Rheinmetall-Aktie stürzt ab

Pistorius stoppt F126 24.06.2026, 19:08 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Rheinmetall
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Pistorius zieht beim F126-Projekt die Reissleine

Die Rheinmetall-Aktie ist zur Wochenmitte massiv unter Druck geraten und zeitweise um deutliche 18,49 Prozent auf 950,90 Euro eingebrochen. Damit landete der Düsseldorfer Rüstungskonzern am DAX-Ende und trug die rote Laterne im deutschen Leitindex. Auslöser des Kursrutsches ist eine weitreichende Entscheidung aus Berlin: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) beendet nach umfangreichen Prüfungen das milliardenschwere Rüstungsprojekt für sechs Fregatten des Typs F126.

Das Verteidigungsministerium teilte mit, dass der Bau der insgesamt sechs Fregatten nicht weiterverfolgt werde. Zuvor hatten mehrere Medien, darunter der "Spiegel", über die Entscheidung berichtet. Rheinmetall hatte sich zuletzt als mögliche Rettungsoption für das angeschlagene Projekt positioniert, geht nun aber leer aus. Stattdessen will die Bundesregierung neue Fregatten beim U-Boot-Bauer TKMS beschaffen.

Ursprünglich war das niederländische Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding, kurz DSNS, als Generalunternehmer beauftragt worden. Nach Angaben des Ministeriums konnten jedoch die zeitlichen und finanziellen Vorgaben nicht eingehalten werden. Die erste Fregatte mit sogenannter Anfangsbefähigung hätte Mitte 2028 ausgeliefert werden sollen, die weiteren fünf Schiffe bis 2033.

Milliardenrisiko statt Rettungsdeal

Berlin hatte zwischenzeitlich geprüft, ob ein Wechsel des Generalunternehmers zur Naval Vessels Lürssen, NVL, möglich wäre. Diese gehört inzwischen zu Rheinmetall. Der Konzern hatte NVL Anfang April für 1,5 Milliarden Euro übernommen. Mittelpunkt der Werft-Sparte ist die Hamburger Werft Blohm+Voss. Doch genau dieser mögliche Neustart wurde nun verworfen.

Das Projekt F126 war spätestens 2025 erheblich ins Stocken geraten. Als ein zentraler Grund galten IT-Probleme mit der Konstruktionssoftware bei den Niederländern. In Branchenkreisen hiess es, DSNS habe sich mit dem Auftrag offenkundig übernommen. Die europaweite Ausschreibung im Jahr 2020 war damals ein Novum und sollte mehr Wettbewerb in die Beschaffung der Bundeswehr bringen.

Finanziell hatte sich das Vorhaben jedoch immer stärker zugespitzt. Ursprünglich sollten die Kosten für sechs F126-Fregatten insgesamt rund 10 Milliarden Euro betragen. Inzwischen sind bereits rund 2,3 Milliarden Euro angefallen, die wohl grösstenteils abgeschrieben werden müssen. Ein Vertrag mit NVL als neuem Generalunternehmer hätte weitere rund 15,2 Milliarden Euro erfordert. Nach Angaben des Ministeriums wäre der Gesamtfinanzbedarf dadurch auf mehr als 18 Milliarden Euro gestiegen.

Hinzu kam ein juristischer Vorbehalt: Bei einem Wechsel des Generalunternehmers hätte der Bund vertraglich auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber dem bisherigen Auftragnehmer verzichten müssen. Das widerspreche laut Ministerium dem verantwortungsvollen Umgang mit Haushaltsmitteln.

TKMS rückt vor, Rüstungswerte geraten ins Wanken

Nach dem Stopp der F126 setzt das Verteidigungsministerium nun auf Fregatten des Typs Meko A-200 DEU von TKMS. Geplant ist die Beschaffung von acht Schiffen, die ursprünglich lediglich als Brückenlösung vorgesehen waren. Die Einheiten sollen vor allem für die seegestützte U-Boot-Jagd eingesetzt werden. Dieser Bereich sei innerhalb der Nato von höchster Relevanz und zugleich ein nationaler Schwerpunkt Deutschlands.

Der Kurseinbruch bei Rheinmetall blieb nicht ohne Folgen für andere Rüstungswerte. Auch Branchenkollegen gerieten zeitweise unter Druck. RENK-Aktien verloren 5,30 Prozent auf 43,31 Euro, während HENSOLDT-Papiere um 3,45 Prozent auf 68,84 Euro nachgaben.

Für die schwarz-rote Bundesregierung ist das Aus der F126 bereits das zweite grosse Rüstungsvorhaben innerhalb weniger Wochen, das nach langer Hängepartie gestoppt wird. Zuvor war auch das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS beendet worden. In der deutschen Rüstungsbranche wächst nun die Sorge, dass dem gemeinsamen Panzerprojekt MGCS ein ähnliches Schicksal drohen könnte.

Bn-Redaktion/aw
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