter verhandelt wird, stünde die Aktie längst deutlich höher, lautet eine Rechnung. Zudem wird darauf verwiesen, dass Vonovia als Vermieter besser dastehe als viele Wettbewerber und die Belastung der Mieter erträglich halte – eine Vergesellschaftung sei deshalb kaum zu begründen.

Es müssen einige risiken und negativ treiber final geklärt werden. Weder die politik intern und geopolitik kommt hier vorwärts. Die externen faktoren werden stärker angenommen als die internen guten stabilen finanzzahlen.

Unter langjährigen Aktionären bleibt die Hoffnung, dass die operativen Zahlen nach einer politischen Klärung wieder zählen könnten – der Ton ist eher gereizt als panisch.

Fallende Renditen verpuffen bisher

Binnen eines Jahres hat die Vonovia-Aktie rund 40 Prozent eingebüßt, vor zwölf Monaten kostete sie noch knapp 28 Euro. Am Donnerstag ziehen die Konkurrenten davon: LEG Immobilien gewinnt rund 1,5 Prozent auf 46,04 Euro, TAG Immobilien 1,7 Prozent auf 10,48 Euro. Auffällig: Selbst die stark auf Berlin ausgerichtete Tochter Deutsche Wohnen legt um 1,4 Prozent auf 15,32 Euro zu.

Unter Anlegern sorgt die verhaltene Reaktion auf die Zinsseite für Unverständnis. Der Kursrutsch der vergangenen Monate sei vor allem mit steigenden Zinsen begründet worden – nun, da die Renditen nachgäben, bleibe die Gegenbewegung aus, lautet ein wiederkehrendes Argument. Wie stark die Finanzierungskosten tatsächlich drücken, wird unterschiedlich gelesen: Kurs-Optimisten verweisen darauf, dass Vonovia Darlehen abbaue und nur Teile der Schulden neu finanziere, sodass der Zinseffekt nie voll durchschlage. Skeptiker halten dagegen, neue Anleihen seien deutlich teurer als die auslaufenden Papiere aus der Niedrigzinsphase, die Schuldenlast wiege entsprechend schwer. Die Anleger-Stimmung pendelt damit zwischen Trotz und Ungeduld.

Bn-Redaktion/sb
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