Microsoft vor Zahlen

Platzt jetzt die KI-Blase? 20.07.2026, 11:55 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Sparprogramm trifft auf eine der größten Investitionswellen der Konzerngeschichte

Nur wenige Wochen vor dem Quartalsbericht hatte Microsoft am 6. Juli rund 4.800 Stellen gestrichen. Das entspricht etwa zwei Prozent der Belegschaft. Gleichzeitig reichte der Konzern 2.879 Anträge für H-1B-Arbeitsvisa ein. Dabei handelte es sich überwiegend um Verlängerungen und Übertragungen für bereits beschäftigte Mitarbeiter.

Auch ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden fand deutlichen Zuspruch. Von 8.750 Beschäftigten, die dafür infrage kamen, nahmen rund 30 Prozent das Angebot an. Die Maßnahmen verdeutlichen, dass Microsoft seine Kostenbasis anpasst, während der Konzern parallel enorme Summen in Rechenzentren, Chips und weitere KI-Infrastruktur lenkt.

Seit dem Hoch im Oktober 2025 ist der Börsenwert des Unternehmens um rund 1,2 Billionen Dollar gesunken. Damit steht die Entwicklung der Marktkapitalisierung in starkem Kontrast zum laufenden Investitionsprogramm.

Für das laufende Jahr plant Microsoft Investitionsausgaben von rund 190 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Konzerns entfallen davon etwa 25 Milliarden Dollar auf Preissteigerungen bei Komponenten. Für das kommende Quartal hatte Finanzchefin Amy Hood ein Investitionsvolumen von mehr als 40 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt.

Azure wächst rasant, doch die KI-Kosten hinterlassen Spuren

Im zuletzt veröffentlichten dritten Geschäftsquartal 2026 erzielte Microsoft einen Umsatz von 82,9 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Wachstum von 18 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag bei 4,27 Dollar. Beide Werte übertrafen die Erwartungen.

Besonders dynamisch entwickelte sich das KI-Geschäft. Die Sparte erreichte eine annualisierte Umsatzrate von 37 Milliarden Dollar und wuchs damit um 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Cloud-Angebot Azure steigerte seinen Umsatz um 40 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich der Auftragsbestand im Commercial-Geschäft, der sogenannte Commercial RPO, um 99 Prozent auf 627 Milliarden Dollar.

Die hohen Investitionen wirkten sich jedoch auf zentrale Finanzkennzahlen aus. Die Bruttomarge im Cloud-Geschäft sank auf 66 Prozent. Der freie Cashflow ging von 20,3 Milliarden auf 15,8 Milliarden Dollar zurück. Hood erklärte, dass die Ausgaben für künstliche Intelligenz die Margen kurzfristig belasteten. Zugleich zeigte sie sich weiterhin von der langfristigen Kapitalrendite überzeugt.

Für das vierte Geschäftsquartal hatte Microsoft einen Umsatz zwischen 86,7 und 87,8 Milliarden Dollar prognostiziert. Beim Azure-Geschäft stellte der Konzern ein Wachstum von 39 bis 40 Prozent in Aussicht.

Analysten kürzen Kursziele, erhöhen aber ihre KI-Erwartungen

Das Analysehaus BNP Paribas rechnet für das anstehende Quartal mit einem Azure-Wachstum von 41 Prozent. Zudem erwartet das Institut sieben bis acht Millionen neue Copilot-Abonnenten. In einem besonders optimistischen Szenario hält BNP Paribas sogar mehr als 30 Millionen zusätzliche Abonnenten für möglich.

Für das Geschäftsjahr 2027 prognostiziert das Analysehaus ein Umsatzwachstum von 18 Prozent. Der Marktkonsens liegt dagegen bei 16,8 Prozent. Gleichzeitig erhöhte BNP Paribas seine Schätzung für die Investitionsausgaben 2027 um 15 Prozent auf 262 Milliarden Dollar. Die Einstufung blieb bei Outperform, während das Kursziel leicht auf 549 Dollar reduziert wurde.

Der Konsens für das bevorstehende Quartal liegt bei einem Gewinn je Aktie von 4,24 Dollar und einem Umsatz von 87,67 Milliarden Dollar. Auch andere Analystenhäuser nahmen ihre Kursziele zurück, hielten aber an ihren grundsätzlich positiven Einschätzungen fest. Citi senkte das Ziel von 620 auf 570 Dollar, Mizuho von 515 auf 490 Dollar, Wells Fargo von 650 auf 625 Dollar und Argus von 620 auf 510 Dollar. Der mittlere Analystenkonsens liegt bei rund 558 Dollar.

Marktbeobachter betrachten Microsoft gemeinsam mit Alphabet als einen vergleichsweise konservativen Investitionsplaner unter den großen Technologiekonzernen. Eine mögliche Anhebung der Investitionsprognose könnte deshalb auch über Microsoft hinaus als Signal für den weiteren Verlauf des KI-Investitionszyklus gewertet werden.

Die Microsoft-Aktie schloss am vergangenen Freitag bei 344,40 Euro und damit 1,77 Prozent unter dem Vortageswert. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 16,64 Prozent. Gegenüber dem Ende Oktober 2025 erreichten 52-Wochen-Hoch liegt der Kurs 27,96 Prozent niedriger.

Der Quartalsbericht am 29. Juli dürfte deshalb vor allem an drei Punkten gemessen werden: der Wachstumsdynamik von Azure, der Monetarisierung von Copilot und der Entwicklung der Cloud-Margen. Ebenso entscheidend wird sein, ob Microsoft seine hohen Investitionen mit weiter steigenden Auftragseingängen, zusätzlichen KI-Umsätzen und einer belastbaren Prognose für das Geschäftsjahr 2027 unterlegen kann.

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Bn-Redaktion/aw
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