Nestlé im Umbau

Milliardenprogramm soll Wachstum retten 15.03.2026, 14:10 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Nestle
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Wachstum mit Preisschild: Warum Nestlés Umsatzplus trügerisch wirkt

Nestlé befindet sich mitten in einem der tiefgreifendsten Umbauprogramme seiner Unternehmensgeschichte. Die Geschäftszahlen für 2025 zeigen deutlich, wie anspruchsvoll diese Phase ist. Der Nahrungsmittelkonzern erzielte im Gesamtjahr einen Umsatz von 89,5 Milliarden Franken und erreichte damit ein organisches Wachstum von 3,5 Prozent. Hinter dieser Zahl verbirgt sich jedoch eine differenziertere Entwicklung. Ein Großteil des Wachstums stammt aus Preisanpassungen: 2,8 Prozentpunkte gehen auf höhere Preise zurück, während das reale interne Wachstum lediglich 0,8 Prozent betrug.

Gleichzeitig standen die Margen unter Druck. Besonders steigende Preise für Kaffee und Kakao belasteten die Kostenstruktur. Diese Entwicklung spiegelte sich auch beim Ergebnis wider. Der zugrundeliegende Gewinn je Aktie sank um 7,3 Prozent auf 4,42 Franken. Zusätzlich musste der Konzern einen Rückruf von Säuglingsnahrungsprodukten verkraften, der das Ergebnis mit rund 185 Millionen Franken belastete. Die Auswirkungen dieses Vorfalls sind noch nicht vollständig abgeschlossen. Für das erste Quartal 2026 rechnet das Management mit weiteren Einmalkosten von etwa 200 Millionen Franken, die ebenfalls auf diesen Rückruf zurückzuführen sind.

Milliardenprogramm beschleunigt Effizienzoffensive

Parallel zu den operativen Herausforderungen treibt Nestlé sein Effizienzprogramm „Fuel for Growth“ voran. Im Jahr 2025 erzielte der Konzern Einsparungen von 1,1 Milliarden Franken und übertraf damit deutlich das ursprünglich gesetzte Ziel von 700 Millionen Franken. Für das laufende Jahr wurde das Einsparziel bereits deutlich angehoben: 2026 sollen Kostensenkungen von 2,0 Milliarden Franken erreicht werden. Insgesamt plant das Unternehmen, bis Ende 2027 kumulierte Einsparungen von 3,0 Milliarden Franken zu realisieren.

Ein zentraler Bestandteil dieser Initiative ist eine umfangreiche Anpassung der Organisationsstruktur. Weltweit sollen rund 16.000 Stellen abgebaut werden, davon etwa 12.000 im Verwaltungsbereich. Parallel dazu verändert Nestlé auch sein Vergütungssystem für Führungskräfte. Ab 2026 sollen Bonuszahlungen stärker an das reale interne Wachstum gekoppelt werden. Reine Preiserhöhungen gelten künftig nicht mehr als ausreichender Leistungsindikator.

Portfolio im Wandel: Verkäufe, Fokus und Milliarden-Cashflow im Blick

Neben Kostensenkungen richtet der Konzern auch sein Portfolio neu aus. Künftig will sich Nestlé stärker auf Kernsegmente konzentrieren, darunter Kaffee, Tiernahrung, Ernährung und Gesundheit sowie klassische Alltagslebensmittel. Erste Schritte dieser Strategie sind bereits sichtbar. So wurde die Filialkette Blue Bottle Coffee für weniger als 400 Millionen Dollar verkauft. Beim Einstieg im Jahr 2017 hatte Nestlé noch rund 700 Millionen Dollar investiert.

Auch in anderen Geschäftsbereichen laufen strukturelle Veränderungen. Für das Eiscremegeschäft führt Nestlé fortgeschrittene Gespräche mit Froneri. Zudem plant das Unternehmen, seine Wassersparte bis 2027 zu entkonsolidieren.

Für das Geschäftsjahr 2026 stellt das Management ein organisches Wachstum zwischen 3 Prozent und 4 Prozent in Aussicht. Gleichzeitig soll sich das reale interne Wachstum verbessern. Bei der sogenannten UTOP-Marge erwartet der Konzern insbesondere in der zweiten Jahreshälfte eine stärkere Entwicklung. Der freie Cashflow soll laut Prognose über 9 Milliarden Franken liegen. Auf der Hauptversammlung am 16. April will der Verwaltungsrat zudem eine Dividende von 3,10 Franken je Aktie vorschlagen. Das entspricht einer Erhöhung um fünf Rappen gegenüber dem Vorjahr.

An der Börse zeigt sich bereits eine vorsichtige Reaktion auf den laufenden Umbau. Die Aktie notiert derzeit rund 7 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Diese Entwicklung deutet auf eine moderate Erholung hin, während Investoren weiterhin beobachten, ob die strategischen Maßnahmen tatsächlich zu stärkerem realen Wachstum führen. Die Halbjahreszahlen 2026 dürften dabei als erster wichtiger Belastungstest für die neue Ausrichtung gelten.

Bn-Redaktion/aw
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